Waiblingen Diebstähle und Entführungen

Von Luitgard Schaber 

Erstmals hat der Kinderkrimiautor Peter Kundmüller für Grundschüler eine Schreibwerkstatt angeboten. In der Stadtbücherei Waiblingen haben die jungen Autoren nun ihre Werke vorgelesen.

Gespannt hören die Lesungsbesucher zu, was ihnen das Mädchen aus seiner selbst geschrieben Geschichte vorliest. Foto: Michael Steinert
Gespannt hören die Lesungsbesucher zu, was ihnen das Mädchen aus seiner selbst geschrieben Geschichte vorliest. Foto: Michael Steinert

Waiblingen - In Ines Schule ist es alles andere als langweilig. Es geht viel mehr hoch her, denn die Klassenkasse der 4b ist gestohlen worden. Damit steht der geplante Schulausflug auf der Kippe. Die junge Krimischreiberin lässt eine Gruppe Schüler die Ermittlungen aufnehmen. Da sich keine Einbruchsspuren am Lehrerzimmer finden, in dem die Kasse aufbewahrt wurde, ergibt sich rasch ein Anfangsverdacht: „Es muss ein Lehrer oder die Putzfrau gewesen sein“, liest Ines aus ihrer Geschichte vor, die sie in den vergangenen Monaten in der Schreibwerkstatt von Peter Kundmüller verfasst hat.

Der Schriftsteller gibt den Kindern handwerkliche Tipps

Erstmals hat der Waiblinger Kinderkrimiautor für Dritt- und Viertklässler als Angebot der Hector-Kinderakademie Waiblingen eine solche gegeben – und auch selbst dabei eine Menge über die jungen Teilnehmer gelernt. „Ich dachte, ich muss den Kindern wie in der Schule irgendwas beibringen“, berichtet Kundmüller von der ersten Stunde des Seminars, das im vergangenen Herbst gestartet ist, „aber nachdem ich zehn Minuten lang den Kindern etwas erklärt habe, merkte ich, die wollen nicht, dass ich ihnen etwas erzähle, die wollen einfach drauflos schreiben.“ Daraufhin habe er sich auf ein paar inhaltliche Inputs beschränkt, wie etwa: Was ist eine Metapher und was ein innerer Monolog? Und wie lässt sich eine Geschichte durch Parallelhandlungen spannender machen?

Was daraus in der Feder und mit der Fantasie der Kinder geworden ist, zeigt die Abschlusslesung in der Stadtbücherei Waiblingen eindrücklich. Da wird beispielsweise der Osterhase entführt, treiben dubiose Gestalten auf einem Reiterhof ihr Unwesen oder wird die bekannte Kinderdetektivreihe „Die drei Fragezeichen“ einfach um eine selbst erfundene Folge ergänzt. Sichtlich stolz tragen die jungen Autoren wie die großen vor Eltern, Geschwistern, Omas und Opas an diesem Samstagvormittag Passagen aus ihren Geschichten vor.

Bis zu 30 Seiten haben die Kinder geschrieben

Denn die gesamten Erzählungen der Mädchen und Jungen würden den Rahmen der Veranstaltung sprengen, sagt Kundmüller. Fünf bis acht A4-Seiten seien diese im Schnitt lang, wohl gemerkt abgetippt in Computerschrift. Die handschriftliche Leistung der Kinder liege mit 20 bis 30 Seiten weit höher.

„Ich finde die Schreibwerkstatt ist ein sehr guter Impuls für die Kinder gewesen, bei dem sie eine gute Anleitung durch den Schriftsteller Peter Kundmüller bekommen haben“, meint Antje Mühlenhoff. Ganz glücklich sei ihre neunjährige Tochter Mona jedes Mal davon heim gekommen und habe zu Hause an ihrer Geschichte weiter geschrieben – und nicht nur das: „Ich habe meiner kleinen Schwester immer die neusten Sachen vorgelesen“, erzählt Mona. „Das war cool.“