Waiblingen Ganz nah an den Menschen

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Michael Kirbach heißt der neue Direktor des Waiblinger Amtsgerichts. Der 53-jährige tritt die Nachfolge von Joachim Saam an, der ans Oberlandesgericht geht.

Michael Kirbach ist der neue Amtsgerichtsdirektor in Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel
Michael Kirbach ist der neue Amtsgerichtsdirektor in Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Weil ihm nach dem Studium, während seiner Ausbildung als Referendar, bewusst geworden ist, dass die menschliche Komponente in der Justiz mindestens so wichtig ist wie ein solides theoretisches Fundament, hat sich Michael Kirbach einst gegen eine bereits begonnene wissenschaftliche Karriere entschieden. Jetzt hat der 53-Jährige seine neue Tätigkeit als Amtsgerichtsdirektor in Waiblingen angetreten. Der gebürtige Reutlinger ist der Nachfolger von Joachim Saam, der einem Ruf an das Oberlandesgericht nach Stuttgart gefolgt ist.

Michael Kirbach kennt die Stuttgarter Justiz aus dem Effeff: in verschiedenen Funktionen als Zivilrichter am Amtsgericht, als Strafrichter am Landgericht und als Staatsanwalt. Lange Jahre war er als solcher in der Wirtschaftsabteilung internationaler Kapitalanlagebetrug tätig, wo die gewichtigen Akten lastwagenweise angekarrt wurden, und er einen sportlichen Ehrgeiz entwickelte, Straftäter „mit einem gewissen Niveau“ zur Strecke zu bringen, wie er erzählt.

Nicht immer aber ging es in seiner beruflichen Laufbahn um Urteile oder Anklagen. Eine Zeit lang hat Kirbach in der Datenverarbeitungsstelle des Oberlandesgerichts an der Entwicklung eines Computerprogramms für die Justiz mitgewirkt – eine spannende Aufgabe, wie er betont. Eine Kombination aus Verwaltungs- und Richtertätigkeit erwartete ihn vor siebeneinhalb Jahren am Amtsgericht Böblingen, wo Kirbach bis jetzt als stellvertretender Direktor tätig war.

Der aktuelle Sprung auf den Chefposten in Waiblingen erscheint nicht nur aus seiner persönlichen Sicht der Karriereplanung als folgerichtig. Dass Kirbach unter den Bewerbern ausgewählt wurde, hat sicher damit zu tun, dass in Böblingen zum Teil das vollzogen wurde, was in Waiblingen noch bevorsteht: die Integration der bisher eigenständigen Grundbuchämter. Kirbach hat den Prozess in Böblingen begleitet, er verfügt über Vorkenntnisse und Kontakte, etwa in Richtung Hochbauamt.

Er freue sich nicht nur auf diese „gewaltige Aufgabe“, die dem Waiblinger Amtsgericht eine Verdopplung ihrer Mitarbeiterzahl beschere. Er habe eine gewisse Leidenschaft für das Gestalten von Rahmenbedingungen entwickelt. Denn nur eine solide Ausstattung halte die Justiz am Laufen. „Das eine geht nicht ohne das andere.“

Dass „das andere“ zur Hälfte auch zu den Aufgaben eines Amtsgerichtsdirektors gehört, sei für ihn das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“. Als Amtsrichter sei man ganz nah an den Menschen dran. Das sei ihm wichtig. Dabei dürfe man nur eines nie vergessen: Ein Richter entscheide nicht nur einen Sachverhalt, oft gehe es um die wichtigsten Stützen im Leben eines Menschen: den Beruf, die Familie oder die Wohnung. Kirbach: „So pathetisch das klingen mag: Wir entscheiden hier auch über menschliche Schicksale.“

Doch daran müsse er an seiner neuen Arbeitsstelle niemanden erinnern. „Waiblingen hat einen hervorragenden Ruf“, lobt Kirbach seine neuen Kollegen. Ob er hier am Ende seiner Karriere angekommen ist? Die Frage beantwortet der erfahrene Jurist auf Diplomatenart. „Ich bin nicht gekommen, um gleich wieder zu gehen“, sagt der Mann, den sein 30-jähriger Sohn bereits zum Großvater gemacht hat. Auf jeden Fall wird er hervorragende Bedingungen für ein Hobby vorfinden, dem er nach Möglichkeit wieder ein wenig intensiver frönen will. „Es kann durchaus einmal vorkommen, dass der Amtsgerichtsdirektor morgens mit einem Motorradhelm unter dem Arm an seiner Arbeitsstätte erscheinen wird.“




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