Wahlkampf in Stuttgart Schlagabtausch auf Wahlplakat

Von che / jgp 

Unbekannte haben einen provokanten Piratenpartei-Slogan in Stuttgart mit einem Gegenappell gekontert – mit Bezug auf „evangelisches Gemeindeleben“. Und auch andere Parteien haben verunstaltete Wahlplakate entdeckt. Eine breit angelegte Aktion?

Ein Wahlslogan mit Religionsbezug hat in Stuttgart Ostheim Reaktionen provoziert. Doch auch andere Parteien sind betroffenen, so etwa ... Foto: Piraten 18 Bilder
Ein Wahlslogan mit Religionsbezug hat in Stuttgart Ostheim Reaktionen provoziert. Doch auch andere Parteien sind betroffenen, so etwa ... Foto: Piraten

Stuttgart - An Verunstaltungen von Wahlplakaten hat sich das Wahlvolk gewöhnt. Die Zahl geschwärzter Schneidezähne der abgebildeten Kandidaten steigt erfahrungsgemäß in den Nachstunden. Ungewöhnlich ist der Fall, der sich am Wochenende vor der evangelischen Lukaskirche in Ostheim ereignet hat.

Unbekannte Gläubige fühlten sich von einem Plakat der Piratenpartei provoziert – und konterten: Sie überklebten das Konterfei eines bekannteren Piraten – Ali Utlu, der im Piraten-Landesvorstand Nordrhein-Westfalen sitztt – und den Slogan „Religion privatisieren: Für den Abbau der finanziellen und strukturellen Privilegien einzelner Glaubensgemeinschaften“ mit dem Spruch „Evangelisches Gemeindeleben: Für echte Begegnungen und ein solidarisches Miteinander.“

Auch Vertreter der Grünen wiesen auf verunstaltete Wahlplakate hin - von sich selbst und von der politischen Konkurrenz, namentlich der CDU. Die mit Slogans überklebten Plakate wurden in der Rosenbergstraße, am Wilhelmsplatz und in der Parlerstraße gesehen, schrieb ein Mitglied der Stuttgarter Grünen via Facebook, "außerdem wurde in Botnang ein Großflächenplakat umgeworfen". "Über die Gestaltung der Bäbber mit Times New Roman und Schreibfehler lasse ich mich besser nicht aus, aber dass es sich hierbei um eine größer angelegte, geplante Aktion handelt finde ich schon bedenklich", so das Grünen-Mitglied weiter. 

Piraten rufen zur offenen Diskussion auf

Wer zum Gegenschlag mit dem Zettel ausgeholt hat, ist in allen Fällen bislang nicht bekannt. Im Falle des überklebten Piraten-Plakats vermutet Landeschef Martin Eitzenberger, dass es sich um ein Mitglied der evangelischen Landeskirche handelt, weil es sich bei dem Zettel um deren Briefpapier handelt. Eitzenberger sieht das Überkleben des eigenen politischen Slogans aber als „sportliche Angelegenheit“. Der Piratenchef hat die Kirchengemeinde nun in einem Brief dazu aufgerufen, „in einer größeren Runde gemeinsam über die Rolle der Kirchen zu diskutieren.“

Die Kirchengemeinde erwägt tatsächlich das Angebot einer Diskussionsrunde. Derweil hat Piratenchef Eitzenberger das zweckentfremdete Wahlplakat ausgetauscht – jetzt hängt ein anderes Exemplar desselben Motivs vor der Kirche.

Hinweis: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, dass Ali Utlu bei der Bundestagswahl für die Piraten in Nordrhein-Westfalen kandidiert. Das ist nicht korrekt, wir haben es korrigiert: Utlu ist Mitglied des Landesparteivorstands.

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