Wahlwerbung in Stuttgart Zurückhaltung ist den Parteien fremd

Von  

Großplakate liegen bei der politischen Werbung im Trend. Auch in Stuttgart nimmt ihre Zahl zu – allerdings nicht auf der Königstraße, da hier die Plakate meist verschmutzt werden.

  Foto: Martin Stollberg 15 Bilder
  Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Das Stadtbild hat sich innerhalb weniger Tage gewandelt: Denn die meisten der mehr als 10 000 geplanten Wahlplakate haben ehrenamtliche Helfer in Stuttgart bereits aufgehängt. Während in der Vergangenheit übereifrige Plakatierer ab und an zu früh durch die Straßen gezogen waren, ist der Starttermin laut der Stadtverwaltung dieses Mal eingehalten worden. Seit dem 10. August ist das Plakatieren erlaubt. In wenigen Tage haben die CDU, die SPD, die Grünen, die FDP, die Linkspartei und die Piraten fast alle öffentlichen Räume, an denen Wahlwerbung erlaubt ist, bereits in Beschlag ­genommen.

Augenscheinlich ist dabei der Trend zu Plakaten, die kaum zu übersehen sind. Die Zahl von sogenannten Großtafeln ist sprunghaft gestiegen. Fast 300 der zehn Quadratmeter großen Blickfänge haben die Parteien bereits in Stellung gebracht – deutlich mehr als bei den beiden vergangenen Wahlen auf Bundes- und Landesebene.

Aus der Werbeforschung ist bekannt, dass Reklame einem gnadenlosen Konkurrenzkampf ausgesetzt ist. Denn täglich wirken mehrere Tausend Werbebotschaften in Städten auf die Menschen ein. Ein Mittel, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sind originelle Motive und Textbotschaften. Doch schon durch die schiere Größe heben sich Großtafeln entscheidend vom Umfeld ab und werden besser wahrgenommen – bewusst oder unbewusst.

Auf diese Wirkung setzen auch zunehmend die Parteien in Stuttgart. So ist die Zahl der Großtafeln in der Landes­hauptstadt für die Bundestagswahl im Vergleich zu der vor vier Jahren um knapp die Hälfte von 196 auf 296 gestiegen. Während die CDU bereits im Jahr 2009 der ­Spitzen­reiter mit 80 Plakaten gewesen ist und die SPD und die FDP damals jeweils auf knapp die Hälfte kamen, rüsten vor allem die ­Grünen zum anstehenden Urnengang ordentlich auf. „Wir stocken in diesem Jahr auf 48 Großplakate auf“, erklärt ihr Pressesprecher Raphael Hartmann.

Die Stadtverwaltung wacht über die Standorte

Die Grünen sind es auch, die bei der Platzierung der Großtafeln und ihrer weiteren 3000 deutlich kleineren gängigen Wahlplakate zuvor die Ergebnisse vergangener Abstimmungen im Detail studiert haben. So hatte die Partei bei der Landtagswahl 2011 in den fünf großen Stadtbezirken Süd, West, Ost, Nord und Bad Cannstatt erstmals die höchsten Stimmenanteile aller Parteien eingefahren. Gerade in diesen Gebieten möchten die Grünen vor der Wahl am 22. September mit ihren Plakaten verstärkt Präsens zeigen. „Aber auch in Stadtbezirken, die tendenziell eher auf der Kippe stehen“, sagt Sprecher Hartmann.

Bei den anderen Parteien gilt bei der Standortwahl offenbar eher das Gießkannen-Prinzip. So erklären die Sprecher der CDU und der FDP, dass sie eher flächendecken plakatieren. Eine „Materialschlacht“ strebt indes keine Partei an. Die meisten halten sich rund um die Einkaufsmeile Königstraße bisher noch zurück. Aus Erfahrung weiß man, dass dort viele Werbeträger beschädigt werden. Daher soll die Plakatierungsaktion hier erst in der heißen Wahlkampfphase in Angriff genommen werden.

Über die Standorte der Plakate wacht die Stadtverwaltung. „Die Parteien halten sich in den meisten Fällen an die ­Auflagen“, sagt Gerhard Schoch vom Ordnungsamt. Es gelte eine sogenannte Negativabgrenzung: An Ampeln und unmittelbar an Kreuzungen dürfen keine Plakate befestigt werden. Zudem darf die Wirkung von Verkehrsschildern nicht beeinträchtigt und die Sicht bei Fußgängerüberwegen sowie Ein- und Ausfahrten nicht behindert werden.

Doch auch bei den Großtafeln werden diese Vorgaben meist eingehalten. Bisher schritt die Stadt nur bei einem Standort in Hausen ein, weil ein Plakat die Sicht auf die Kreuzung Hausener Ring/Gerlinger Straße versperrte. Mittlerweile soll das Manko aber behoben worden sein.

Sonderthemen