Wahlkreis Nürtingen Michael Hennrich verteidigt das Direktmandat
Auch Nils Schmid (SPD), Renata Alt (FDP) und Matthias Gastel (Grüne) schaffen im Wahlkreis Nürtingen den Sprung nach Berlin.
Auch Nils Schmid (SPD), Renata Alt (FDP) und Matthias Gastel (Grüne) schaffen im Wahlkreis Nürtingen den Sprung nach Berlin.
Nürtingen - Auch wenn das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Nürtingen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch unter Vorbehalt gestellt werden muss, waren doch erst 186 von 259 Wahllokalen ausgezählt, steht eines fest: Der Wahlkreis 262 bleibt eine sichere Bank für die CDU. Deren Kandidat, Michael Hennrich, zieht erneut in den Deutschen Bundestag ein – zum sechsten Mal von den Wählerinnen und Wählern mit dem Direktmandat versehen. Dazu haben am Sonntag wohl knapp über 30 Prozent der Erststimmen gereicht.
Dabei hat Hennrich, ebenso wie die CDU bundesweit, ordentlich Federn lassen müssen. Vor vier Jahren hatten ihm noch 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihr Vertrauen ausgesprochen. Von „mehr als einem blauen Auge“ spricht denn auch der Christdemokrat, der jetzt darauf setzt, dass auf Bundesebene eine Dreierkoalition aus CDU, Grünen und FDP die Regierungsverantwortung übernimmt.
Trotz der herben Verluste am Sonntag bleibt es dabei: Seit dem Jahr 1965, seit es den ländlich geprägten Wahlkreis zwischen Filderebene, Neckartal und Schwäbischer Alb gibt, ist er eine sichere Bank für die Christdemokraten.
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Wie schon nach der Wahl von vor vier Jahren wird Hennrich von einem Trio nach Berlin begleitet. Nils Schmid (SPD), Matthias Gastel (Bündnis 90/Die Grünen) und Renata Alt (FDP) haben den Sprung nach Berlin über die jeweiligen Landeslisten ihrer Parteien geschafft. Auch das ist keine Überraschung, hatten sich doch im Vorfeld alle drei bei den Nominierungsveranstaltungen ihrer Parteien einen komfortablen Listenplatz gesichert. Angesichts des bundesweiten Sinkflugs der Christdemokraten hatte sich der 56 Jahre alte Hennrich paradoxerweise noch am meisten Sorgen um seine politische Zukunft machen müssen. Schließlich war er als einziger der um den Wiedereinzug in den Bundestag kämpfenden Politiker nicht über die Landesliste abgesichert gewesen.
Auf dem zweiten Rang hinter Hennrich ist Nils Schmid durch das Ziel gegangen. Der Sozialdemokrat legt im Vergleich zur Wahl von 2017 um knapp zwei Prozentpunkte auf rund 21 Prozent zu und fühlt sich an die Wahlsiege der SPD von Gerhard Schröder erinnert. Für ihn ist klar: „Die Leute wollen Scholz und nicht Laschet.“ Entsprechend liebäugelt Schmid mit einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP.
Während sich der persönliche Stimmenzugewinn des SPD-Kandidaten angesichts des bundesweiten Höhenflugs seiner Partei relativiert und auch das Wahlkreisergebnis des Grünen-Bewerbers Matthias Gastel („Wir sind als Partei längst in der Mitte der Gesellschaft mit hoher Akzeptanz angekommen“) mit zwei Prozent auf nun rund 17,5 Prozent einen minimalen Ausschlag nach oben ausweist, darf sich Renata Alt als heimliche Gewinnerin der fühlen. Die FDP-Kandidatin lag bei Redaktionsschluss mit 14 Prozent nicht nur deutlich über dem Bundesergebnis ihrer Partei, sie hat auch ihr eigenes Erststimmenergebnis von 2017 um fast sechs Prozent übertroffen.
Der Wahlkreis Nürtingen wird damit in den kommenden vier Jahren in Berlin weiterhin von einem erfahrenen Politiker-Quartett vertreten werden. Michael Hennrich war im Jahr 2002 erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt worden. Matthias Gastel vertritt den Wahlkreis Nürtingen dort immerhin schon seit der Wahl im Jahr 2013. Sowohl für Nils Schmid als auch für Renata Alt beginnt mit der ersten Sitzung des 20. Deutschen Bundestags am Sonntag, 24. Oktober, die zweite Wahlperiode im Parlament.
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Den Kandidatinnen und Kandidaten der anderen Parteien waren schon im Vorfeld wenig Chancen auf einen Sitz im Bundestag eingeräumt worden. Das Verfolgerfeld hinter den großen Vier führt die AfD-Bewerberin Kerstin Hanske an. Knapp zehn Prozent der Wählerinnen und Wähler, so der Stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe, gaben ihr ihre Stimme. Der Linken-Kandidat Hüseyin Sahin vereinigte lediglich rund zwei Prozent der Stimmen auf sich.
Im Wahlkreis 262 Nürtingen, der mit Ausnahme der Böblinger Kreiskommunen Steinenbronn und Waldenbuch mit dem Altkreis Nürtingen deckungsgleich ist, haben sich elf Kandidatinnen und Kandidaten um die Gunst der mehr als 200 000 Wahlberechtigten beworben. Lediglich die Freien Wähler und die Partei Die Basis haben dabei noch die zwei Prozent-Hürde übersprungen. Die Wahlbeteiligung liegt mit knapp über 80 Prozent auf dem Niveau von 2017.