Waldenbuch Die Musikschule muss sich um Kinder bemühen

Von Claudia Barner 

Auch in diesem Jahr holte sich die Musikschul-Leiterin im Gemeinderat Waldenbuch Lob für ihre Arbeit ab. Der gesellschaftliche Wandel – etwa G8 und Ganztagsschulen – zwingen die Einrichtung jedoch dazu, sich anzupassen.

Besuch im Klavierunterricht in der Musikschule Waldenbuch: Musiklehrer Chris Geisler spielt zusammen mit einer Schülerin. Foto: Claudia Barner
Besuch im Klavierunterricht in der Musikschule Waldenbuch: Musiklehrer Chris Geisler spielt zusammen mit einer Schülerin. Foto: Claudia Barner

Waldenbuch - Jedes Jahr im März berichtet die Waldenbucher Musikschul-Leiterin Susanne Götz im Gemeinderat von ihrer Arbeit. Und jedes Mal holt sie sich im Gremium ein dickes Lob ab. Das war in diesem Jahr nicht anders. „Ich wüsste nichts zu meckern“, stellte die FWV-Fraktionschefin Annette Odendahl fest. Auf den Lorbeeren ausruhen kann sich das Musikschulteam jedoch nicht. Die Struktur der Schüler verändert sich, und das Kollegium muss darauf reagieren.

Mehr Unterricht in Gruppen, Angebote, die bis in den späten Abend reichen, Lektionen am Wochenende – Susanne Götz und ihr Team passen sich den gesellschaftlichen Veränderungen an. Die Ganztagesschule und G 8 haben auch den Arbeitsplatz Musikschule verändert. „Im Bereich der Elf- bis 15-Jährigen brechen uns die Schülerzahlen weg“, berichtete Götz. 2018 ging die Zahl der Jugendlichen in dieser Altersgruppe von 112 (2017) auf 98 zurück.

Bei der Instrumentenwahl ticken die Waldenbucher anders

Auch in der Gesamtbilanz ist die Tendenz fallend. 381 Schüler waren 2017 angemeldet. In diesem Jahr besuchen 360 Personen den Gruppen- und Einzelunterricht im ehemaligen Pfarrhaus an der Kirchgasse. Die Leiterin der Musikschule hat deshalb umgesteuert. „Wir wollen die Schülerzahlen an der Basis erhöhen“, berichtete sie. Die Kooperation mit dem Kindergarten Mühlhalde im vergangenen Jahr war ein erster Schritt. Weitere sollen folgen.

Die Waldenbucher Musikschule schärft ihr Profil und hebt sich damit deutlich von den Angeboten in anderen Städten und Gemeinden ab. „Unsere Einrichtung weist einige Besonderheiten auf“, sagte Susanne Götz. Dazu gehört unter anderem der hohe Anteil von männlichen Lehrkräften im Kollegium. Der liegt in Waldenbuch bei knapp 70 Prozent. Landesweit sind es nur 48,2 Prozent.

Die Altersstruktur der Schüler weicht ebenfalls vom Durchschnitt ab. In Baden-Württemberg sind 3,7 Prozent der Schüler älter als 26 Jahre. In der Schönbuchstadt liegt Anteil der Erwachsenen im Unterricht bei 15 Prozent. Auch bei der Instrumentenwahl ticken die Musikschüler dort anders. „Die Blockflöte boomt“, berichtete Susanne Götz. Landesweit entscheidet sich nur noch jedes zehnte Kind für das Holzblasinstrument. In Waldenbuch ist die Nachfrage doppelt so hoch.

Der Kostendeckungsgrad liegt bei 65 Prozent

„Es ist schön, dass uns diese Vergleichszahlen endlich einmal vorliegen“, sagte der Bürgermeister Michael Lutz. Die Übersicht zeigte allerdings auch: In Waldenbuch werden die Eltern und Entgeltzahler stärker zur Kasse gebeten als im Landesdurchschnitt. Sie steuern 57 Prozent zu den Kosten der musikalischen Bildung bei. Landesweit liegt ihr Beitrag bei 50 Prozent.

Entsprechend geringer fällt auch die finanzielle Beteiligung der Kommune aus. In Waldenbuch liegt der Wert bei 32 Prozent. Landesweit sind es 38 Prozent. „Qualität hat ihren Preis“, stellte der Bürgermeister im Blick auf diese Zahlen fest. Der Kostendeckungsgrad der Musikschule liege momentan bei 65 Prozent. Der Zuschussbedarf habe im vergangenen Jahr 161 000 Euro betragen. Außerdem seien größere Investitionen geplant. Bis die Musikschule 2019 ihr 40-jähriges Bestehen feiert, sollen die Innenräume renoviert werden.




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