Waiblingen Ein Mauerblümchen wird eher zum Opfer

Von Melanie Bürkle 

Der letzte Teil des Schutz-vor-Gewalt-Seminars für Frauen überzeugt mit praktischen Beispielen. Der freie Referent Klaus Bosch gab den Teilnehmerinnen auch einen Einblick in die Selbstverteidigung.

Frauen wurde gezeigt, wie  sie  sich im Notfall  wehren können. Foto: dpa
Frauen wurde gezeigt, wie sie sich im Notfall wehren können. Foto: dpa

Waiblingen - Die Risikominderung steht beim Seminar „Schutz vor Gewalt – ein Seminar für Frauen“ an oberster Stelle. Der freie Referent Klaus Bosch gab den Teilnehmerinnen zudem einen Einblick in die Selbstverteidigung.

Bevor die 14 Frauen jeden Alters der Veranstaltungsreihe „Schutz vor Gewalt – ein Seminar für Frauen“ selbst aktiv werden durften, stand abermals ein theoretischer Teil auf dem Plan. Klaus Bosch, Kriminalhauptkommissar a. D. und Sicherheitsberater der Polizei, erklärte: „Es lässt sich nicht alles verhindern, aber das Risiko kann verringert werden.“ Denn bevor eine Frau einen Täter in die Flucht schlägt, lassen sich einige gefährlichen Situationen viel früher verhindern.

Selbstsicheres Auftreten ist wichtig

So stellte Bosch im Lehrsaal der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen klar, dass der Angriff, also die Selbstverteidigung, die letzte Möglichkeit ist, der Gewalt beziehungsweise dem Täter zu begegnen. Die Vorbeugung dagegen sei viel dringlicher. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Erscheinungsbild. Und damit meinte der Referent nicht die Kleidung, sondern das Auftreten der Frauen. „Selbstsicheres Auftreten ist wichtig“, sagte der ehemalige Kommissar: „Das Mauerblümchen wird viel schneller Opfer von Gewalt als die Göre.“ Sollte eine Frau dennoch in eine gefährliche Situation geraten, gelte es, der potenziellen Gefahr möglichst aus dem Weg zu gehen und sich nicht provozieren zu lassen. Dies gelte auch, wenn man Gewalt an anderen Personen wahrnehme. „Spielt nie den Helden und mischt euch ein. Holt immer Hilfe“, mahnte Bosch. Dabei sei auch das Ansprechen umstehender Passanten sinnvoll: „Öffentlichkeit schaffen ist wichtig.“ Auch wenn man selbst in Gefahr gerät. „Sprecht andere direkt an, damit ihr wahrgenommen werdet“, riet er. Wenn erst einmal eine gewisse Solidarität geschaffen sei, dann – so haben einige Studien bewiesen – schaue keiner weg. Und merkt der Täter, dass er beobachtet wird, werde er sich wahrscheinlich zurückziehen. Denn: „Gemeinsam sind wir stark“, fasste der Referent zusammen.

Stärken und Grenzen ausprobieren

Welche Stärken, aber auch welche Grenzen jede Teilnehmerin hat, konnte sie am Nachmittag ausprobieren. Im praktischen Teil zeigte Bosch, der seit über 30 Jahren im Kampfsport aktiv ist, unter anderem verschiedene Schlag- und Tritttechniken an Schlagkissen. Auch das Üben des kräftigen Schreiens durfte nicht fehlen.

„Leider war das hier nur ein kleiner Einblick“, sagte Bosch nach den knapp drei Stunden. Nichtsdestotrotz vermittelte dieser den Frauen erste Rückschlüsse, wie sie sich im Notfall taktisch wehren könnten und was alles in ihnen steckt. Zudem fühlten sich die Frauen in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt, traten nach dem dreiteiligen Seminar selbstbewusster und sicherer auf.

Klaus Bosch gab den Teilnehmerinnen noch einmal abschließend auf den Weg: „Unser eigenes Verhalten, unsere Körpersprache kann dazu beitragen, das Risiko Opfer jeglicher Art von Gewalt zu werden, zu verringern.“




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