Waldenbuch verliert European Energy Award Der Status als Energiespar-Stadt findet ein jähes Ende

Von Claudia Barner 

Im Jahr 2012 durfte sich Waldenbuch als erste Kommune im Kreis Böblingen mit dem European Energy Award schmücken – jetzt fällt sie vorzeitig aus dem Programm. Was ist passiert?

Die frühere Energiemanagerin Natalia Roizenzon-Sipple hat mit ihrer vorzeitigen Kündigung im vergangenen Jahr das Ende des Awards mit eingeleitet. Foto: Claudia Barner
Die frühere Energiemanagerin Natalia Roizenzon-Sipple hat mit ihrer vorzeitigen Kündigung im vergangenen Jahr das Ende des Awards mit eingeleitet. Foto: Claudia Barner

Waldenbuch - Damit hat man in Waldenbuch nicht gerechnet: Die Bundesgeschäftsstelle des European Energy Award hat der Stadt ihren Status als Energiespar-Kommune vorzeitig aberkannt. Vom 28. Juni 2018 an darf das Logo nicht mehr verwendet werden. Das blaue Schild an der Kläranlage muss abmontiert werden und von den Briefköpfen der Behörde wird der Hinweis auf den sogenannten EEA-Status entfernt. „Die Mitteilung, dass wir sofort aus dem Programm fallen, hat uns überrascht“, sagt der Hautamtsleiter Ralph Hintersehr. Denn eigentlich ist das Zertifikat noch bis Ende 2019 gültig.

In der Bundesgeschäftsstelle des European Energy Awards macht man keine halben Sachen. Wer den Prozess nicht mit vollem Engagement unterstützt, darf sich nicht länger mit dem Energiesparsiegel schmücken. „Wenn es keinen politischen Beschluss mehr für die Fortsetzung gibt und die Förderung ausläuft, müssen die Gemeinden mit der Frist von drei Monaten kündigen. Das ist so im Vertrag festgeschrieben“, erklärt Franziska Vollrath vom EEA-Büro in Berlin. In Waldenbuch waren die entsprechenden Beschlüsse bereits im Sommer vergangenen Jahres gefallen.

Die Entscheidung sei nicht nachzuvollziehen

Nach der Kündigung von Klimaschutzmanagerin Natalia Roizenzon-Sipple zum 1. April 2017 hatten sich die Stadträte gegen eine Neubesetzung der Stelle entschieden. Man wollte die Sache auslaufen lassen, doch jetzt kommt der harte Schnitt. „Mit dem Stichtag 28. Juni werden die Zugänge geschlossen und die Stadt darf mit dem Award nicht mehr werben“, sagt Vollrath. Sie sieht in dem vorzeitigen Ende allerdings auch Vorteile für die Kommune. „Waldenbuch zahlt pro Jahr einen Programmbeitrag von rund 1000 Euro. Wenn ohnehin feststeht, dass man aussteigen will, ist es doch sinnvoll, das Geld zu sparen“, sagt sie.

Manfred Buddrus, der die Zertifizierung als Energiesparstadt gemeinsam mit dem ehemaligen städtischen Hochbauexperten Marco Noller und einer hoch motivierten Gruppe Ehrenamtlicher im Jahr 2012 auf den Weg gebracht hatte, sieht das jähe Ende weniger entspannt. „Ich denke, man hätte den Prozess mit wenig Aufwand am Leben halten können“, sagt er. Er könne die Entscheidung für den abrupten Ausstieg nicht nachvollziehen. „Ich hätte es begrüßt, wenn man das Energie-Team in die Entscheidung eingebunden hätte. Die Stadt hat mit uns erst gesprochen, als die Vereinbarung bereits gekündigt war. Das ist schade“, stellt er fest.

Die Bilanz fällt dennoch positiv aus

Sein Bedauern ist auch deshalb groß, weil die Mitglieder des Energieteams gemeinsam mit der städtischen Klimaschutzmanagerin 2016 noch einmal Gas gegeben hatten, um die Rezertifizierung für weitere drei Jahre zu erreichen. „Wir haben da viel Engagement reingesteckt und hätten gern bis zum Ende der Laufzeit von dem Programm profitiert“, sagt Buddrus.

Seine Bilanz nach sechs Jahren als Energiespar-Stadt fällt trotz der Enttäuschungen zum Ende hin positiv aus. „Der Einsatz war nicht vergebens. Wir haben einiges bewegt. Das Thema Energiesparen ist in der Bevölkerung präsenter und auch die Stadtverwaltung wurde durch den Award in dieser Richtung motiviert. Wir sind unter dem Strich deutlich besser geworden“, stellt er fest.

Damit an die Erfolge künftig auch ohne Energy Award angeknüpft werden kann, bleibt Manfred Buddrus am Ball. Das städtische Energieteam hat sich zwar mittlerweile aufgelöst. Unter dem Dach der Lokalen Agenda aber will er sich weiter engagieren. Der kurze Draht zum Gemeinderat soll bestehen bleiben. Die Stadt hat zugesagt, die Ehrenamtlichen wie bisher zu unterstützen und sie ins Gremium einzuladen, wenn entsprechende Themen auf der Tagesordnung stehen.