Waldenbuch Die letzte Ruhe will geplant sein

Von Claudia Barner 

Eine wachsende Zahl an Leuten macht sich Gedanken über die eigene Bestattung. Und dabei ist ein eindeutiger Trend erkennbar: hin zum pflegeleichten Grab. Doch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Bei einem Termin auf dem Friedhof sind Informationen verteilt worden. Foto: dpa/Angelika Warmuth
Bei einem Termin auf dem Friedhof sind Informationen verteilt worden. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Waldenbuch - Immer mehr Menschen machen sich schon zu Lebzeiten Gedanken über ihre letzte Ruhestätte. „Das Bewusstsein für einen geplanten Abschied hat deutlich zugenommen“, stellt nicht nur der Waldenbucher Bestatter Filippo Morsello fest. Auch im Rathaus der Schönbuchstadt nimmt die Zahl der Anfragen zu. Senioren möchten sicherstellen, dass sie in der Nähe ihrer Kinder beerdigt werden. Aber auch die Laufzeiten, die Kosten und der Pflegebedarf sind ein Thema. Die Kommune hat jetzt reagiert und mit fünf zusätzlichen Grabarten ein zeitgemäßes Angebot geschaffen.

Was wollen die Menschen?

Treffpunkt Aussegnungshalle am Freitagnachmittag. Etwa 30 Personen drängen sich um den Waldenbucher Kämmerer Werner Kiedaisch, der zur Informationsveranstaltung auf den Friedhof Steinenberg eingeladen hat. „Ich bin jetzt in einem gewissen Alter und will meinen Kinder das abnehmen“, sagt eine 80-jährige Waldenbucherin.

Ihr ist wichtig, dass ihre Hinterbliebenen nicht belastet werden. Eine Urne und Minimalpflege, das sei der Plan. Darüber gesprochen hat sie mit dem Nachwuchs jedoch nicht. „Da will noch niemand ran“, berichtet sie. Eine 89-Jährige klinkt sich ins Gespräch ein: „Meinen Kindern ist es recht, wenn ich sage, was ich möchte.“ Sie habe schon mit dem Gedanken an einen Friedwald gespielt und sei erleichtert, dass es nun auch in Waldenbuch alternative Bestattungsformen gibt. Für die Seniorin ist der Pflegeaufwand ebenso ein Thema, wie für eine 74-Jährige, deren Ehe kinderlos geblieben ist. „Wir möchten nach unserem Tod niemanden belasten“, sagt sie. Deshalb findet sie es wichtig, dass man sich frühzeitig informiere.

Welche Grabarten gibt es?

Das klassische Erdgrab mit Grabstein und Bepflanzung ist immer weniger gefragt. „Wir haben das Angebot deshalb um einige Varianten erweitert, bei denen die Grabpflege mit dem Kauf des Grabes abgegolten und während der Laufzeit von der Gemeinde übernommen wird“, sagt Werner Kiedaisch. Folgende Alternativen gibt es: das Gemeinschaftsbaumgrab, bei dem bis zu 32 Urnen kreisförmig in der Wiese rund um einen Baum beigesetzt werden. Das Urnenwahl-Partnergrab, das vier Doppelgrabstellen für Urnen im Umfeld einer repräsentativen Stele aus Waldenbucher Stubensandstein bietet. Das Urnenwahl-Familienbaumgrab, das Liegemöglichkeiten für acht Personen am Familienbaum hat. Das Urnenrasengrab, das Platz für 100 Urnen an einem zentralen Gedenkstein mit Sitzmöglichkeit bietet. Und letztlich das Reihenrasengrab. Wer keine Feuerbestattung möchte, kann mit dem Sarg in einer Rasenfläche die letzte Ruhe finden.

Was kostet was?

Die Kosten orientieren sich an der Länge der Laufzeit, an der Ausstattung der Gemeinschaftsanlage und am Pflegeaufwand, den die Kommune leistet. Die günstigste Variante ist mit insgesamt 610 Euro das Urnenrasengrab mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Im Urnenwahl-Partnergrab mit Sandstein-Stele werden für die Doppelnutzung rund 5900 Euro fällig. Die Ruhefrist beträgt hier 25 Jahre. Wer sich für einen Familienbaum mit acht Urnenstellen entscheidet, muss dafür rund 12 000 Euro für die Nutzungsdauer von 25 Jahren an die Gemeinde überweisen.

Wie nachhaltig ist eine Bestattung?

In der neuen Friedhofssatzung der Kommune spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle. Erlaubt ist längst nicht mehr alles. „Es dürfen nur noch Bio-Urnen und Bio-Überurnen aus schnell vergänglichen pflanzlichen Stoffen beigesetzt werden“, erklärt der Waldenbucher Kämmerer Werner Kiedaisch.

Und auch bei Erdbestattungen ist die Auswahl künftig eingeschränkt: Denn die Särge sowie die Sargausstattung müssen aus Materialien bestehen, die während der Ruhezeit auch verrotten. Hartholz und Plastiksärge sind zum Beispiel nicht zugelassen.