Wahlkampfendspurt in Schorndorf Nur auf der Straße gibt’s direkten Wählerkontakt

Ein Lächeln können die Wahlhelfer in Schorndorf den Passanten wegen der Maske schwer schenken. Doch der direkte Wahlkampf ist den Parteien wichtig. Foto: Frank Eppler

Mangels Präsenzveranstaltungen haben die Landtagskandidaten kaum Möglichkeiten, sich mit den Bürgern auszutauschen. Deswegen sind Infostände trotz Maske und Abstandsregeln ein wichtig.

Schorndorf - Für die heiße Phase des Wahlkampfs müssen sich die Landtagskandidaten und ihre Helfer an diesem Samstagmorgen warm anziehen: Der Himmel ist blau, die Luft eiskalt. Trotzdem haben einige Parteien ihre Stände in der Schorndorfer Innenstadt aufgebaut. Straßenwahlkampf während der Coronapandemie: funktioniert das überhaupt?

 

„Ein schönes Wochenende“, wünscht Marcel Kühnert, es klingt durch die Maske etwas dumpf. Vermutlich lächelt der Schorndorfer SPD-Stadtrat dabei, aber das ist wegen des Mundschutzes nicht zu sehen. Er versucht, Flyer der Kandidatin Kathrin Breitenbücher zu verteilen. „Es ist schwierig, die Menschen weichen einem eher aus, der direkte Austausch ist kaum möglich“, erzählt Kühnert. Sonst sei man zu fünft oder sechst am Stand gewesen. „Jetzt wollen wir die Besetzung klein halten. Das ist eine andere Atmosphäre.“

Zurückhaltung und coronakonforme Giveaways

Am FDP-Stand gilt die Devise, nicht aktiv auf Passanten zuzugehen, um niemanden in eine unangenehme Situation zu bringen. „Wir verteilen unsere Giveaways coronakonform in Papiertüten“, erzählt der CDU-Kandidat Christian Gehring. Das kommt an: „Ich wähl’ euch nicht, aber ich nehm’s“, sagt ein Senior und greift zu. Trotz der erschwerten Bedingungen ist der Straßenwahlkampf zurzeit fast wichtiger als sonst. Denn die großen Präsenzveranstaltungen als Kontaktmöglichkeiten fallen weg: „Wir hatten vor Kurzem Christian Lindner da. Normalerweise hätte das die Künkelinhalle gefüllt“, berichtet der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann. Stattdessen wurde die Veranstaltung übers Internet übertragen.

Bei den Onlineformaten fehlt das direkte Feedback

Diskussionen finden nur online statt, viele Kandidaten drehen Videos, haben eigene Formate. Bei „Auf ein Viertele mit ...“ unterhält sich Christian Gehring mit CDU-Parteigrößen wie Günther Oettinger oder Wolfgang Schäuble. „Damit erreichen wir viele Menschen.“ Die SPD-Kandidatin Kathrin Breitenbücher wurde schon von Bürgern angesprochen, „die mich bei einer Onlineveranstaltung gesehen haben“.

Der Grünen-Landtagsabgeordneten Petra Häffner fehlt der richtige Schlagabtausch, das Feedback bei diesen Veranstaltungen: „Wie die Stimmung ist, das kriegt man eher auf der Straße mit“, sagt sie. Zwar verzichtet sie auf den persönlichen Haustürwahlkampf, sie klingelt bei niemandem. Wenn es aber beim Verteilen der Prospekte im Vorgarten zu Begegnungen kommt, nimmt Petra Häffner diese gerne wahr: „Der Austausch verlagert sich auf die Straße, ist abhängig vom Zufall“, hat die Schorndorferin festgestellt.

Jochen Haußmann hat zudem einen größeren Informationsbedarf bemerkt. „Meine Sprechstunden werden gerne wahrgenommen, die Leute kommen gezielt“, erzählt er und seine Zweitkandidatin Petra Erdmann-Thon ergänzt: „Ich glaube, dass die Menschen wieder einen stärkeren Bezug haben, weil sie in der Pandemie gesehen haben, wie Politik funktioniert.“

Frust und zerstörte Wahlplakate

Das trifft allerdings nicht auf alle Passanten zu. „Für manche bin ich einfach der Mülleimer“, sagt Petra Häffner. „Die wollen sich nicht austauschen, sondern nur ihren Frust loswerden.“ Am CDU-Wahlstand wird ein Helfer längere Zeit von einem Herrn belagert, es geht um die Weltordnung. Hat die Zahl von Leuten mit kruden Meinungen zugenommen? „Wenn es um Verschwörungstheorien geht, ist das extrem nervig. Ich breche solche Gespräche ab“, sagt Christian Gehring. Schlimm sei, wie ausfallend sich manche Leute in den sozialen Medien äußern würden: „Da braucht man ein dickes Fell.“

Petra Häffner bestreitet derzeit ihren dritten Wahlkampf – und zum ersten Mal wurden Plakate von ihr zerstört. „Da wurde blaue Farbe über meinen Mund gesprüht. So nach dem Motto: halt die Klappe“, erzählt die Grüne. „Das kenne ich so nicht.“ Heftig fand sie auch den Angriff auf den AfD-Stand vor zwei Wochen: „Das geht einfach gar nicht.“

Einige haben schon eine Woche vor der Wahl per Briefwahl abgestimmt

Die AfD ist an diesem Samstag nicht mit einem Stand vertreten – das sei allerdings schon vor dem Vorfall so geplant gewesen. In einer Seitengasse steht ein Streifenwagen der Polizei, „vermutlich zur Sicherheit“, sagt Haußmann, der von Plüderhausen kommt und nach Stetten weiterzieht. Auch die anderen Kandidaten sind noch fleißig unterwegs. In Schorndorf zeigt sich aber an Reaktionen, dass die Entscheidung bei einigen längst gefallen ist: „Ich hab’ schon gewählt“, ruft ein Passant im Vorbeigehen. Vermehrte Briefwahl: auch das gehört zur Pandemie.

Lesen Sie hier: Das sind die Kandidaten im Wahlkreis Schorndorf

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Schorndorf Wahlkampf