Wahlporträt Politische Lehren aus dem Pflanzenschutz

Von har 

Michael Straub tritt für die Grünen im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd an. Der Agraringenieur arbeitet in einem 23 Hektar großen Garten voller Heilpflanzen.

Michael Straub auf der Terrasse seines Hauses. Foto: Gottfried Stoppel 6 Bilder
Michael Straub auf der Terrasse seines Hauses. Foto: Gottfried Stoppel

Mutlangen - Draußen zu arbeiten mit der Hacke, das ist ein Symbol“, sagt der 53-jährige Mutlanger, der bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd für die Grünen ins Rennen geht. Die Hacke gehört denn auch neben Tennisschläger und Handy, zu den Dingen, die für Michael Straub eine ganz besondere Bedeutung haben. „Ich arbeite auch daheim gern mit der Hacke, das erinnert an die grundlegenden Dinge im Leben“, sagt der Agraringenieur, der bei der Schwäbisch Gmünder Firma Weleda den Heilpflanzenanbau leitet, beim Gespräch auf der heimischen Terrasse. Daneben plätschert das biologisch-selbstreinigende Schwimmbecken mit Teichanlage beruhigend.

Handarbeit mit der Gartenhacke

Und jene andere Gartenanlage mit 23 Hektar, drei Teichen und 500 Arten von Pflanzen in der der firmeneigene Artenschutzbeauftragte und Berater für weltweit beheimatete Rohstofflieferanten gelegentlich auch beruflich die Hacke schwingen kann, liegt nicht weit im Nachbarort Wetzgau. Daneben gilt es für den Weleda-Lieferantenberater natürlich auch Kontakt zu halten zum Rosenprojekt in der Türkei, wo 300 Rosenbauern für das Weleda-Rosenöl sorgen, mit den Arnika-Produzenten in Rumänien oder mit denen, die das Pfeilgift Strophanthus aus Ostafrika liefern.

Die Diskussionen um die – künftig unter anderem bis Mutlangen hochgeblasene und nicht mit den optimalen Filtern gereinigte – Abluft des Gmünder Tunnels haben Straub aktiv für die Grünen in die Politik gebracht. Allerdings sei das auch zuvor schon die Partei gewesen, die mit ihren Positionen mit Abstand die meisten seiner persönlichen Ansichten abdeckte. In Dingen wie dem Erhalt der Lebensgrundlagen seien die Grünen einfach oft ihrer Zeit voraus gewesen. „Wenn man die Dinge erkennt, ist es oft zu spät, um zu reagieren.“

Politisch sei er eigentlich schon immer gewesen. Die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 sei da ein einschneidendes Ereignis gewesen. In Sachen Atomkraft sei für ihn schon immer ganz klar gewesen, dass das keine Zukunft haben kann. Die Grünen seien zu jenem Zeitpunkt die einzigen gewesen, „die konsequent dagegen waren“. „Wir müssen die Dinge so anpacken, dass Probleme nicht entstehen,“ sagt Straub.

Das Smartphone ist Fluch und Segen zugleich

Bei aller hackenunterstützten Bodenständigkeit: Ohne Kommunikation geht heutzutage einfach gar nichts. „Es ist Fluch und Segen zugleich“, sagt Straub über die jederzeitige Erreichbarkeit im mobilen Funkzeitalter. Weshalb das Handy als zweiter wichtiger Gegenstand auf dem Tisch liegt. Sein Blackberry sei zwar nicht das Modernste, was da kommunikationstechnisch zur Verfügung steht. Aber die E-Mails und seine Facebook-Seiten seien allemal erreichbar. Dort ist unter anderem auch etwas über das Buch „Die magischen 11“ zu erfahren, das er zusammen mit einem Mediziner über die wichtigsten Heilpflanzen geschrieben hat.

„Export funktioniert auch mit nachhaltiger Technik“, das hat Straub, so sagt er, auch im beruflichen Bereich festgestellt. Als Regionalrat habe er viel mit Windkraftnutzung zu tun. Und in dieser Technologie sei die regionale Wirtschaft Spitze und habe großes Potenzial für sinnvolle Exporte. Das Thema sei selbstverständlich auch wichtig für seine Partei: „Denn auch die Grünen werden ganz stark am Erfolg der Energiewende gemessen.“ Und eines sei da für ihn persönlich perspektivisch ganz klar: An den steigenden Strompreisen müssten sich die Unternehmen genauso beteiligen, wie die Familie im Einfamilienhäusle.

Tennis als Ausgleich zur Arbeit

Politik, Heilpflanzen, Hacke schwingen, und Handy, das allerdings ist für den einstigen Waldorfschüler nicht alles im Leben. Da, so schmunzelt er, kommt am Ende dann der Tennisschläger ins Spiel. Wobei das Tennis ja eigentlich das Metier seiner Frau Andrea sei, sagt der Vater dreier weitgehend erwachsener Kinder. Sie ist nämlich im Seniorenbereich der Damen Landesmeisterin: „Wenn ich gegen sie spiele, gehe ich meist frustriert vom Platz.“ Tennis aber ist für den Mann, der auch schon für Demeter als Umstellungsberater auf Bio-Produktion durch die Lande gezogen ist, trotzdem der nötige Gegenpol für die ernsthaften Dinge des Lebens. „Den Tennisschläger, den brauche ich als Ausgleich. Er steht dafür, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht.“ Das Schönste in der Woche, das sei deshalb der Mittwochabend. „Da spiele ich mit drei Freunden Tennis. Danach reden wir, trinken noch ein Weizen und dann ist die Welt in Ordnung.“

„Eigentlich hängt alles mit allem zusammen“, sagt Straub, nicht nur Hacke, Handy und Tennisschläger. Im Pflanzenschutz habe er das ursprünglich gelernt, samt der Konsequenz daraus: „Überall das letzte herauszupressen, das hat keine Zukunft.“




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