Waldenbuch Warum es die Ortshistorie schwer hat

Von Claudia Barner 

Eine Gruppe engagierter Bürger lässt für andere die Vergangenheit Waldenbuchs wieder aufleben. Allerdings muss sie dafür immer wieder allerlei Hürden überwinden. Hier erklären die Hobbyhistoriker, woran es hapert.

Wolfgang Härtel  hat sich mit der Historie des Gasthauses Hirsch befasst, auf seiner Internetseite kann man mit der Wirtstochter  auf Zeitreise gehen. Foto: Barner
Wolfgang Härtel hat sich mit der Historie des Gasthauses Hirsch befasst, auf seiner Internetseite kann man mit der Wirtstochter auf Zeitreise gehen. Foto: Barner

Waldenbuch - Wenn in Waldenbuch spannende Erinnerungen und historische Erkenntnisse zutage gefördert werden, ist das vor allem dem Spürsinn einzelner Bürger zu verdanken. Dazu gehört Siegfried Schulz, der die Ergebnisse seiner Recherchen regelmäßig im Jahresrückblick der Stadt veröffentlicht.

Auch Wolfgang Härtel, dessen digitales Privatarchiv mittlerweile mehr als 4000 alte Fotos und Dokumente umfasst, sucht immer wieder das Gespräch mit Zeitzeugen. Auf seiner Homepage kann man jetzt mit der Wirtstochter Gertrud „Trudl“ Braun auf Zeitreise gehen. Ihre Eltern Hilde und Emil Ottmüller haben bis 1968 das Gasthaus Hirsch betrieben.

Die beiden Hobbyhistoriker gehören zu einem kleinen Kreis von engagierten Waldenbuchern, die die Stadtgeschichte lebendig halten. Und beide stellen fest: Obwohl es in der Schönbuchstadt noch viele sichtbare Zeugen der Vergangenheit gibt, spielt das Thema keine große Rolle. Anders als in den Nachbarkommunen Steinenbronn, Schönaich, Neuenhaus oder Dettenhausen gibt es hier keinen zentralen Erlebnisraum wie ein Heimatmuseum oder eine Heimatscheuer. „Ich habe den Eindruck, Stadtgeschichte wird bei uns vor allem als lästiger Kostenfaktor wahrgenommen“, sagt Wolfgang Härtel.

Diplomatisch ausgedrückt: „Das Interesse könnte größer sein“

Auch Siegfried Schulz, der stets die Kooperation mit dem Stadtarchiv und dem städtischen Hauptamt sucht, hat mitunter Probleme, die nötige Unterstützung zu finden. Jüngstes Beispiel war der Erhalt der Grabsteine auf dem alten Friedhof. Bevor das Ratsgremiumdas Geld für die Restaurierung freigab, war viel Überzeugungsarbeit nötig. Der Pfarrer im Ruhestand formuliert es diplomatisch: „Das Interesse könnte größer sein.“

Mehr Schubkraft hatten sich die Heimatforscher von der Aufwertung des Stadtarchivs erhofft. Doch nach dem Abschied der Stadtarchivarin Christine Bührlen-Grabinger, die die Sammlung im Dachgeschoss des Alten Rathauses entstaubt und auf Vordermann gebracht hatte, war die Luft raus. Ihre Nachfolgerin Debora Fabriz hatte mit ihrer 25-Prozent-Stelle nur einen begrenzten Spielraum. „Wenn sie zusätzliche Projekte betreut hat, sind Dinge liegen geblieben“, räumt der Waldenbucher Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr ein.

Jetzt ist das Stadtarchiv wieder besetzt

Nachdem Debora Fabriz Ende Februar 2017 Waldenbuch verlassen hatte, war die Stelle anderthalb Jahre lang vakant. Seit Oktober 2018 ist das Archiv mit Daniela Tränkle wieder besetzt. Doch die muss nun erst einmal Ordnung schaffen. „Im Moment geht es darum, dass wir wieder auf den aktuellen Stand kommen“, sagt Ralph Hintersehr. Danach könne sich die Archivarin auch um stadtgeschichtliche Themen kümmern. Viel Zeit dafür bleibt nicht. Auch sie hat nur einen 25-Prozent-Vertrag. „Wir orientieren uns hier am Organisationsgutachten für die Stadt, das diesen Umfang für ausreichend hält“, erklärt Hintersehr.

Für Freunde der Ortshistorie wie Siegfried Schulz und Wolfgang Härtel bleibt die Erkenntnis: Sie müssen die Dinge weiterhin selbst in die Hand nehmen. Damit die Fäden zusammenlaufen und jeder weiß, woran der andere gerade arbeitet, haben sie sich 2017 zum informellen Kreis „Freunde der Geschichte Waldenbuchs“ zusammengeschlossen. „Die Gruppe besteht aus etwa 20 Personen. Wir treffen uns zweimal im Jahr, stellen unsere Projekte vor und unterstützen uns gegenseitig“, erzählt Siegfried Schulz.

Wie können die Waldenbucher künftig profitieren?

Dabei richten die Hobbyhistoriker den Blick nicht nur in die Vergangenheit. Gerade für die älteren Heimatfreunde stellt sich die Frage, wie die Bevölkerung von ihrem Wissen auch in Zukunft profitieren kann. „Ich würde mein Archiv gern an eine jüngere Person übergeben, die das zu schätzen weiß und weiterführt“, hofft der 75-jährige Wolfgang Härtel. Und vielleicht klappt es in den kommenden Jahren ja doch noch mit einer zentralen Anlaufstelle.

An Ideen herrscht jedenfalls kein Mangel: Die Einrichtung einer ortsgeschichtlichen Heimatstube im Landesmuseum im Waldenbucher Schloss steht auf der Wunschliste ganz oben.