Wahlkampf in Sindelfingen „Die Stadt aus dem Dornröschenschlaf wecken“
Cengiz Karakas ist der fünfte Bewerber für die Sindelfinger OB-Wahl. Er ist bis jetzt der einzige Kandidat mit Migrationshintergrund.
Cengiz Karakas ist der fünfte Bewerber für die Sindelfinger OB-Wahl. Er ist bis jetzt der einzige Kandidat mit Migrationshintergrund.
Cengiz Karakas, 47, will für das Amt des Sindelfinger Oberbürgermeisters kandidieren. Damit ist er nunmehr der zweite Kandidat mit einem CDU-Parteibuch. Zwar unterstützt der Sindelfinger CDU-Stadtverband Markus Kleemann, den amtierenden Bürgermeister von Oberstenfeld, aber Cengiz Karakas findet, dass Sindelfingen einen Kandidaten braucht, der in der Stadt lebt und der ihre Probleme kennt. Weil er dieses Kriterium erfüllt, traut sich Karakas zu, „frischen Wind in die Stadt und die Stadtverwaltung zu bringen und die Stadt aus dem Dornröschenschlaf zu wecken“.
Seit dem Jahr 2000 wohnt Karakas auf dem Goldberg in Sindelfingen. Aufgewachsen ist er in Böblingen, machte am Max-Planck-Gymnasium im Jahr 1996 sein Abitur, bildete sich bei Daimler Benz zum Elektrotechniker aus, wurde zuerst IT-Administrator und ist jetzt Montageplaner. Im Daimlerwerk in Sindelfingen legt er fest, was und in welcher Geschwindigkeit an einer Produktionslinie zu verbauen ist.
In seinen Berufsjahren hatte er Einsätze in Rastatt, Kecskemét in Ungarn und aktuell in China. „Da habe ich viel Interkulturelles mitnehmen können“, sagt Karakas. Überhaupt ist ihm die Interkulturalität wichtig: „Wir sind eine bunte Stadt mit Menschen aus 120 Nationen, die etwa zwei Drittel der Bevölkerung bilden“, sagt Karakas. Er findet, dass sich diese Vielfalt auch in den städtischen Gremien und vor allem im Gemeinderat abbilden solle.
Er selbst ist ehrenamtlicher Vorsitzender des deutsch-türkischen Vereins „Karandere“, benannt nach einem Dorf in der Türkei, aus dem etwa 3000 Menschen in den Landkreis Böblingen eingewandert sind. In diesem Verein geht es um gegenseitige Hilfe, um Sport und um das Empowerment von Mädchen. Als Vereinsvorsitzender hat er viel mit der Stadt zu tun und ist so auf Themen gestoßen, die er als künftiger Oberbürgermeister angehen möchte. Vor allem gefällt ihm nicht, wie die internationalen Vereine untergebracht sind. „Das lässt wirklich zu wünschen übrig“, sagt er, und als Beispiel nennt er die alte AOK-Schalterhalle, die seiner Meinung nach ein besseres Abrissgebäude ist. Auch die Schulen der Stadt könnten baulich besser aufgestellt sein. So werde die Gemeinschaftsschule am Goldberg immer wieder von Wasserschäden heimgesucht, hier möchte Karakas eine solide bauliche Lösung finden: „Das kann man besser angehen.“
Aber auch in der Kernstadt gibt es vieles, was für den 47-Jährigen verbesserungswürdig ist. Beispielsweise will er sich tatkräftig für das Stern Center einsetzen und es aufwerten. Am Herzen liegt ihm auch das Domo-Gebäude, das seiner Ansicht nach dahinsiecht. Für Karakas ist es unbegreiflich, „dass man da sehenden Auges nichts unternimmt“.
Als weiteren Ort, der entwickelt gehört, hat er den Wasserturm am Goldberg ausgemacht, dessen Café seit längerem brach liegt. „Ich finde es schade, dass man so ein Café nicht aktiviert. Wir haben sehr viel Tourismus durch das Daimlerwerk. Es wäre eine absolute Bereicherung, wenn man den Wasserturm wieder touristisch nutzt.“ Bürgernähe ist Cengiz Karakas ganz wichtig. Niemandem in Sindelfingen solle es so ergehen, wie es ihm einst ergangen sei, schildert er, als er Monate auf einen Termin mit dem Oberbürgermeister habe warten müssen.
Die Oberbürgermeisterwahl wird am 11. Mai stattfinden, die Bewerbungsfrist endet am 14. April. Bislang haben sich der Ehninger Bürgermeister Lukas Rosengrün (SPD), der 25-jährige Sindelfinger Max Reinhardt (FDP) und der Bürgermeister von Oberstenfeld, Markus Kleemann (CDU), beworben. Zuletzt warf der 67-jährige Andreas Ankele, der langjähriger Betreiber der Sindelfinger Kultkneipe Traube, seinen Hut in den Ring. Bernd Vöhringer (56), der 24 Jahre Oberbürgermeister von Sindelfingen war, tritt nicht mehr an.