Der Waiblinger Innenstadt geht demnächst ein weiteres, alteingesessenes Fachgeschäft verloren: Ende März schließen Daniela und Ulrich Kuppinger ihr Geschäft für Raumausstattung in der Langen Straße. Fast 40 Jahre lang hat das Paar in dem rund 400 Jahre alten stattlichen Fachwerkhaus unweit des Beinsteiner Tors Dinge verkauft, die eine Wohnung erst richtig zum Zuhause machen: Kissen und Dekostoffe in allen erdenklichen Farben und Materialien, Vorhänge zur Zierde und Jalousien gegen die Sonne sowie Wohnaccessoires, zum Beispiel Teppiche und Wolldecken.
Zum Angebot gehört auch ein eigenes Nähatelier, in dem die Mitarbeiterin Barbara Steinbach Vorhänge nach Maß anfertigt und ein Polsterservice für durchgesessene und abgeschabte Sitzmöbel. Daniela Kuppinger schmeißt den Laden, ihr Mann ist für die Beratung der Kunden vor Ort, für Bodenbeläge und Montagearbeiten zuständig.
Am 31. März schließt Kuppinger
Im Gespräch mit den Kuppingers klingelt alle paar Minuten die Ladenglocke – viele Kunden wollen sich vor der Schließung noch mal im Geschäft umschauen, neue Gardinen machen lassen oder Rat einholen. Bis zum 31. März gibt es also noch viel zu tun. Dann aber gehen in der Langen Straße 17 erst mal die Lichter aus, denn einen Nachfolger, der das etablierte Geschäft weiter betreibt, gibt es nicht. Ulrich Kuppinger sagt, angesichts des Nachwuchsmangels im Handwerk habe er in Sachen Nachfolge erst gar keinen Versuch unternommen. „Das macht keinen Sinn. Im Moment tut es sich keiner an, sich selbstständig zu machen.“
Dass ins liebevoll sanierte Fachwerkhaus mittelfristig wieder ein Laden einziehen wird, kann sich der 67-Jährige aber gut vorstellen. Die Räume seien schließlich einmalig und sehr ansprechend, sagt Uli Kuppinger, der das rund 400 Jahre alte denkmalgeschützte Haus Ende der 1990er Jahre bei laufendem Betrieb etappenweise umgebaut hat. Anderthalb Jahre Baustelle, die sich gelohnt haben: „Die Perle im Haus ist der Laden“, sagt Ulrich Kuppinger. Ganz klar – da steckt viel Herzblut drin. Dennoch haben sich Daniela und Ulrich Kuppinger dazu entschieden, das alte Fachwerkhaus zum Verkauf anzubieten.
Ulrich Kuppingers Vater, ein Polster- und Tapeziermeister, machte sich einst in dem Altstadtgebäude selbstständig und bezog mit seiner Familie eine Wohnung des damals in vier Partien aufgeteilten Hauses. Über die Jahre kauften Kuppingers ein Hausteil nach dem anderen dazu, bis es 1997 ganz im Familienbesitz war. Anderthalb Jahre lang wurde alles gründlich saniert, das Fachwerk freigelegt und Zwischendecken entfernt. Nach dem Umbau legte der Junior los, der auf seine Raumausstatter-Lehre noch ein Studium der Innenarchitektur draufgesetzt hatte. Den ursprünglichen Plan, zweigleisig zu fahren, konnte Ulrich Kuppinger aber angesichts der vielen Arbeit im Geschäft nicht umsetzen.
In Zukunft wollen er und seine Frau etwas zurückschalten – in den 38 Jahren haben sie unzählige Überstunden gemacht und so manche Extraschicht eingelegt. „Man steht ja gegenüber den Kunden im Wort“, sagt Ulrich Kuppinger. Seine Arbeit hat er trotz allem Stress immer sehr gerne gemacht. „Das Schönste daran sind die Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Charakteren, die man zum Teil über Jahrzehnte begleitet.“