Waldbaden in Ludwigsburg Eine grüne Auszeit für Vater und Kind
Waldbaden liegt voll im Trend. In Ludwigsburg führt die Achtsamkeitstrainerin Jeannette Huber Väter mit ihren Kindern durch das satte Grün, dem heilende Kräfte zugeschrieben werden.
Waldbaden liegt voll im Trend. In Ludwigsburg führt die Achtsamkeitstrainerin Jeannette Huber Väter mit ihren Kindern durch das satte Grün, dem heilende Kräfte zugeschrieben werden.
Die Sonne flutet durch die Baumkronen und taucht den Wald in ein warmes Licht. Es riecht erdig und süß, irgendwo in der Nähe blüht etwas. Die Vögel machen ziemlichen Lärm. In der Ferne brummt ein Motor. Sonst hört man nur Blätterrascheln und gedämpfte Schritte auf dem weichen Pfad, der durch den Stadtwald in Poppenweiler führt. „Oh, eine Schnecke!“, ruft Paulina, nimmt das Tier vorsichtig auf und setzt es neben den Weg, damit ihm nichts geschieht. Die Fünfjährige ist zusammen mit ihrem Vater Christian Walf zu dieser besonderen „Auszeit im Grünen“ gekommen, einem Angebot der Stadt Ludwigsburg: Waldbaden für Väter und Kinder.
Insgesamt fünf Vater-Kind-Duos erkunden an diesem Samstagvormittag zusammen mit ihrer Kursleiterin Jeannette Huber den Wald mit allen Sinnen. Zunächst gibt die zertifizierte Waldbaden-, Natur- und Achtsamkeitstrainerin ihnen ein bisschen Theorie mit auf den Weg. Sie erzählt, wie sich das achtsame Eintauchen in den Wald positiv auf die Gesundheit auswirkt: Es baue Stress ab, stärke das Immunsystem, lindere Angstzustände und verbessere die Atmung. Besonders den ätherischen Ölen aus Nadeln, Rinde und Wurzelwerk, den Terpenen, schreibe man heilende Kräfte zu, sagt sie. Deswegen gehöre „Shinrin Yoku“, wie der Fachbegriff lautet, in Japan seit vielen Jahren zur Gesundheitsvorsorge.
Jeannette Huber ermuntert Kinder und Väter, langsam und bewusst zu gehen: „Stellt euch vor, ihr wärt ein Astronaut mit dicken Stiefeln, der zum ersten Mal auf die Erde kommt.“ Als erstes konzertieren sich alle aufs Hören. Der zehnjährige Sam und sein Vater Udo Tittes haben Vogelgezwitscher, raschelndes Laub und knackende Äste auf ihrer „Hörkarte“ notiert. Jan (9) hat noch den Wind und die knirschenden Steine mit auf seiner Liste. Leyla (5) will in der Ferne sogar eine Eule gehört haben. Ihr Vater Sascha Friedmann ist auf Initiative seiner Frau, die selbst schon gute Erfahrungen mit Waldbaden gemacht hat, dabei. Ihm gefällt diese Vater-Tochter-Auszeit in der Natur: „Eine sehr schöne Geschichte“, findet er.
Jetzt kommt das Sehen dran. Jeannette Huber und ihr Mann Stefan, der bei den Waldbaden-Kursen immer helfend mit von der Partie ist, verteilen „Kameras“: Laminierte Rechtecke aus Pappe mit einem Loch zum Durchschauen. Die Kinder können damit einen kleinen Ausschnitt des Waldes ins Visier nehmen und intensiv erkunden. Die siebenjährige Wiebke ist sogar noch besser ausgerüstet: Sie holt eine Lupe aus ihrem Rucksack und sucht nach Pflanzen oder Tieren, die sie vergrößern kann.
Bei der nächsten Übung sind sowohl der Tastsinn als auch Vater und Kind als Team gefragt: Einer sammelt spannende Sachen aus dem Wald, der andere macht die Augen zu, fühlt und errät, was es ist: Eine Buchecker? Blüten? Rinde? Und wie heißen eigentlich diese Ahorndinger, die aussehen wie kleine Propeller?
Jeannette Huber lässt meditative und aktive Dehn- und Körperübungen einfließen. Zwischendurch erzählt sie Spannendes aus dem Wald, etwa, dass die Pflanzen unter dem Waldboten in einem Pilzgeflecht, dem Myzel, miteinander verbunden sind und sich gegenseitig unterstützen.
Schließlich versammelt sich die Gruppe auf einer kleinen Lichtung, abseits des Wegs für die „Solozeit“. Überall krabbelt, brummt und wuseln es vor Spinnen, Käfern, Asseln und fliegendem Getier. Jedes Kind sucht sich mit seinem Vater einen Baum aus und kann dort mit Knet etwas gestalten. Es wird still. Alle sind in ihr Tun versunken und jetzt richtig in den Wald eingetaucht.
Auf dem Rückweg legen alle gemeinsam ein Bild aus Naturmaterial an den Wegesrand. Und als Erinnerung gibt es für jeden eine Karte mit Klebestreifen, die Kinder und Väter mit Blumen, Blättern, Gräsern oder Rinde verzieren. Kurz bevor die kleine Gruppe am Ausgangspunkt an der ehemaligen Deponie ankommt, lässt der Wald die Kinder noch mal staunen: Eine Eidechse sitzt mitten auf dem Weg und sonnt sich.
Angebot
Zum Waldbaden für Kinder mit ihren Vätern hat die kommunale Gesundheitsförderung und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg eingeladen. Das Angebot ist Teil des Netzwerkes Mentale Gesundheit „Momente für dich!“. Infos unter: www.faszination-waldbaden.de
Angebot
Am 21. Juni findet ein deutschlandweites Benefiz-Waldbaden zur Sommersonnwende statt. Zwischen 18 und 21 Uhr kann man an diesem Tag mit Jeannette Huber in den Wald eintauchen. Treffpunkt: Ludwigsburg-Poppenweiler, Holzweg, Lemberg-Parkplatz an der ehemaligen Deponie. Anmeldung und Infos ebenfalls unter www.faszination-waldbaden.de.