Der Tübinger Bäckermeister Hermann Leimgruber (Mitte) führt bei einem Grünen-Wahlkampftermin Cem Özdemir (li.) und Boris Palmer durch seine Bäckerei „Cafe Lieb“. Foto: StZN/Dürr
Bei einem Wahlkampftermin des Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir ist eine mögliche Rolle Boris Palmers in der Landespolitik Thema. Bäcker Leimgruber hat bereits ein Ressort im Kopf.
Florian Dürr
27.01.2026 - 18:03 Uhr
Als Boris Palmer und Cem Özdemir nach einem launigen Gespräch mit Bäckermeister Hermann Leimgruber lachend vom Parkplatz in die Tübinger Bäckerei „Cafe Lieb“ gehen, ruft der Inhaber dem Grünen-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in seinem breiten Schwäbisch hinterher: „Der hat in Stuttgart koin Platz, der muss bleiba.“ Vehementer Widerspruch von Özdemir ist nicht zu vernehmen, der Grünen-Politiker reagiert mit einem schmunzelnden „Schaumermal.“
Auch später hört Leimgruber ganz genau hin, als sich Palmer und Özdemir bei dem Wahlkampftermin in Tübingen den Fragen der anwesenden Journalisten stellen. In einem Nebenraum der Bäckerei geht es an diesem Dienstag um die wenige Stunden zuvor veröffentlichte Umfrage, nach der sich jeder Dritte den Tübinger OB, der gar nicht zur Wahl steht, in der Landespolitik vorstellen kann – und jener nach Özdemir und Kretschmann der drittbekannteste Politiker im Südwesten sei. „Das hat er sich erarbeitet und verdient“, sagt Özdemir, gibt sich aber zurückhaltend, was einen Platz in einem möglichen Kabinett für den Tübinger OB angeht.
Boris Palmer zurück zu den Grünen? Cem Özdemir: „Frage stellt sich aktuell nicht“
Erst nach einem möglichen Sieg der Grünen bei der Landtagswahl am 8. März will deren Spitzenkandidat darüber entscheiden: „Das Fell des Bären wird nicht vor der Wahl verteilt“, macht Özdemir deutlich. Wenn er aber die Wahl gewinne und Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident werde – derzeit liegen die Grünen in Umfragen einige Prozentpunkte hinter der CDU – sei für ihn klar, dass er mit Leuten arbeiten wolle, die Pragmatiker seien. Mit Palmer habe er bereits jetzt einen „sehr wichtigen Ratgeber“, wenn es um Themen wie Klimaschutz, Wohnungspolitik oder Entbürokratisierung gehe – und einen, der „Versprechen hält, die andere geben“.
Boris Palmer (li.) und Cem Özdemir bei einem Grünen-Wahlkampftermin in Tübingen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister zeigt sich ebenfalls eher defensiv bei der Frage zu einem möglichen Wechsel aus der Kommunal-in die Landespolitik. „Selbst wenn ich es vor hätte, wäre es dämlich, das jetzt zu sagen“, so der parteilose Rathauschef. Klar sei jedoch, dass er den Kandidaten der Grünen unterstütze – ohne aber den derzeit aussichtsreichsten Kandidaten Manuel Hagel von der CDU „schlecht zu machen“. Eine Rückkehr zu seiner ehemaligen Partei schließt er nicht aus und setzt auf eine mögliche „Resozialisierung“ durch Özdemir wie kürzlich beim wieder eingetretenen Grünen-Urgestein Wolf-Dieter Hasenclever. Özdemir aber macht am Dienstag in Tübingen klar, dass Palmer zwar nach wie vor zur „grünen Familie“ zähle, aber die Frage nach einer Rückkehr in die Partei stelle sich „aktuell nicht“.
„Nix Soziales“, sagt Tübinger Bäcker zu möglichem Palmer-Ministerium
Wirklich beruhigt haben die Aussagen Bäckermeister Leimgruber nicht. Palmers potenzielle Rückkehr auf die Landesebene – der Tübinger OB war zu Beginn seiner Politik-Karriere Landtagsabgeordneter – habe „ja keiner negiert“, sagt Leimgruber: „Und worom soll er nach so vielen Jahren in Tübingen et nach Stuttgart?“, fragt er. Plötzlich scheint von seinem zuvor fordernden Zuruf auf dem Parkplatz nichts mehr übrig zu sein. Baden-Württembergs aktuellen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) könne weder Özdemir noch Palmer alleine ersetzen, aber „beide zusammen können es“, ist sich Leimgruber sicher.
Ein mögliches Ressort für den Tübinger OB hat er auch schon im Kopf: „Wenn dann muss er Wirtschaft machen, das kann er und hat er hier bewiesen. Nix Soziales“, sagt Leimgruber. Und was machen die Tübinger Bürger ohne ihren bundesweit bekannten Bürgermeister? Leimgruber gibt sich schwäbisch-entspannt: „Dann müssmer halt an Neuen suchen.“