Große Enttäuschung bei den Sozialdemokraten und den Liberalen. Die Grünen hoffen noch auf den Einzug ins Parlament über die Landesliste. Die AfD fühlt sich in ihrer Politik bestätigt.

Drei Mal Schwarz – so lautet das Wahlergebnis am Sonntagabend in den Wahlkreisen Leonberg, Vaihingen und Enzkreis. Drei Mal haben sich CDU-Kandidaten das Direktmandat gesichert.

 

Stickel gewinnt im Wahlkreis Leonberg

Albrecht Stickel (CDU) kam am Sonntag auf 34,8 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Leonberg und verwies Peter Seimer von den Grünen auf Platz zwei (28,7 Prozent). Stickel stand nicht auf der Landesliste und setzte damit voll auf die Karte Direktmandat.

Die Wähler in Baden-Württemberg durften erstmals auch einer Partei direkt ihre Stimme geben. Das Ergebnis im Wahlkreis Leonberg war dabei genau umgekehrt. Die Grünen holten 33,7 Prozent der Stimmen, die CDU 30, 9 Prozent, SPD 4,4 Prozent, FDP 5,1 Prozent, AfD 16,3 Prozent, Linke 3,1 Prozent und die Freie-Wähler-Partei 2,2 Prozent der Stimmen.

„Ein Tiefschlag“ für Hans-Dieter Scheerer

Für Stickel lagen am Wahlabend Freud und Leid nah beieinander. Einerseits freute er sich darüber, das Direktmandat geholt zu haben, „das war das erklärte Ziel.“ Gleichzeitig sei er überrascht, dass die CDU insgesamt im Bundesland knapp hinter den Grünen gelandet ist. „Dass es in den letzten Wochen so gegen eine Person gegangen ist, hat mich geärgert“, sagt er gegenüber unserer Zeitung mit Blick auf die Diskussion um den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel.

Peter Seimer trauert zwar seinem Direktmandat hinterher, freut sich aber über den Erfolg der Grünen im Bundesland. „Die Menschen haben deutlich gezeigt: Wir wollen Cem Özdemir als Ministerpräsidenten“, meint der Aidlinger. Er wird vermutlich über die Landesliste den Sprungs ins Parlament schaffen.

Raus ist dagegen Hans-Dieter Scheerer (FDP, 5,9 Prozent) aus Weil der Stadt, da die Liberalen die Fünf-Prozent-Hürde verfehlten. Das sei „ein Tiefschlag“, sagt der 68-Jährige.

Wahlkreis Vaihingen: Epple vorn

Im Wahlkreis Vaihingen hat Konrad Epple das Direktmandat geholt. Mit 36,6 Prozent der Erststimmen liegt er deutlich vor Meike Günter, der Kandidatin der Grünen. Sie holte 27,7 Prozent der Erststimmen. „Das Ergebnis macht mich glücklich“, sagt der Christdemokrat aus Ditzingen im Kreis Ludwigsburg, der seit 2011 im Landtag Politik macht. Das Ergebnis sei eine Bestätigung der bisherigen Arbeit. „Der Bürger hat mir vertraut.“

„Super, super happy“, äußert sich Maike Günter über das sich abzeichnende Ergebnis. Die Grünen-Politikerin wäre ihren Angaben zufolge nach 50 Jahren wieder die erste Frau, die für den Wahlkreis in den Landtag einzieht.

Der Sozialdemokrat Torsten Liebig spricht von einem „verheerenden Ergebnis“. Der Sozialdemokrat hatte die Hoffnung „mit neun bis zehn Prozent ins Ziel zu gehen“. Es sei nicht gelungen, als glaubhafte Stimme wahrgenommen zu werden, die Lösungen für die Probleme anbietet. Ein personalisierter Wahlkampf, wie von CDU und Grünen geführt, „erklärt es nicht allein“.

Für die AfD im Wahlkreis bewertet Herbert Köhler das Ergebnis. Er sei „nicht unzufrieden“ mit dem im Land und im Wahlkreis, sagt der Ditzinger Stadtrat. Wenngleich die CDU das ausgeschlossen habe, hätte er selbst sich eine Koalition mit den Christdemokraten gewünscht.

Gunzelmann siegt im Wahlkreis Enz

Nico Gunzelmann (CDU) hat bei der Landtagswahl den Wahlkreis 44 Enz gewonnen. Der 23-Jährige sicherte sich das Direktmandat und löst damit Stefanie Seemann von den Grünen ab. Damit hat die CDU den Landtagswahlkreis 44 Enz erstmals seit der Landtagswahl 2011 gewonnen.

Stefanie Seemann auf Rang zwei

Gunzelmann gewinnt 31,2 Prozent der Stimmen. Stefanie Seemann (Grüne) erreicht rund 20,9 Prozent und fällt damit im Vergleich zur vorherigen Wahl vom ersten auf den dritten Platz zurück. Erik Schweickert (FDP), der seit 2016 dem Landtag angehörte, erhält rund 13,4 Prozent.

Für die Sozialdemokraten erreicht Michael Hofsäß bei seiner zweiten Kandidatur rund 6,8 Prozent der Stimmen. Cedric Strauß (Linke) kommt auf rund 3,5 Prozent, Vera Seifert (Volt) auf rund 1,9 Prozent. Die Kräfteverhältnisse im Wahlkreis haben sich damit deutlich verschoben: Die CDU übernimmt wieder die Spitze, während die Grünen an Zustimmung verlieren. Gleichzeitig legt die AfD rund zehn Prozentpunkte zu. Die Wahlbeteiligung liegt bei rund 59,5 Prozent.