Olga-Areal in Stuttgart Die Bürger gestalten ein neues Stadtviertel mit

Neues Olga-Areal Foto: Lg/Max Kovalenko

Auf dem Gelände des ehemaligen Kinderkrankenhauses ist inzwischen ein neuer Stadtteil entstanden. Es sollte ein Vorzeigeprojekt sein. Ein entscheidender Motor war die starke Bürgerbeteiligung. Eine Bilanz mit dem Mitinitiator Rüdiger Ahrendt.

Psychologie/Partnerschaft: Nina Ayerle (nay)

S-West - In ein paar Wochen zieht Rüdiger Ahrendt mit seiner Frau in das Haus mit dem Namen „Olga 07“ ein. Sie sind eine von zehn Baugemeinschaften, die auf dem Gelände des ehemaligen Kinderkrankenhauses, dem Olgäle, zusammen gebaut haben. Bürger hatten die Chance, dieses Areal mitzugestalten.

 

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat Ahrendt mit einigen Mitstreitern begonnen, für das Olga-Areal zu kämpfen. Wie wird die Stadt gestaltet? Und von wem? Für Ahrendt und die Projektgruppe „Olgäle 2012“ war klar, bei diesem Quartier müssen sich die Bürger aus dem Westen einbringen. Und sie haben einiges erreicht: So gingen die Grundstücke zum Festpreis an diejenigen, die das beste Konzept hatten, nicht an meistbietende Investoren.

Auf den vier Baufeldern sind über 200 neue Wohnungen entstanden

Insgesamt sind nun 224 neue Wohnungen im Westen entstanden, davon hat die Stadt 116 über verschiedene Förderungsmodelle unterstützt. Die Stadt hat das Olga-Areal als Vorzeigeprojekt angepriesen: baulich, ökologisch und sozial. Ahrendts Bilanz? Tatsächlich sei das größtenteils gelungen. Man habe einen hohen Energiestandard, begrünte Dächer mit Fotovoltaik und das ganze Gelände werde von einem Blockheizkraftwerk betrieben.

Wohnen, Arbeiten und eine starke Nachbarschaft

Auch die soziale Durchmischung findet er gut: Es gebe Alleinlebende, Paare, Familien, alle Generationen und unterschiedliche Nationalitäten in den einzelnen Baugemeinschaften. „Aber ja, wegen der Kosten haben natürlich viele einen ähnlichen finanziellen Hintergrund.“ Das sei anders nicht zu stemmen gewesen, wenngleich man es geschafft habe, recht günstig zu bauen. Man habe um die 4000 Euro pro Quadratmeter an Baukosten gehabt. „Für den Westen ist das ja tatsächlich fast ein Dumping-Preis“, sagt Ahrendt.

Natürlich verlief nicht alles gut: „Es gab sehr lange Zeiträume, in denen nichts passiert war, in denen wir keine Informationen von der Verwaltung bekommen haben.“ Da sei man als Bürger dann ausgeliefert. Auch hätten die Interessierten bereits bei der Bewerbung eine Finanzierungsbestätigung einer Bank vorlegen müssen, erzählt der 69-Jährige. Das wiederum ist nicht so einfach, wenn die Bank umgekehrt kein Objekt als Sicherheit hat. Einfacher hätte die Stadt dies aus seiner Sicht lösen können, wenn sie die Grundstücke in Erbpacht vergeben hätte.

Letztlich hat es für viele Beteiligte nur funktioniert, weil andere Bauherren geholfen haben: „Wir sind füreinander eingestanden als Gemeinschaft“, sagt Ahrendt stolz. Die Bürgerbeteiligung bezeichnet er als „starken Motor“ für das Gelingen des Projektes. „Wir haben so vielfältige Formen der Beteiligung erlebt“, sagt Ahrendt. „Das hat dem Ganzen eine unheimliche Kraft gegeben.“

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