Der Aufstieg in die Erste Handball-Bundesliga ist für den TV Bittenfeld eingetütet. „Mir freuet ons älle ganz arg“, strahlt Günter Schweikardt, der Vater des Erfolgs beim Empfang im Waiblinger Rathaus – und sogar der OB trägt einen blau-weißen Fanschal.
Waiblingen - Bittafeld, Bittafeld“ – lautstark schallt der urschwäbisch eingefärbte Schlachtruf der Bittenfelder Handballer über den Waiblinger Rathausplatz, auf dem sich unter anderem in doppelter Mannschaftsstärke ein Teil des jüngsten Handballnachwuchses des TV Bittenfeld versammelt hat. Es gilt, die erste Männermannschaft zu begrüßen, die am vergangenen Wochenende mit ihrem Sieg in Essen die allerletzten Zweifel am Aufstieg in die höchste deutsche Handballspielklasse beseitigt hat.
Und der Lärmpegel steigt, als mit lautem Hupen der Tourbus der erfolgreichen Handballer aus dem Waiblinger Teilort vorfährt. „Wild Boys on Tour“ prangt auf dem schwarzen Gefährt. Die Tour der wilden Jungs aus Bittenfeld hat mit dem Sprung in die Erste Bundesliga ein großes Ziel erreicht. „Mir freuet ons älle ganz arg“, sagt Günter Schweikardt auf dem Weg ins Rathaus. Er ist der Vater des Erfolgs der vergangenen gut 15 Jahre. 1999 war es, als der TV Bittenfeld mit dem Aufstieg in die Oberliga den Höhenflug gestartet hat.
Im Trausaal der Stadt wartet der Oberbürgermeister Andreas Hesky und ersetzt die eigentlich bei Eintragungen ins Goldene Buch der Stadt übliche Amtskette samt Krawatte durch einen blau-weißen Bittenfelder Fanschal. Einen Balkon habe er zwar nicht zu bieten für den Empfang, meint er, „aber wenn ihr Deutscher Meister werdet, dann finden wir auch irgendwo einen Balkon für euch“. Mit großem Stolz könne der TVB sagen, dass man mit Hartnäckigkeit und Entschlossenheit das Ziel der eigenen Bestrebungen erreicht habe. „Sie sind von Mal zu Mal professioneller geworden“, bescheinigt der OB dem Club eine kontinuierliche Fortentwicklung mit jedem Aufstieg. Und er hat auch seine eigenen Erinnerungen an die früheren Jahre des Handballaufschwungs: „Damals, als wir 2006 in Altensteig gespielt haben, da wurde ich noch als OB von Bittenfeld begrüßt“.
Die Stadt werde natürlich auch das Ihre dazu tun, damit der TV Bittenfeld als Erstligateam das sportliche Aushängeschild der Stadt bleibe, verspricht Hesky. Sagt’s und knöpft zum Beweis des persönlichen Engagements das oberbürgermeisterliche Hemd auf, unter dem das aktuelle Aufstiegs-T-Shirt der Wild Boys zum Vorschein kommt. Eine Bitte hat der Rathausregent noch an seine Vorzeigesportler: „Ich wäre dankbar, wenn sie die Erfolge künftig nicht immer erst im Herzschlagfinale hinkriegen.“ Aus der Magnumflasche Stadtsekt gibt es im Trauzimmer dann den ersten Schluck auf den Aufstieg.
Was ist in der kommenden Saison in der Bundesliga zu erwarten? Das ist beim anschließenden Umtrunk eines der Themen bei dem Club, der mit einem vergleichsweise bescheidenen Zwei-Millionen-Euro-Budget in das Abenteuer Erstklassigkeit startet und sich dafür noch an einigen Stellen personell verstärken will. „Wir werden aber eine Mannschaft stellen, die wettbewerbsfähig ist und für Überraschungen sorgen kann“, sagt dazu Günter Schweikardt. Er sehe Bittenfeld in der kommenden Saison auf Augenhöhe mit sieben oder acht Teams in der Ersten Bundesliga.
Für das Dreamteam aus dem 4300-Seelen-Flecken steht direkt nach dem Empfang im Rathaus zunächst einmal die große Aufstiegsfeier in Bittenfeld an, für die alle anderen Klassenaufstiegsfeten quasi das große Training waren. Und dann gönnt sich die Mannschaft einen Urlaub auf Mallorca. Aber – sagt der Spielertrainer Jürgen Schweikardt – nur bis Freitag.