Gerade in der heißen Jahreszeit kann ein Spaziergang durch den Wald ein besonderer Genuss sein – man muss sich nur für die richtige Strecke entscheiden. Reizvolle Möglichkeiten bieten sich auf Esslingens Höhen – zum Beispiel in Berkheim. Der südlichste Esslinger Stadtteil bietet im Ortskern eine gewachsene Struktur, das ausgedehnte Waldgebiet oberhalb von Sirnau lädt zum Wandern und Laufen ein. Und entlang der Strecke gibt es die eine oder andere Besonderheit zu entdecken, die die kleine Tour zusätzlich zu bereichern vermag.
Michaelskirche Wir starten an der evangelischen Michaelskirche in der Brunnenstraße, die für viele Berkheimer ein Wahrzeichen des Stadtteils ist. Das kleine Gotteshaus wurde im Jahr 1190 erstmals urkundlich erwähnt und zählt heute zu den ältesten Gotteshäusern im Land. Lange war die Michaelskirche die Hauptkirche Berkheims, ehe sie von der Osterfeldkirche abgelöst wurde. Heute finden in der Michaelskirche vorwiegend Sondergottesdienste, Trauungen, Konzerte und Beerdigungsgottesdienste statt. Von Mai bis September ist das kleine Gotteshaus tagsüber zur stillen Einkehr geöffnet.
Am Schäferplatz Von der Michaelskirche geht es über Brunnen- und Dürrbeundstraße durch den Berkheimer Ortskern zum Schäferplatz. Der Weg dorthin führt an Gebäuden älteren und neueren Datums vorbei und zeigt, wie sich der Stadtteil über die Zeit hinweg verändert hat. Am Schäferplatz biegen wir vorbei an einem reizvollen Fachwerkgebäude nach links ab. Der Weg führt ein Stück bergab, dort biegen wir nach rechts ab.
Schattige Idylle Weiter geht es über den Oberen Holzhauweg, der ein Stück weit auch Teil des Esslinger Höhenwegs ist. Anders als auf anderen Abschnitten des Höhenwegs ist der Blick Richtung Neckartal durch dichten Bewuchs verstellt – wenn uns nicht der Verkehrslärm daran erinnern würde, dass im Tal die Kreis- und die Bundesstraße vorbeiführen, könnte man glatt vergessen, dass es nur einen Steinwurf entfernt ein gut ausgelastetes Gewerbegebiet gibt. Wer nicht gerade zu den beliebtesten Spaziergänger-Zeiten auf dem Oberen Holzhauweg unterwegs ist, kann dort echte Abgeschiedenheit genießen – nur ab und an ein Radler oder vereinzelte Fußgänger kreuzen den eigenen Weg.
Brünnlein Nach einiger Zeit führen rechts des Oberen Holzhauwegs einige Stufen bergauf zu einer befestigten kleinen Quelle mit Sitzmöglichkeit, im Volksmund „Wells“ genannt. Ein Gedenkstein stellt dort die Verbindung zum Touristenverein Die Naturfreunde her. Dort kann man kurz verweilen – oder noch ein paar Schritte weiter zum Erlenbrunnen gehen, wo sich die Ortsgruppe Berkheim des Schwäbischen Albvereins mit einem Gedenkstein verewigt hat. Auch dort lädt ein Bänkchen zum Verweilen ein.
Waldeslust Weiter geht’s durch den idyllischen Wald, bis die Strecke nach einiger Zeit nach rechts in den Neckarhaldenweg abknickt, den man am besten bis zur Durbweide weitergeht, um dann die Tour nach links in den Donareichenweg fortzusetzen. Unterwegs erinnern hölzerne Hinweisschilder an die „Bäume des Jahres“ früherer Jahrzehnte.
Donareiche Eine weitere Sehenswürdigkeit wartet nach einem kurzen Fußmarsch mit der mächtigen Donareiche, die als Naturdenkmal besonders geschützt ist. Donareichen gibt es nicht nur auf Esslingens Höhen. Solche Bäume wurden einst dem germanischen Gott Donar gewidmet, um ihm Opfer darzubringen und den Gott milde zu stimmen. Anders als in anderen Städten, wo die dortige Donareiche als Zeichen der Christianisierung gefällt worden war, blieb sie in Berkheim bis heute bestehen.
Rückweg Zurück zum Startpunkt unserer kleinen Wanderung geht es dann zunächst durch die Felder wieder Richtung Osterfeldhalle und dann zur Michaelskirche. Gerade in der heißen Jahreszeit werden sich manche allerdings auch dazu entschließen, lieber den schattigen Rückweg wieder über den Oberen Holzhauweg anzutreten und nochmals die wohlige Waldeslust zu genießen.
Kurz gesagt Wer die kleine Tour von der Berkheimer Michaelskirche über Wells, Erlenbrunnen und Donareiche und wieder zurück zur Michaelskirche absolvieren möchte, sollte etwa zwei Stunden einplanen. Leicht begehbare und gut befestigte Wege machen die Strecke für alle Fitnesslevel interessant. Die Strecke ist gut sieben Kilometer lang, unterwegs ist ein Höhenunterschied von etwa 60 Metern zu meistern. Entlang der Strecke, die großenteils durch den Wald führt, gibt es immer wieder Sitzmöglichkeiten, die zum Verweilen einladen. Gerade in der heißen Jahreszeit ist der schattenreiche Weg durch den Wald besonders zu empfehlen.
Ein starker Stadtteil stellt sich vor
Profil
Berkheim liegt am südlichen Rand von Esslingen und zählt mit rund 8000 Einwohnern zu den größten Stadtteilen. Erste Spuren einer Besiedelung reichen bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurück, Überreste eines Gutshofs erinnern an die Römerzeit. 1142 vermachte Graf Berthold von Hohenberg Lindenfels den Ort dem Kloster Denkendorf. Nach der Reformation gehörte Berkheim zum württembergischen Klosteramt Denkendorf und ab 1806 zum Oberamt Köngen, das 1808 im Oberamt Esslingen aufging. Mit der Industrialisierung entwickelte sich das einstige Bauern- und Weberdorf zu einer ländlich geprägten Arbeiterwohngemeinde – zahlreiche Berkheimer fanden Arbeit in den Fabriken im Neckartal. Heute gibt es auch im Stadtteil selbst eine ganze Reihe namhafter Unternehmen – Firmen wie Festo mit dem weithin sichtbaren Büroturm genießen Weltgeltung.
Alltag
Zusammenhalt und ein reges Vereinsleben prägen das Bild eines lebendigen Stadtteils – dass etwa der Erhalt der örtlichen Bücherei-Zweigstelle bürgerschaftlichem Engagement zu danken ist, ist ebenso typisch für die Berkheimer wie das alljährliche Meisenfest, das von örtlichen Vereinen und Organisationen getragen wird und ganz im Zeichen des Miteinanders steht. Mit der Osterfeldhalle besitzt der Stadtteil einen Kristallisationspunkt, den viele als Berkheims „gute Stube“ empfinden. Nicht minder stolz ist man vor Ort, dass das Berkheimer Bad nicht nur erhalten blieb, sondern umfangreich saniert in neuem Glanz erstrahlt.