Wahlkreis Nürtingen Die Pläne der Landtagskandidaten zur Wirtschaftskrise
Die Landtagskandidaten im Wahlkreis Nürtingen wollen den Stellenabbau bremsen. Nur wie? Die Pläne im Überblick.
Die Landtagskandidaten im Wahlkreis Nürtingen wollen den Stellenabbau bremsen. Nur wie? Die Pläne im Überblick.
Massenentlassungen sind auch im Wahlkreis Nürtingen ein großes Thema. Firmen wie Putzmeister in Aichtal und Heller in Nürtingen haben massiv Jobs abgebaut. Die sechs Landtagskandidaten haben unterschiedliche Vorstellungen, wie die Landespolitik die Wirtschaft stärken kann, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben. Dabei geht es ihnen auch darum, Zukunftsvisionen für die Unternehmen zu entwickeln. Welche Impulse braucht da der Wirtschaftsstandort, um zukunftsfähig zu bleiben?
Der Abschwung in der Wirtschaft zeigt sich im Wahlkreis Nürtingen beispielhaft an großen Firmen, die nicht zuletzt beträchtlich zum Gewerbesteueraufkommen beitragen. Zum 1. April 2025 entfielen bei der Nürtinger Maschinenfabrik Heller dauerhaft 224 Vollzeit-Arbeitsplätze. Wegen rückläufiger Entwicklungen in den Kernmärkten hatte auch die Firma Putzmeister in Aichtal angekündigt, Stellen abbauen zu wollen. Dort war der Abbau von 140 Stellen im Gespräch. Der Verlust von Arbeitsplätzen betrifft immer mehr Menschen, die nach dem Jobverlust mit existenziellen Sorgen konfrontiert sind.
Wie wollen die Landtagskandidaten im Wahlkreis Nürtingen die Wirtschaft stärken und folglich Arbeitsplätze erhalten? „Wohlstand fällt nicht vom Himmel - wir müssen ihn erst erarbeiten“, sagt Maren Steege, die Kandidatin der CDU. „Da acht von zehn Autos aus Baden-Württemberg für den Export produziert werden, brauchen wir freien Welthandel wie etwa Mercosur und niedrigere Energiekosten für alle.“ Um die Abwanderung der Produktion zu stoppen, müssten Arbeitskosten gesenkt, Genehmigungen beschleunigt und Dokumentationspflichten radikal abgebaut werden.
„Bei meiner Wirtschaftstour im Wahlkreis spüre ich die Sorge vieler Menschen um ihren Arbeitsplatz. Das nehme ich sehr ernst“, sagt Clara Schweizer, die im ehemaligen Wahlkreis von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für die Grünen kandidiert. „Die Welt hat sich stark verändert – mit spürbaren Folgen für unsere Wirtschaft. Ich setze mich dafür ein, Technologieführer zu bleiben.“ Die Unternehmen in Baden-Württemberg will Tim Reeth (SPD) stärken, sie aber gleichzeitig in die Pflicht nehmen. Seine Partei will einerseits mit einer „Transformationsmilliarde“ innovative Entwicklungen in Unternehmen stärken und in Serienproduktion bringen. Andererseits sagt Reeth: „Subventionen aus Steuergeld darf es nur gegen Garantie von Arbeitsplätzen und Standorten im Land geben.“ Wirtschaftspolitik müsse „die Arbeitsplätze der Vielen im Blick haben - und nicht die Profite der Wenigen.“
„Um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern, muss die Landespolitik Unternehmen mehr Freiräume und verlässliche Rahmenbedingungen geben“, sagt Dennis Birnstock, der für die FDP im Landtag sitzt und erneut antritt. „Wir wollen Bürokratie drastisch abbauen, auch indem das Land Berichtspflichten des Bundes und der EU teilweise nicht mehr an Unternehmen weitergibt.“ Auch will die FDP „Planungen und Genehmigungsverfahren beschleunigen.“
„Die Massenentlassungen im Kreis Esslingen sind das Ergebnis einer ideologisch getriebenen Energie- und Wirtschaftspolitik“, sagt Felix Schneider (AfD). „Explodierende Strompreise, immer neue Vorschriften und das Verbrenner-Verbot zerstören gezielt unsere Schlüsselindustrien.“ Deshalb müsse die Landespolitik umsteuern: „Schluss mit ideologischen Verboten, runter mit Energieabgaben und Bürokratie, und zurück zu technologieoffener Industriepolitik.“ Die Unternehmen brauchten „verlässliche Rahmenbedingungen statt politischer Bevormundung“.
