Wahrzeichen von Ditzingen zerstört Hirschlander Krieger am Boden zerstört

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Noch ist unklar, ob die Figur mutwillig von ihrem Sockel gestoßen wurde. Falls das der Fall sein sollte, waren aber große Kunstbanausen am Werk – denn es war nur eine Kopie der Kopie.

Das in Kunststein gegossene Wahrzeichen der Stadt   ist ein Abbild einer historischen Stele. Foto: factum/
Das in Kunststein gegossene Wahrzeichen der Stadt ist ein Abbild einer historischen Stele. Foto: factum/

Ditzingen - Das Wahrzeichen der Stadt ist in der Mitte gekappt. Der Torso liegt am Boden, mit dem Gesicht im Kies. Auf dem Sockel stehen die auf Stäben montierten Beine des Kriegers. Der Steinmetz Stefan Machmer legt sich fest: „Das ist das Resultat von roher zerstörerischer Gewalt“, sagt der Ditzinger. Die Ortsvorsteherin Barbara Radtke wird deutlicher: „Ich bin völlig entsetzt. Das können keine wilden Partys feiernden Buben gewesen sein. Das ist bösartig“, sagt sie beim Anblick des zerbrochenen Hirschlander Kriegers.

Wenn es blinde Zerstörungswut war, hatten die Täter gleichwohl keine Ahnung von Kunst: Seit dem Frühjahr stand dort ein Abguss aus Kunststein. Die von Machmer in Pliezhäuser Standstein gehauene mannshohe Figur lagert nämlich seit Ende vergangenen Jahres in seiner Werkstatt. Es seien Risse sichtbar gewesen, erzählt er. „Der Winter ist nicht gut für einen Stein mit Rissen“ erklärt der Fachmann. Also baute er die Stele ab. „Weil es im Frühjahr noch keine Entscheidung gab, habe ich vorgeschlagen, vorübergehend den Abguss dort hinzustellen“, sagt Machmer.

Das Original steht in Stuttgart

Nach dem sensationellen Fund der vermutlich 2500 Jahre alten Figur vor rund 40 Jahren hatte Machmer eine Replik aus Sandstein gehauen. Zudem wurde eine Form hergestellt, um gleichaussehende Abgüsse aus Kunststein zu schaffen. Diese stehen auch in Ditzingens ungarischer Patenstadt Gyula und im Keltenmuseum Hochdorf. Einen Abguss hatte Machmer auf seinem Gelände stehen, diesen stellte er zur Verfügung – und dieser wurde nun zerstört. Das Original, 1962 ausgegraben, steht seit jeher im Landesmuseum in Stuttgart. Vier Jahrzehnte später wurde ein Grabhügel – in einem solchen war die Figur gefunden worden – nachgebildet. Dort stand seit 2001 die Replik der Figur.

Strafanzeige erstattet

In der Stadtverwaltung geht man nicht von „organisiertem Vandalismus“ aus. Gleichwohl sagt deren Sprecherin: „Wir müssen hoffen, dass es ein Einzelfall war.“

Ganz gleich, ob es sich um einen gegossenen Krieger aus Kunststein handelt oder um die in Sandstein gehauene Replik Machmers: für die Polizei ist bisher unklar, ob das Wahrzeichen der Stadt mutwillig oder fahrlässig beschädigt wurde. Es sei vieles möglich, sagt der Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums Peter Widenhorn. Möglicherweise sei die Figur auch von einem Fahrzeug zur Seite gedrückt worden. Unklar ist derweil der Zeitpunkt der Zerstörung – offenbar gab es auch schon davor Vandalismus an der Statue. Steinmetz Machmer hat derweil Strafanzeige erstattet, die Stadt hat angekündigt, es ihm gleichzutun. Der materielle Schaden beläuft sich auf 10 000 Euro.