Waiblingen Für den Anfang ziehen Kleintiere in die Farm

Einige tierische Bewohner gibt es auf dem Finkenberg schon, wie etwa diese Esel. Sie gehören allerdings zu einem privaten Beweidungsprojekt und werden vorerst allenfalls Zaungäste der Jugendfarm sein Foto: Gottfried Stoppel
Einige tierische Bewohner gibt es auf dem Finkenberg schon, wie etwa diese Esel. Sie gehören allerdings zu einem privaten Beweidungsprojekt und werden vorerst allenfalls Zaungäste der Jugendfarm sein Foto: Gottfried Stoppel

Nach jahrelanger Standortsuche soll das Jugendfarm-Projekt zügig auf dem Finkenberg umgesetzt werden. Noch im Herbst soll ein Bauwagen als erstes Quartier aufgestellt werden. Derweil läuft die Planung der Farmgebäude.

Rems-Murr: Luitgard Gröger (lui)
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Waiblingen - Peter Beck, der Vorsitzende des Trägervereins Jugendfarm Waiblingen blickt von einem Plateau des Finkenbergs hinunter auf das übrige Gelände der ehemaligen Erddeponie an der Korber Höhe. Vor seinem inneren Auge sieht er schon alles. „Dort drüben werden die Gebäude der Jugendfarm hinkommen“, sagt er und deutet hinunter zu der Senke an der Zufahrt zu dem insgesamt acht Hektar großen Areal, „denn wir müssen irgendwie von den Stromleitungen wegkommen.“ Dass das möglich sei, zeigten die Pläne, die der Verein sich von einem Architekten bereits habe erstellen lassen. Angedacht sei ein Bau aus einem Modulsystem in Holzbauweise, „damit wir möglichst viel selbst machen können und bei Bedarf erweitern“.

Doch die Bauweise spielt eigentlich eine eher untergeordnete Rolle bei dem Projekt Jugendfarm, bei dem Kindern ein verantwortungs- und achtungsvoller Umgang mit der Natur näher gebracht werden soll. Denn so ideal das Gelände beim Blick von seinem höchsten Punkt nach unten auf die sich davor sanft ausbreitenden Hügel für das Vorhaben auch erscheint, ein Blick nach oben macht sofort klar, wo das Problem liegt: bei den Hochspannungsleitungen. Ihretwegen wäre das Projekt Jugendfarm beinahe gescheitert, nach Jahre langen Irrungen und Wirrungen auf der Suche nach einem anderen Standort statt des Finkenbergs.

30 Alternativstandorte untersucht

Insgesamt gut 30 Alternativflächen habe der Trägerverein in den vergangenen Jahren in Augenschein genommen. Doch immer hätten diverse Gründe einer Realisierung entgegengestanden. „Mal lag es im Regionalen Grünzug, wo keine Bebauung erlaubt ist, mal war es Privateigentum“, zählt Beck auf, ohne genauer darauf eingehen zu wollen. So sei man schließlich wieder am Ausgangspunkt der Projektidee angekommen: dem Finkenberg. Die Hochspannungsleitungen sind immer noch da, aber man könne sich mit ihnen arrangieren. „Wir müssen mit der Bebauung eben 20 Meter davon Abstand halten“, sagt Beck. Das sei der von Verordnungen vorgegebene Mindestabstand. Denn nach fünf Jahren zermürbender Standortsuche seit seiner Gründung 2008 sei der Trägerverein im Sommer an einem Scheideweg gestanden: „Entweder wir setzen das Projekt am Finkenberg um oder wir machen den Verein dicht“, berichtet Beck. Hopp oder top – einen Mittelweg sah man nicht.

Die Vereinsmitglieder entschieden sich für top. Nachdem ihnen im Sommer bereits ein erstes Investitionsvolumen von 430 000 Euro zugestanden wurde, von dem die Stadt die Hälfte übernimmt, kann es nun mit der Planung losgehen. Die übrigen Kosten sollen durch Zuschüsse von Stiftungen und Sponsoren finanziert werden, die jedoch erst noch gesucht werden müssen. Allerdings will man nicht warten bis das Farmgebäude steht. Daher sondieren am Samstag Vorstandsmitglieder des Trägervereins, unter ihnen auch der Grünen-Stadtrat und Vater der Jugendfarm-Idee, Frieder Bayer, und der städtische Beauftragte für das Projekt und stellvertretende Leiter des Fachbereichs Bildung und Erziehung, Herbert Weil, das Gelände.

Bauwagen soll noch vor den Herbstferien stehen

„Die Frage dabei ist, was kann relativ schnell umgesetzt werden“, erklärt Frieder Bayer. Die Antwort darauf haben die Vorstandsmitglieder und Weil schon im Kopf: Im nordwestlichen Bereich des Finkenbergs solle ein Bauwagen aufgestellt, rund herum sollen eineinhalb bis zwei Hektar des Geländes eingezäunt werden, „damit uns die Kinder nicht verloren gehen“, sagt Bayer. Als erste Tiere würden zunächst nur Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen einziehen, ergänzt Beck. Später sollen auch größere Vierbeiner einbezogen werden, beispielsweise Frieder Bayers Heidschnucken, die bereits auf dem Gelände gemeinsam mit den Eseln, Lamas und Kühen eines privaten Beweidungsprojekts grasen. „Wichtig ist aber auch die Anlage eines Gartens“, fügt Beck hinzu. Schließlich sollten die Kinder auf der Jugendfarm die Möglichkeit haben, den gesamten Naturkreislauf kennen zu lernen.

Der Bauwagen könne sicherlich noch vor den Herbstferien aufgestellt werden, meint Weil über den Zeitplan. Alles Weitere folge dann, so auch Gespräche mit der Bürgeraktion Korber Höhe, die gerne aus dem Finkenberg ein Naherholungsgebiet machen möchte. Ihre Interessen würden ebenso in die Planung einbezogen wie das bestehende Beweidungsprojekt.




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