Wahlkampf-Vorboten Wer will OB von Leonberg werden?
CDU und Freie Wähler stellen bald ihren Bewerber vor. Dass Josefa von Hohenzollern antritt, gilt als sicher. Unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski zieht Zwischenbilanz.
CDU und Freie Wähler stellen bald ihren Bewerber vor. Dass Josefa von Hohenzollern antritt, gilt als sicher. Unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski zieht Zwischenbilanz.
Eine vorsommerliche Ruhe hat sich ausgebreitet, es ist Ferienzeit. Die Straßen sind leerer, in den Geschäften ist weniger los. An vielen Arbeitsstätten wird mit halber Kraft gearbeitet. Auch das kommunalpolitische Leben läuft auf Sparflamme. Wobei das zumindest in Leonberg nur bedingt stimmt. Dort werden hinter den Kulissen die Weichen für den anstehenden OB-Wahlkampf gestellt. Der sozialdemokratische Oberbürgermeister Martin Georg Cohn tritt nach einer von oft harten Auseinandersetzungen geprägten Amtszeit nicht mehr an. Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger wird am 28. September direkt gewählt.
Und dass es Interessenten gibt, ist kein Geheimnis. Schon offensiven Wahlkampf betreibt Benjamin Schulz, heimischen Facebook-Nutzern als Administrator der Leonberg-Gruppe bekannt. Der 41-Jährige, der sich im Netz als „selbstständig im Bereich Influence-Management“ vorstellt, betont seine Unabhängigkeit von den Parteien und will auf den nun anstehenden Festen mit den Menschen ins Gespräch kommen.
Das wird auch derjenige machen, den die CDU und die Freien Wähler am Samstag, 28. Juni, um 14.30 Uhr in der Stadthalle als ihren gemeinsamen Bewerber für den Chefsessel im Rathaus vorstellen. Der CDU-Stadtverbandschef Oliver Zander hatte unlängst unserer Zeitung gesagt, man sei „in der Schlussphase“ des Auswahlverfahrens. Das ist nun beendet. Dem Vernehmen nach haben Christdemokraten und Freie Wähler einen jüngeren Mann mit Verwaltungserfahrung aus Nordrhein-Westfalen für Leonberg begeistern können. Von ihm, so erklären Zander und der Freie Wähler-Chef Stephan Schwarz, erwarte man vor allem, dass er die Stadtverwaltung reorganisiert.
Ob diese Aufgabe der Aspirant im Erfolgsfall zusammen mit seiner Stellvertreterin angeht? In politischen Kreisen wird damit gerechnet, dass die vom amtierenden Oberbürgermeister Cohn kaltgestellte Erste Bürgermeisterin nach dessen Abschied ins Leonberger Rathaus zurückkehren wird. Offen ist lediglich die Frage, in welcher Funktion dies geschieht.
Josefa von Hohenzollern hat sich in den vergangenen Monaten keine Mühe gegeben, ihr Interesse am höchsten Amt der Großen Kreisstadt zu verbergen. In den gängigen Internet-Foren ist die FDP-Politikerin omnipräsent. Ohne konkret den OB-Posten zu erwähnen, preist sie sich dort als „bürgernah, kompetent, erfahren und zielorientiert“. Das macht niemand, der nicht nach Höherem strebt. Offiziell hält sich die seit zwei Jahren im Zwangsurlaub befindliche Bürgermeisterin noch zurück. Doch spätestens wenn Christdemokraten und Freie Wähler ihren Kandidaten präsentieren, dürfte sich auch die vormalige Josefa Schmid erklären.
Inwieweit sich noch andere dem sich abzeichnenden Bewerber-Trio hinzugesellen, bleibt abzuwarten. Von den Grünen ist bisher nichts zu hören. Die SPD hat bereits abgewunken. Die allerorten auftretenden sogenannten Spaßkandidaten bereiten Aufwand und verursachen Kosten, sind in der Regel aber keine wirklichen Alternativen.
Spannend bleibt die Frage, mit welchen Inhalten die potenziellen Interessenten bei den Leonbergern punkten wollen. Themen gibt es genug – von der Zukunft des Krankenhauses, über eine menschenfreundliche, gleichsam ideologiefreie Gestaltung der Innenstadt, bis hin zum Festigen des Wirtschaftsstandortes in unruhigen Zeiten. Und mit der Annahme, dass es innerhalb der Verwaltung Handlungsbedarf gibt, liegen CDU und Freie Wähler gewiss nicht falsch. Josefa von Hohenzollern wiederum kann für sich in Anspruch nehmen, dass sie für die Lage im Rathaus in den vergangenen zwei Jahren nicht verantwortlich gemacht werden kann.