In Schwaikheim nämlich wurde am Sonntag grün gewählt, mit 34,9 Prozent der Zweitstimmen fährt die von Spitzenkandidat Cem Özdemir angeführte Partei bei der Landtagswahl ein weit über dem Landesschnitt von 30,2 Prozent liegendes Ergebnis ein.
Rund um Waiblingen ist der Vorsprung der Grünen deutlicher als im Land
In Korb hingegen hat die CDU die Nase vorn: 34,2 Prozent der Zweitstimmen erhalten Landeschef Manuel Hagel und seine Truppe – was den Ort mit dem Bienenstock im Wappen zum einzigen schwarzen Fleck auf der Karte eines ansonsten grün eingefärbten Wahlkreises 15 macht.
Die folgende Grafik zeigt die Zweitstimmenanteile im Wahlkreis Waiblingen:
Der Blick auf die beiden unterschiedlich abstimmenden Nachbarkommunen zeigt, wie eng Wohl und Wehe am Sonntag beieinander liegen – auch wenn der Vorsprung der Grünen rund um Waiblingen deutlicher ausfällt als beim nur hauchdünnen Landesergebnis.
Die folgende Grafik zeigt die Erststimmenanteile im Wahlkreis Waiblingen:
32,5 Prozent holen die Grünen im Wahlkreis, dass es nach einem schier aussichtslos erscheinenden Rückstand in den Umfragen noch zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommt ist auch ein Verdienst der Basis. Noch am Samstag klingeln Mitglieder an Haustüren, um Stimmen für die Ökopartei einzuwerben, auch Kandidatin Swantje Sperling gönnt sich im Wahlkampf nach eigener Aussage kaum eine Verschnaufpause.
„Wir haben eine krasse Aufholjagd gestemmt und als grüne Familie noch mal alles gegeben“, berichtet die in Leutenbach lebende Politikwissenschaftlerin vom Versuch, den Vorsprung der Christdemokraten noch auf den letzten Metern wettzumachen. Dass sie persönlich den erneuten Einzug ins Parlament dank einer guten Platzierung auf der Landesliste sicher hat, scheint für die 42-Jährige am Wahlabend nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Nach aufregenden Wochen freut sich Swantje Sperling vor allem auf ihr Bett: „Ich bin froh und dankbar, dass es geklappt hat – aber jetzt ehrlich gesagt ganz schön durch.“
Die CDU liegt bei den Zweitstimmen bei 30,2 Prozent und damit ebenfalls ein wenig höher als beim landesweiten Stimmenresultat. Zu einem politischen Machtwechsel aber hat es im Wahlkreis Waiblingen erneut nicht gereicht. Ein Trostpflaster für die Christdemokraten ist, dass sich Siegfried Lorek erstmals das Direktmandat gesichert hat – kurioses Detail einer kuriosen Wahl.
Tatsächlich lag der 48-jährige Winnender bei den Erststimmen am Sonntag mit einem deutlichen Vorsprung vorn. 35 Prozent der Bürgerinnen und Bürger votierten für den Staatsekretär für Migrationsfragen, nur 28,1 Prozent wollten seine Kontrahentin Swantje Sperling auf direktem Weg ins Parlament wählen. Siegfried Lorek selbst begründet dieses Ergebnis mit seinem persönlichen Einsatz: „Eine engagierte Arbeit im und für den Wahlkreis zahlt sich aus“, sagt er über den Erfolg – und verspricht sowohl Wählerschaft als auch Parteibasis, sich auch in den nächsten fünf Jahren in gewohnter Weise einzubringen.
Die CDU ist erneut nicht wie erhofft zur stärksten Kraft geworden
Dennoch müssen die Christdemokraten mit der Erkenntnis leben, zum dritten Mal in Folge nicht stärkste Kraft im Wahlkreis Waiblingen geworden zu sein. Als 2016 der Grüne Willi Halder den Wahlsieg holte, war an der erfolgsverwöhnten Parteibasis noch von einem „bedauerlichen Betriebsunfall“ die Rede, 2021 stand bei der Niederlage gegen Swantje Sperling vielen Mitgliedern die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Jetzt ist der CDU wenigstens ein Teilerfolg gelungen. „Hätte uns vor vier Wochen jemand prophezeit, dass wir über 30 Prozent bekommen, hätten wir gejubelt“, räumt Siegfried Lorek ein.
Katzenjammer herrscht bei der FDP: Ausgerechnet im liberalen Stammland scheitern die Gelben an der Fünf-Prozent-Hürde. Mit 5,5 Prozent hätten die Liberalen im Wahlkreis Waiblingen den Einzug in den Landtag zwar knapp geschafft. Beim Landesergebnis allerdings fehlen die entscheidenden Stimmen für den Sprung über die magische Marke. Für den Wahlkreis Waiblingen heißt das, dass Julia Goll nicht mehr im Landtag vertreten sein wird – trotz anerkannt guter Arbeit und hoher Präsenz vor Ort.
AfD-Kandidat Jürgen Braun schneidet besser ab als seine eigene Partei
Bitter auch das Ergebnis für die SPD: 5,5 Prozent erhält die einstige Volkspartei am Sonntag sowohl im Land als auch im Wahlkreis – eine Halbierung des bisherigen Stimmenanteils. Die AfD wiederum darf im Wahlkreis Waiblingen über eine Verdopplung jubeln: Von 8,2 Prozent geht des hoch auf 16,4 Prozent der Stimmen.
Pikant allerdings ist, dass der nach Kritik an Chefin Alice Weidel intern auf dem politischen Abstellgleis gelandete Jürgen Braun (60) sogar ein wenig besser abschneidet. Als Wahlkreiskandidat erhielt der ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Kirchberg an der Murr 16,6 Prozent der Erststimmen – und damit mehr Unterstützung als die AfD insgesamt.