Ein kurzes Abenteuer, das Lust auf mehr gemacht hat: In der vergangenen Saison spielte Lisa Kröper beim SV Hegnach in der Regionalliga Süd, nach nur einem Jahr ist die 26-Jährige wieder zurück bei ihrem Herzensverein FSV Waldebene Stuttgart-Ost in der Oberliga Baden-Württemberg. Und doch vielleicht auch bald erneut in der dritthöchsten Spielklasse der Frauen?
Häufig hatte der SV Hegnach bei der torgefährlichen Mittelfeldspielerin angefragt, im vergangenen Jahr wagte sie dann als Torschützenkönigin der Oberliga den Sprung. Und in 21 Einsätzen traf sie immerhin fünfmal. „Ich habe sehr viel mitgenommen aus diesem Jahr“, sagt Kröper. Da sie nach dem Ende ihres Lehramtsstudiums nun im Referendariat beruflich weniger Zeit hat, entschied sie sich zur Rückkehr nach Stuttgart. „Für mich war klar, wenn ich noch mal wechsele, dann nach Stuttgart-Ost“, sagt die angehende Gymnasiallehrerin für die Unterrichtsfächer Sport und Deutsch. Die Mannschaft und das Umfeld seien auf der Waldebene sehr herzlich und familiär, das mache den Verein so besonders, berichtet Kröper. „Erfolg und Spaß liegen hier sehr beieinander“, sagt sie.
Und erfolgreich ist die Gerlingerin nach kurzer Wiedereingewöhnungsphase abermals. Sechsmal traf sie in den ersten acht Spielen und führt damit die interne Schützenliste ihres Teams an. „Wir spielen auf beiden Flügeln sehr offensiv. Und weil das Zusammenspiel insgesamt gut klappt, habe ich häufig die Möglichkeit, in die Mitte zu ziehen und den Abschluss zu suchen“, sagt Kröper. Ihr Trainer hat dafür auch einen passenden Vergleich parat: „Das weibliche Pendant auf der linken Seite zu Arjen Robben ist unsere Lisa“, sagt Stefan Zemmel. Spiegelverkehrt wie der einstige Star des FC Bayern München kommt sie mit viel Geschwindigkeit vom Flügel nach innen und trifft mit rechts entweder gefühlvoll oder mit einem Gewaltschuss. „Sie hat enorme Qualitäten, die nur wenige in der Liga haben“, sagt Zemmel. Besonders das Zusammenspiel mit der ebenfalls vor dieser Saison aus Hegnach nach Stuttgart gewechselten Maike Bendfeld funktioniere gut.
Im Spitzenspiel gegen den 1. FC Heidenheim an diesem Sonntag (14 Uhr) werden die Tore von Lisa Kröper wieder gebraucht. Die Gäste sind als Aufsteiger in dieser Saison noch ungeschlagen. Sie führen die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung auf die Verfolgerinnen des VfL Herrenberg und eben des FSV Waldebene Stuttgart-Ost an. „Das Spiel ist richtungsweisend; wir wollen uns mit einem Sieg oben in der Tabelle festsetzen“, sagt der Trainer Zemmel.
Insgesamt ist es für den Gegner erst die zweite Saison unter dem Namen 1. FC Heidenheim. Der Verein des Männer-Bundesligisten hat zur Saison 2023/24 die Mannschaft des FFV Heidenheim in der Verbandsliga übernommen. Mit der Trainerin Chantal Bachteler kamen zudem fünf Spielerinnen vom Regionalligisten SV Albertsweiler. Mit nur einer Niederlage stieg das Team direkt und unangefochten in die Oberliga auf. Dass nach dem VfB Stuttgart erneut ein Verein aus der Männer-Bundesliga mit einer möglichen Übermannschaft in den hiesigen Frauenfußball drängt, sieht Kröper sogar positiv: „Es bringt viele positive Effekte mit, wenn sich die Lizenzmannschaften im Frauenfußball engagieren. Außerdem ist es ja auch eine riesige Chance, sich mit solchen Mannschaften zu messen.“
Ihr Trainer erhofft sich zudem einen positiven Nebeneffekt im Hinblick auf die Zuschauer: „Vielleicht lockt Heidenheim ein paar mehr Fans an. Die haben sich die Mädels mit ihren Leistungen wirklich verdient. Wir spielen einen ansehnlichen Fußball“, sagt Zemmel. Und so soll es früher oder später in die Regionalliga gehen. Dorthin, wo Lisa Kröper zuletzt schon war.