Wahlparty der Grünen in Stuttgart Die Grünen jubeln etwas verhalten

Freude über das beste Bundeswahlergebnis aller Zeiten: Anna Deparnay-Grunenberg, Petra  Olschowski, Anna Christmann und Muhterem Aras feiern mit Parteifreundinnen und Parteifreunden im Schlesinger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Freude über das beste Bundeswahlergebnis aller Zeiten: Anna Deparnay-Grunenberg, Petra Olschowski, Anna Christmann und Muhterem Aras feiern mit Parteifreundinnen und Parteifreunden im Schlesinger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein sehr gutes Ergebnis und die Bestätigung, dass Klimapolitik ein zentrales Thema der Bundestagswahl war, feiern die Grünen am Wahlabend in Stuttgart.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Sie jubeln. Doch angesichts des besten Ergebnisses aller Zeiten auf Bundesebene wirkt die Freude der Stuttgarter Grünen nicht gerade überbordend. Das täusche, sagt die Kandidatin im Wahlkreis 2, Anna Christmann: „Wir freuen uns, aber wir haben uns natürlich mehr erhofft“, sagt sie kurz nach den ersten Prognosen in der Kneipe Schlesinger bei der Wahlparty ihrer Partei. Schließlich seien die Grünen „mit Führungsanspruch in die Wahl gegangen“, sagt Christmann. Und der ganz große Erfolg ihrer Partei ist nicht allein das gute Ergebnis. „Wir haben gesagt es ist eine Klimawahl“, und noch nie hätten so viele Menschen das Thema Klimaschutz so stark berücksichtigt bei ihrer Wahlentscheidung. Dass mindestens einer der Grünen, die in Stuttgart antraten, mindestens ein Direktmandat holen werde, darauf setzte Christmann schon früh. Cem Özdemir, der im Wahlkreis 1 kandidierte, war am Sonntag in Berlin – und bekam, als sich abzeichnete, dass er voraussichtlich das Direktmandat geholt hat, kräftigen Jubel und Applaus.

Petra Olschowski: „Es ist noch viel drin“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium, sah die Dinge schon nach den ersten Hochrechnungen optimistisch: „Wenn man nach Berlin schaut, sieht man, was für die Grünen gerade möglich ist. Die Menschen wollen mehr Klimapolitik.“ Im Blick auf mögliche Regierungsbündnisse sagt sie, dass wohl nichts ohne die Grünen gehen werde. Das um kurz nach 18 Uhr noch keine wahre Euphorie im Schlesinger ausbrach, erklärte sie sich mit der Erwartungshaltung der Parteikolleginnen und -Kollegen: „Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatten wir uns mehr erhofft, aber auf diese Größenordnung waren wir eingestellt“, sagt Olschowski. Im Blick auf das baden-württembergische Ergebnis meint sie, es sei deutlich, dass die Wählerinnen und Wähler auf Bundesebene anders entscheiden als im Land.

Muhterem Aras: Klimaschutz ist zentrales Thema

Muhterem Aras, die Landtagspräsidentin, ist begeistert vom Wahlergebnis: „Klar ist jetzt: Klimaschutz gehört ins Zentrum dieser Bundesregierung“, sagt sie. Man habe in den zurückliegenden Monaten zu spüren bekommen, dass die Klimakrise das Leben der Menschen unmittelbar beeinflusse. Das Wahlergebnis sei ein „klarer Auftrag: Diese Bundesregierung muss endlich handeln“, so Aras. Die große Koalition habe in den zurückliegenden Jahren beim Klimaschutz „wirklich nur gebremst“.

Winfried Hermann lobt Baerbocks „blitzsauberen“ Wahlkampf

Der Verkehrsminister Winfried Hermann sieht zwei Aspekte des Ergebnisses. Zum einen freut er sich, dass es das beste aller Zeiten auf Bundesebene für die Grünen ist. Andererseits habe die Partei sich von der Wahl, die viele als „Schicksalswahl“ einstuften, einen größeren Schub für den Klimaschutz erhofft gehabt. An der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock habe es nicht gelegen. „Sie hat einen blitzsauberen Wahlkampf hingelegt“ attestiert ihr Hermann. Jedoch sei die Debatte oft auf einem „viel niedrigeren Niveau“ geführt worden, da sei es oft nur um die Personalien, nicht um die Inhalte gegangen. Sonst, so Hermann, hätte es viel mehr Menschen auffallen müssen, wie inhaltlich stark Baerbock aufgetreten sei: „Beim Faktencheck lag sie nach den Triellen immer klar vorne“, lobt er die Parteikollegin.




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