Waldfriedhof in Degerloch Ehrenfeld soll gerichtet werden

Nicht nur diese Stele auf dem Ehrenfeld  des Degerlocher Waldfriedhofs ist mit Moos überwuchert. Foto: Cedric Rehman
Nicht nur diese Stele auf dem Ehrenfeld des Degerlocher Waldfriedhofs ist mit Moos überwuchert. Foto: Cedric Rehman

Ehemalige Degerlocher Flakhelfer beklagen den Zustand der Gräber gefallener Kameraden auf dem Waldfriedhof in Degerloch. Reservisten wollen sich nun der vermoosten und verwitterten Gräber annehmen.

Aus den Stadtteilen : Cedric Rehman (cr)
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Degerloch - Schmerzhaft sei der Anblick des Grabsteins gewesen, sagt Alfons Miller. Der Pfarrer im Ruhestand aus Schramberg (Kreis Rottweil) hatte im Frühjahr das Grab eines Freundes auf dem Degerlocher Waldfriedhof besucht. Er fand den Grabstein von Moos überwuchert vor. „Die Schriftzüge waren kaum noch zu entziffern“, sagt er.

Der schlechte Zustand des Grabes hat den Theologen aufgewühlt. Denn der Freund starb einen tragischen Tod. Er war einer von 18 jungen Männern, die 1944 bei einem alliierten Luftangriff auf die Flakstellung auf den Feldern südlich von Degerloch getötet worden sind. Auch Alfons Miller hätte es damals treffen können. Denn auch er gehörte zu den Flakhelfern, die mit ihrer Kanone feindliche Flugzeuge abschießen sollten, bevor sie ihre tödliche Fracht über der Stuttgarter Innenstadt abwerfen konnten. „Ich hatte Sonderurlaub, weil meine Familie in Bad Cannstatt ausgebombt worden ist“, sagt Miller. Das Grab seines Freundes sowie der anderen jungen Männer besuchte der Pfarrer nach Kriegsende regelmäßig.

Die Erinnerungen dürfen nicht vergessen werden

Es treffe ihn, dass so wenig dafür getan werde, die Erinnerung an die Gefallenen wachzuhalten, sagt er. „Die haben in diesem furchtbaren Krieg ihr Leben lassen müssen, das dürfen wir doch nicht einfach vergessen“, sagt Alfons Miller. Er habe nach seinem Besuch auf dem Degerlocher Waldfriedhof umgehend ein Schreiben an das städtische Garten-, Friedhofs- und Forstamt aufgesetzt, um auf den Zustand der Gräber auf dem Ehrenfeld für die Kriegsgefallenen hinzuweisen. „Ich habe aber leider nie eine Antwort auf meinen Brief erhalten“, sagt der Pfarrer.

Der Leiter der städtischen Behörde, Volker Schirner, sagt, dass das Amt kein Schreiben von Alfons Miller erhalten habe. Wäre dies der Fall gewesen, hätte ein Mitarbeiter selbstverständlich geantwortet, sagt Schirner „Für uns ist die Kommunikation mit den Bürgern sehr wichtig, das nehmen wir ernst“, sagt er.

Die Pflege des Ehrenfelds auf dem Waldfriedhof sei aber eine aufwendige Aufgabe für das Amt, sagt Schirner. „Die Gräber sind aus Sand und Kalkstein, deshalb ziehen sie Feuchtigkeit an“, sagt er. Wo es aber feucht ist, gedeihe eben auch das Moos. Zudem würden die vielen Bäume auf dem Waldfriedhof das Licht abhalten und so zusätzlich das Mooswachstum beschleunigen. All diese Umstände würden eine regelmäßige Reinigung der Grabsteine nötig machen, sagt Schirner. „Wir machen das mittlerweile alle zwei Jahre und nicht mehr wie früher alle fünf Jahre“, sagt er. Die vorerst letzte Reinigung habe es erst zum vergangenen Jahreswechsel gegeben. Schwer vorstellbar ist es für ihn deshalb, dass die Gräber auf dem Ehrenfeld bereits im vergangenen Frühjahr schon wieder stark vermoost gewesen sein sollen.

Amtsleiter zeigt sich offen für das Engagement

Alfons Miller hat seine Klagen über den Zustand des Ehrenfelds bei der jüngsten Gedenkveranstaltung für die Opfer des Angriffs auf die Flakstellung beim Mahnmal im Gewerbegebiet Tränke vorgetragen. Horst Diebold vom Reservistenverband Sielmingen erklärte sich bereit, mit anderen Reservisten das Ehrenfeld zu richten. „Wir bräuchten die entsprechenden Geräte von der Stadt, dann würden wir das selbst machen“, sagt Diebold.

Amtsleiter Volker Schirner zeigt sich offen für ein solches Engagement der Reservisten. „Ich wünsche mir, dass die Reservisten auf mich zukommen“, sagt er. Bereits in der Vergangenheit habe es eine Zusammenarbeit mit Reservistenverbänden der Bundeswehr bei der Reinigung und dem Herrichten von Kriegsgräbern gegeben. Auch wenn die Reservisten ihre Arbeitszeit kostenlos zur Verfügung stellen, würde der Einsatz der Geräte gleichwohl der Stadt Kosten verursachen. Der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes schätzt sie ungefähr so hoch ein wie bei den vergangenen Reinigungsarbeiten zum Jahreswechsel, an denen sich Reservisten aus Vaihingen beteiligt haben. Damals habe die Stadt 25 000 Euro bezahlt. Horst Diebold vom Reservistenverband Sielmingen würde gern im nächsten Sommer mit den Reinigungsarbeiten beginnen. Volker Schirner sagt ihm Unterstützung zu: „Ich würde dafür sorgen, dass das funktioniert.“

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