Waiblingen Kreisbedienstete wollen moderne Arbeitsplätze

Von Harald Beck 

Der Personalrat der Kreisverwaltung beklagt Enge und unzumutbare Bedingungen in den Amtsquartieren in Waiblingen.

Im Waiblinger Landratsamt gibt es keine modernen Arbeitsplätze moniert der Personalrat. Foto: Gottfried Stoppel
Im Waiblinger Landratsamt gibt es keine modernen Arbeitsplätze moniert der Personalrat. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Die bislang zehn verschiedenen Standorte der Landkreisverwaltung in Waiblingen sollen auf zwei Stellen konzentriert werden. So sieht es das Immobilienkonzept vor, über das der Kreistag im Juli entscheiden wird. Rund 100 Millionen Euro würde es sich der Landkreis kosten lassen, das Parkhaus auf dem Areal am Alten Postplatz neu zu bauen und darauf einen mehrstöckigen Erweiterungsbau zu stellen, sowie den aus den 1950er-Jahren stammenden Altbau des Landratsamtes und den benachbarten, Anfang der 1980er-Jahre entstandenen, Pagodenbau grundlegend zu sanieren.

Gesundheitliche Belastungen

Dass die Neuordnung der Landkreis-Immobilien und die Modernisierung der darin zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze dringend nötig ist, hat jetzt der Vorstand des Personalrats der Kreisverwaltung in einem Pressegespräch betont. Denn die Mängelliste bei der momentanen Unterbringung der Mitarbeiter und der Organisation des Publikumsverkehrs in den einzelnen Abteilungen des Landratsamtes sei quasi endlos, sagte der Personalratsvorsitzende Christoph Narr. Mitarbeiter würden bedroht, sie könnten Opfer körperlicher Übergriffe werden, denn es bestehe keinerlei Sicherheitskonzept. Die Unterbringung auf engstem Raum samt massivem Gesprächslärm bedeute Stress, bedinge höhere Fehlerquoten und werde zunehmend zur gesundheitlichen Belastung. „Unsere Büros entsprechen keinem modernen Arbeitsplatz“, sagen die Vorstandsmitglieder des Personalrats unisono über die Situation an allen Standorten der Kreisverwaltung in Waiblingen.

Angesichts der räumlichen Lage, zum Beispiel in Dreierbüros, sei es schlicht unmöglich, Datenschutz zu gewährleisten, es fehle – extrem spürbar im Jugendamt – an separaten und schallgeschützten Besprechungsräumen. Mangel gebe es zudem an Ruheräumen und Rückzugsmöglichkeiten, oder an Wickelmöglichkeiten für Babys in Abteilungen mit Besucherverkehr.

Speziell im Altbau des Landratsamtes und im Pagodenbau gebe es massive Probleme mit Durchlüftung und Temperatur. Vom sechsten Stock des Altbaus, in dem der Personalrat seine Räume hat und wo jüngst der hausinterne Rekord von gut 38 Grad aufgestellt wurde, wolle er gar nicht reden, so Narr. Aber ab Stockwerk drei seien Temperaturen über 30 Grad im Sommer die Regel, „da haben wir oft 34 oder 35 Grad“.

Keine Besucherlenkung

Keine durchgehende Barrierefreiheit, kein Blindenleitsystem und keine sinnvolle Besucherlenkung, so lauten weitere Punkte im landratsamtlichen Mängelkatalog. Ein Umstand, sagt Narr, der nicht förderlich sei mit Blick auf die Notwendigkeit, künftig genügend Fachkräfte für die Arbeit in den Ämtern zu begeistern. Beim Verdienst könne man mit den Angeboten in der Wirtschaft ohnehin nicht mithalten, „wenn zudem die Arbeitssituation schlecht ist, entscheidet sich kaum jemand für den öffentlichen Dienst.“

Das vorgestellte Immobilienkonzept findet letztlich ausdrücklich die Zustimmung des Personalrats. Es sei möglich, innerhalb dieser Konzeption moderne Arbeitsplätze mit Besucherlenkung und Sicherheitsbereichen zu verwirklichen, betont Narr. Wichtig sei dabei aber, dass ein möglicher Anstieg des Personals in den Planungen unbedingt berücksichtigt werden müsse, fügte er hinzu.