Wald-Igel in Holzgerlingen Renovierung mit internationaler Hilfe

Gemeinsam arbeitet die Gruppe daran, den Waldkindergarten für das nächste Jahr startklar zu machen. Foto: /Stefanie Schlecht

In einem Friedens-Workcamp arbeiten momentan Belarussen, Ukrainer und Deutsche in Holzgerlingen zusammen, um die Hütte des Waldkindergartens Wald-Igel wieder auf Vordermann zu bringen.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Hämmern, lasieren, abschleifen, sägen – am Waldkindergarten in Holzgerlingen ist derzeit viel los: Im Schatten der Bäume an der Holzhütte arbeiten fleißige Helfer und Helferinnen gerade daran, die Unterkunft der kleinen Kita-Gänger auf Vordermann zu bringen. Das Besondere: Belarussen, Ukrainer aus Holzgerlingen und Deutsche arbeiten dort in einem Friedens-Workcamp zusammen, das der Waldkindergarten Wald-Igel gemeinsam mit dem Verein Heim-statt Tschernobyl in die Wege geleitet hat.

 

Seit dem Jahr 2000 organisieren die beiden Holzgerlinger Edeltraud und Christof Schill über den Verein Heim-statt Tschernobyl Workcamps in Belarus. 1991 startete der Verein seine Arbeit – fünf Jahre, nachdem es im ukrainischen Tschernobyl nahe der belarussischen Grenze zu einer schweren Nuklearkatastrophe gekommen war, bei der große Mengen radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre drangen. Doch nun befindet sich der Verein, der rund 140 Mitglieder hat, im Umbruch: „Im Moment sieht es so aus, dass wir keine Workcamps mehr in Belarus machen werden“, sagt Edeltraud Schill. Zu riskant sei es mittlerweile, dort hinzureisen. Ihr Wunsch sei es jedoch, dass Belarussen fortan nach Deutschland reisen, um dort an Workcamps teilzunehmen. So, wie es gerade zum ersten Mal in Holzgerlingen passiert.

Eva Tomaschko, Elena Weisensee, Förster Achim Klausner, Edeltraud und Christof Schill arbeiten bei dem Projekt zusammen. /Stefanie Schlecht

Der Kontakt zum Waldkindergarten sei über die Stadt zustande gekommen. Denn für Workcamps dieser Art braucht es Projekte, bei denen viele Leute aushelfen können, aber dafür keine spezifische Ausbildung benötigen – gar nicht so einfach zu finden, erklärt Edeltraud Schill. Doch die Arbeiten am Waldkindergarten sind gerade richtig: Eine bunte Gruppe aus 25 Personen, unter denen sich unter anderem Studierende, Handwerker und Malerinnen befinden, arbeitet dort die nächsten Tage, bis die Hütte des Kindergartens wieder glänzt.

Neue Sitzgruppen werden gebaut, Hochbeete errichtet, Bäume neu umrandet, Holzböden abgeschliffen und Mobiliar neu gestrichen. Um acht Uhr morgens geht die Arbeit los, dann wird mit Pausen bis 15 Uhr gearbeitet. Für das leibliche Wohl sorgen die Eltern der Wald-Igel und ein Catering-Service. „Wir arbeiten von Mahlzeit zu Mahlzeit“, scherzt Elena Weisensee. Alle verstehen sich gut, die unterschiedlichen Sprachen sind kein Hindernis, erzählt Weisensee, die im Vorstand des Waldkindergartens sitzt und die Bauarbeiten koordiniert. „Es sind bereits neue Freundschaften entstanden, wir haben hier ein sympathisches und motiviertes Team, das gleich losgelegt hat“, erzählt Edeltraud Schill. Auch die brütende Hitze der letzten Tage scheint dem Enthusiasmus der Gruppe keinen Dämpfer versetzt zu haben.

Ganz in der Nähe der alten Hütten wird noch in diesem Jahr eine weitere Hütte entstehen. /Stefanie Schlecht

Das Team des Waldkindergartens hat dieses Jahr noch viel vor: Neben der Renovierung der alten Hütte steht auch noch ein Neubau aus, der nur wenige Meter entfernt gebaut werden soll. Ab nächstem Jahr soll nämlich eine zweite Gruppe mit 20 Kindern eröffnet werden. Der Bauzaun um das Gelände steht bereits, die Fundamente werden momentan vorbereitet, sagt Elena Weisensee. Der tatsächliche Bau der Holzhütte soll dann im Herbst über die Bühne gehen. „Es ist alles im Zeitplan“, sagt sie, die die Bauarbeiten koordiniert. Der Spatenstich soll bereits in der nächsten Woche stattfinden.

Auch Förster Achim Klausner und sein Team helfen bei den Renovierungsarbeiten im Waldkindergarten mit aus. Beim sogenannten Holzweg, der nur unweit vom Waldkindergarten verläuft, arbeiten das Forstamt und der Waldkindergarten zusammen. Auf dem dreieinhalb Kilometer langen Erlebnis- und Holzlehrpfad sind die Waldigel oft unterwegs.

Noch bis Ende nächster Woche arbeitet die internationale Gruppe an der Renovierung der Waldigel-Hütte. Untergebracht sind die Workcamp-Teilnehmenden in der Jugendbildungsstätte Haus Südmähren in Ehningen. Ihr Aufenthalt wird über Spenden finanziert.

Die Kooperation zweier Vereine

Heim-statt Tschernobyl
Der Verein wurde 1991 gegründet. Die rund 140 Mitglieder bemühen sich im Nachklang der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986 um nachhaltige Hilfen vor Ort sowie Völkerverständigung. So werden mit Hilfe des Vereins Häuser gebaut und Integrationsprojekte durchgeführt. Außerdem setzen sich die Ehrenamtlichen für Alternativen zur Atomenergie ein.

Spenden
Der Verein Heim-statt Tschernobyl finanziert sich über Spenden. Online-Spenden sind über die Webseite des Vereins möglich oder über die Spendenadresse: DE55 6035 0130 0002 3488 87.

Wald-Igel
Ab nächstem Jahr sollen in dem geplanten Neubau unweit der alten Wald-Igel-Hütte 20 weitere Kinder unterkommen. Im Herbst soll das neue Gebäude errichtet werden. Momentan plant der Verein mit Kosten in Höhe von 300 000 Euro für das Projekt, das aus mehreren Quellen finanziert werden soll.

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