Wahrzeichen von Stuttgart-Wangen Kein Ersatz für das Wangener Tor
Zwei Jahre nach dem Abriss steht fest: eine neues Kunstwerk gibt es nicht. Auf dem Gelände rund um Jugendhaus und Flatow-Halle entsteht ein Spiel- und Sportparadies.
Zwei Jahre nach dem Abriss steht fest: eine neues Kunstwerk gibt es nicht. Auf dem Gelände rund um Jugendhaus und Flatow-Halle entsteht ein Spiel- und Sportparadies.
Groß ist der Aufschrei gewesen, als die Stadt Stuttgart im Februar 2022 wegen akuter Einsturzgefahr das Wangener Tor abriss. Das markante Kunstwerk am Eingang zum Jugendhaus B 10 am Ende der Eybacher Straße wird trotz Forderungen auch aus dem Gemeinderat nicht wieder ersetzt. Dafür sehen die Planungen in einem stadtweiten Pilotprojekt vor, auf dem weitläufigen Gelände einen neuartigen, urbanen Spiel- und Bewegungsraum zu schaffen.
Das schmuckvolle Tor war für viele Wangener ein Wahrzeichen im Stadtbezirk gewesen. Mitte der 1980er Jahre wurde das märchenhaft anmutende Kunstwerk am bisherigen Festplatz von Jugendlichen aus dem Ort sowie Flüchtlingen konzipiert und in Eigenarbeit unter der Regie von Architekt Wolfgang Zaumseil aus Recyclingmaterial für rund 45 000 Euro erbaut. Was folgte, war – durch mangelnde Instandhaltung – der langsame Verfall. 2021 forderten daher sowohl der Bezirksbeirat Wangen als auch die Fraktionen von Linke, SÖS, Piraten und Tierschutzpartei im Gemeinderat den Erhalt des Tores wegen seines außergewöhnlichen Pilotcharakters. Das kam für die Stadt angesichts der Kosten von 70 000 Euro und der fehlenden Funktion nicht infrage.
Und nun? Ein in irgendeiner Form gearteter „Ersatz ist nicht vorgesehen“, betonte Karl-Heinz Lehrer vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt in der vergangenen Sitzung des Bezirksbeirats. Allerdings scheinen die Verantwortlichen im Rathaus die besondere Bedeutung des Geländes im Dreieck zwischen der Bundesstraße 10, dem Jugendhaus und der Flatow-Halle für die Wangener registriert zu haben. Denn nunmehr werden Pläne forciert, um den gesamten Bereich umzugestalten. „Wir wollen zeigen, dass wir urbane Sport- und Bewegungsflächen auch anders umsetzen können“, so Lehrer.
Aus einem Architektenwettbewerb ging das Büro g2 Landschaftsarchitekten Gauder + Gehring als Sieger hervor. Der im Ideenwettbewerb mit einer Bürgerbeteiligung kreierte Name „Wangen macht Welle“ ist dabei Programm. „Im gesamten Bereich gibt es immer wieder Anlehnungen an den nahe gelegenen Neckarhafen“, erklärte Jan-Frieso Gauder. Das beginne bereits mit dem geplanten Weichboden der vielen Spiel- und Sportflächen. In Blau gehaltener Farbe soll sich dieser durch die weite Parklandschaft schlängeln. Das Gelände ist dabei in verschiedene Bereiche unterteilt, um die vielen Wünsche aus der Bürgerschaft zu berücksichtigen.
Beginnend im nördlichen Teil mit einem Kleinkindbereich mit Spielangeboten – unter anderem einer Wasserzone –, schließt sich der Bereich für ältere Kinder mit zum Beispiel einer Wellenbahn oder einem Spielschiff entlang der Helfensteinstraße an. Der sogenannte Insel-Treff auf Höhe der Eybacher Straße bietet Sitzgelegenheiten rund um ein Pavillon, zudem Tischfußball, Tischtennisplatten und eine Boulebahn. Das Kernstück soll der Sporttreff mit einem Fußball- und einem Basketballfeld werden. Ergänzt wird dies durch einen Calisthenics- Parcours mit Fitnessgeräten für Kraftübungen in Richtung Parkplatz an der Flatow-Halle. „Es richtet sich an alle Generationen“, ist Lehrer überzeugt. Zudem sollen alle Angebote auch behindertengerecht sein.
Das bisherige Rondell am Parkplatz vor der Flatow-Halle soll verschwinden und einem neuen Festplatz weichen. „Die 33 Stellplätze bleiben aber erhalten“, verspricht Lehrer. Wie genau das aussehen könnte, ist derzeit auch im Hinblick auf die laut Stadt in den kommenden Jahren anstehende Sanierung der Halle noch nicht ganz ausgereift. Auch für die bislang bestehende, eingezäunte Hundewiese müsse noch ein neuer Standort gefunden werden. „Derzeit handelt es sich lediglich um einen Vorentwurf“, so Lehrer, „wir wollen aber zeigen, wo der Weg hingehen soll“. Im weiteren Planverfahren sollen auch die Bürger weiter gehört werden.
Die Planungsgelder in Höhe von 200 000 Euro wurden im aktuellen Doppeletat bereitgestellt. Bis Anfang 2025 sollen die Pläne ausgearbeitet werden. Sollten die nötigen Gelder – noch könne man die Kosten nicht genau beziffern – vom Gemeinderat bereitgestellt werden, könnte mit dem Umbau des Areas dann im Jahr 2026 begonnen werden.