Man muss nur seine Antennen ausfahren, dann hört man Melodien, die durch den Äther schwirren, sagt Thomas Vuk. Der Waiblinger Kulturamtsleiter hat nun ein Solo-Album veröffentlicht.

Waiblingen - Es ist schon ein paar Jahre her, dass Thomas Vuk als Schlagzeuger der Independent-Band Bellybutton & the Knockwells und später mit der Combo Dramagold erfolgreich durch die Lande getourt ist. Zusammen mit seinen Bandkollegen ist er gar als Kulturbotschafter nach Usbekistan gereist. Mitte der 1990er-Jahre hat der in Friedrichshafen aufgewachsene Punkmusik-Fan seinen Job als Berufsmusiker an den Nagel gehängt und stattdessen Konzerte und Kulturevents organisiert: erst beim Zelt-Musik-Festival in Freiburg und dann beim Ulmer Kulturamt.

Inzwischen ist Thomas Vuk Leiter des Kultur- und Sportamts in Waiblingen. Das Musikmachen hat er nie aufgegeben, aber er hat es in den vergangenen 15 Jahren von der öffentlichen Bühne ins stille Kämmerlein, sprich: ins heimische Musikzimmer nach Weinstadt-Großheppach, verlegt. Seit einigen Tagen aber ist nun sein erstes Solo-Album mit dem Titel „Irgendwen lässt man immer zurück“ auf dem Markt. Darauf zu finden sind acht Songs, die Thomas „Tom“ Vuk in den vergangenen Jahren komponiert, getextet, gesungen und gespielt hat und die eigentlich nicht zur Veröffentlichung gedacht waren.

Songs aus der Schublade

„Ich habe die Songs in den letzten Jahren aufgenommen und abgelegt. Erst die Wiederveröffentlichung vom Dramagold-Album ,Die Heiligsprechung des Alltags’ im vergangenen Herbst hat mich auf die Idee gebracht“, sagt Thomas Vuk, „und jetzt ist es für mich ein schöner Gedanke, dass die Leute das Album hören können.“ Offensichtlich wollen viele die Songs aus der Schublade hören: In den Amazon Charts ist „Irgendwen lässt man immer zurück“ nach seiner Veröffentlichung Ende der Woche auf Platz 13 in der Kategorie „Aufsteiger des Tages“ gelandet.

Von Hause aus Schlagzeuger, hat Thomas Vuk auch sämtliche anderen Instrumente selbst gespielt. Da komme die Do-it-yourself-Attitude des Punk, der seine Musikbegeisterung vor vielen Jahren entfacht hat, zum Vorschein, sagt Vuk. Komponiert hat der Autodidakt, der wie so manch anderer Musiker keine Noten lesen kann, am Klavier. „Ich höre die Arrangements im Kopf. Da ich sie nicht auf Papier notieren kann, spiele ich eine Stimme nach der anderen ein.“ Bei Geistesblitzen muss notfalls auch mal vorübergehend der Anrufbeantworter herhalten. So etwa bei „Unsterblich“. Das Stück mit Gospelelementen hat Thomas Vuk für den verstorbenen Dramagold-Gitarristen Rolf Gentner geschrieben.

„Alexandra“ als deutschsprachige Heldin

Die Entstehung eines Songs habe etwas Prozesshaftes an sich, sagt Vuk: „Ich weiß nie genau, was am Ende herauskommt, im Zusammenspiel hört sich eben manches anders an.“ Die Melodien, davon ist der Komponist überzeugt, seien immer da: „Man muss nur die Antennen ausfahren um sie einzufangen.“

Auf seinem ersten Solo-Album hat der Song-Fänger Thomas Vuk eine vielfältige Mischung zusammengestellt. Obwohl die Lieder im Laufe von etlichen Jahren entstanden sind, wirkt das Album rund und geht Ruckzuck ins Ohr. Kein buntes Sammelsurium, aber eine abwechslungsreiche Mixtur: Elemente aus der Soulmusik der Sixties spielen eine wichtige Rolle, außerdem sind Groove und Gospelklänge zu hören. Und dass Thomas Vuk, Punkfan hin oder her, ein großer Verehrer der Sängerin Alexandra ist, die er seine deutschsprachige Heldin nennt, auch das klingt an manchen Stellen durch.

Der wirklich schwierige Part, das seien die Texte, findet Vuk: „Manchmal ringe ich um Wörter.“ Ein Dreivierteljahr kann schon mal ins Land gehen, bis ein Liedtext steht und Worte und Noten zu einem Gesamtwerk aus einem Guss werden: „Wenn man singt, muss jedes Wort sitzen, sonst schämt man sich ja.“ Vuks goldene Regel beim Verfassen der Texte: „Platte Endreime sollte man vermeiden.“

Eine Devise, die im Hit-Geschäft propagiert wird – kein Song sollte mehr als 3,5 Minuten dauern – hat der 51-Jährige hingegen anders als zu Profizeiten mit Bellybutton & the Knockwells komplett ignoriert: „Ich hab’ mir dieses Mal die Freiheit genommen, dass jeder Song so lang wird, wie er es sein soll.“