„Die Linke steht Seite an Seite mit den Beschäftigten, die von Arbeitsplatzverlust bedroht sind“, sagt Clara Meier. Sie seien „die Leidtragenden einer verfehlten Industriepolitik.“ Das Land müsse kleine und mittlere Unternehmen gezielt fördern, Transformationsprozesse aktiv begleiten und Standorte sichern. Öffentliche Aufträge sollten an Tarifbindung, Mitbestimmung und Standortgarantien geknüpft werden, „damit Wertschöpfung und gute Arbeit im Land bleiben“.
Welche Zukunftsperspektiven sehen die Landtagskandidaten also für die Wirtschaft in Baden-Württemberg? Maren Steege schlägt mit der CDU konkrete Schritte vor: „One-Stop-Gründungen in 48 Stunden und die Befähigung von Stiftungen, massiv in Forschung und Entwicklung unserer Unternehmen zu investieren, um die Insolvenzwelle zu brechen.“ Sie setzt auf den konsequenten Ausbau von Zukunftstechnologien wie KI, Robotik und Medizintechnik. Außerdem müsse das Bildungssystem auf die Erfordernisse der Wirtschaftsnation ausgerichtet werden: „Nur so werden wir weiterhin Maschinen statt Moral exportieren und Europameister im Erfinden bleiben.“
Hoffnung macht Clara Schweizer, dass viele Unternehmen bereits in innovative Technologien, sei es das Auto der Zukunft, Gesundheitswirtschaft, GreenTech oder KI, investieren. „Jetzt braucht es eine echte Wachstumsagenda und gute politische Rahmenbedingungen: Weniger Bürokratie, günstige Energie, Innovationsbooster, Fachkräfteförderung. Das stärkt auch Mittelstand und Handwerk.“
Tim Reeth setzt darauf, dass das Land Baden-Württemberg auch in Zukunft eine der innovativsten Regionen der Welt bleibt. „Dafür müssen wir einerseits in Unternehmen und deren Forschung investieren.“ Das Bildungssystem ist für ihn ein Schlüssel zur Zukunft der Wirtschaft: „Mehr Gemeinschaftsschulen und gemeinsames Lernen, gebührenfreie Kitas und beste Bildungschancen für alle - unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.“ Denn Bildung ist für ihn „die wichtigste Ressource im Ländle“.
Das sieht auch Dennis Birnstock so: „Gleichzeitig stärken wir unser vielgliedriges Bildungssystem und sichern so unsere Fachkräftebasis, fördern Gründungen, sorgen für bezahlbare Energie und investieren in unsere Infrastruktur. So wird unser Land wieder zu einem zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort.“
Der Standort Baden-Württemberg kann aus der Sicht von Felix Schneider nur bestehen, wenn Mittelstand und Industrie Priorität haben – „nicht Klimavorgaben, die Arbeitsplätze ins Ausland verdrängen. Wir müssen unsere Wirtschaft schützen, statt ihren Niedergang weiter zu verwalten.“ Klimaschutz müsse im Einklang mit der Wirtschaft sein, „nur so können wir auch Vorbild für andere Staaten sein.“
Die Linke will die Schuldenbremse in der Landesverfassung abschaffen, um Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Industrie zu ermöglichen. „Baden-Württemberg braucht klare Leitlinien für die Mobilitätswende und den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten“, sagt Meier. Die Produktion von E-Bussen will ihre Partei gezielt fördern, um den Industriestandort nachhaltig zu stärken.