Waldkonzept für Stuttgart Drei neue und legale Trails für die Mountainbiker

Gibt es einige: Trails und Schanzen im Kräherwald. Foto: Kathrin /Haasis
Gibt es einige: Trails und Schanzen im Kräherwald. Foto: Kathrin /Haasis

Stuttgarts Mountainbiker müssen sich weiter in Geduld üben, bis ihr Hobby nicht mehr illegal ist. Bis drei der Trails offiziell genehmigt werden, dauert es noch. Aber die Strecken decken bei Weitem nicht den Bedarf.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Stuttgart - Es klingt wie eine Erfolgsmeldung: „Für die Gruppe der Mountainbiker sind Perspektiven und konkrete Angebote greifbar“, teilt die Stadt mit. Bestehende Trails sollen legalisiert werden, wurde bei der Erarbeitung des Freizeitkonzepts für den Wald beschlossen. Die Behörden wollen gleich im Juni erstmals ein offizielles Prüfverfahren zur Legalisierung von drei Strecken starten. Aber die Fahrradfahrer müssen noch viel Ausdauer an den Tag legen, bis die Wege je nach Ergebnis der Untersuchung freigegeben werden.

Der Prozess ist zumindest in Gang gekommen

Die Erfolgsmeldung ist für Benedikt Herré vor allem eine Durchhalteparole. „Wir arbeiten daran, nur geht es nicht so schnell“, laute die Botschaft, sagt der Vorsitzende des Mountainbikevereins Stuttgart. Dass der Prozess endlich in Gang gekommen ist, begrüßt er natürlich, aber für ihn kann es erst der Anfang sein. Nach verschiedenen Schätzungen betreiben mehrere Tausend Stuttgarter das Hobby. Der im Februar 2020 gegründete Mountainbikeverein ist mit nun 1400 Mitgliedern der momentan am schnellsten wachsende Verein der Stadt. Wie populär das Radfahren im Wald ist, zeigen die Trails: Ihre Länge soll sich auf 130 Kilometer summieren. „Da sind drei Strecken nichts“, sagt Benedikt Herré.

Die Strategie hat anderswo funktioniert

Dennoch soll das geplante Streckenangebot „eine echte Alternative zu illegalen Trails darstellen und illegale Trails verhindern und ersetzen“, hofft Volker Schirner, der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. Diese Strategie hat jedenfalls in Freiburg funktioniert. Dort wurde vor Jahren damit begonnen, das Hobby zu entkriminalisieren, indem Wege freigegeben wurden und der Bau von Strecken erlaubt wurde. Das Grundproblem der Mountainbiker ist ein 1995 von der CDU/SPD-Koalition geschaffener, bundesweit einzigartiger Paragraf im Waldgesetz, der das Fahrradfahren auf Wegen, die weniger als zwei Meter breit sind, verbietet.

Nachbarkommunen sind bereits weiter

Auch in der Region wird Stuttgart von anderen Kommunen überholt. Der Woodpecker-Trail von Degerloch in den Kessel hinab war zwar eine der ersten offiziellen Downhill-Strecken in einer deutschen Stadt. Doch die Erlaubnis ist vor drei Jahren abgelaufen. Im Rems-Murr-Kreis durften Jugendliche im Plüderhauser Gemeindewald 2019 den Trail Flowing Fuxx anlegen, in Kernen ist am 16. Juni eine Strecke freigegeben worden. Am weitesten geht Fellbach: Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, elf Trails zu schaffen. „Bei unserem Legalisierungsprozess geht es Schlag auf Schlag“, freut sich die Kreisgruppe der Deutschen Initiative Mountainbike (Dimb).

Stadt gibt wohl zusätzliche Wege frei

In Stuttgart könnten möglicherweise die Trails Arizona und Indiana Jones bei Botnang etwa von 2023 an befahren werden, ohne dass ein Strafzettel droht. Im Süden soll wohl der untere Teil der Klabuster-Strecke untersucht werden. Vorher will die Stadt zusätzlich offiziell Wege für die Mountainbiker freigeben. Dabei handelt es sich um Strecken, die zwei Meter breit und damit theoretisch schon befahren werden dürfen. Der Mountainbikeverein hatte dafür verschiedene Abschnitte mit einer Länge von 48 Kilometern vorgeschlagen. „Nach einer intensiven Prüfung“ eigneten sich dafür aber nur zwei Wege mit einer Gesamtlänge rund 2,5 Kilometern, die sich im Osten befinden. „Wir haben hier das Maximum herausgeholt, was die Gesetzeslage hergibt“, erklärt Claudia Kenntner, die im Garten-, Friedhofs- und Forstamt für den Stadtwald zuständig ist.

Benedikt Herré sieht die Sache trotzdem positiv: „So weit wie jetzt waren wir noch nie und auch nicht so einig“, sagt er über die Arbeit am Freizeitkonzept für den Stuttgarter Wald. Die ersten Ergebnisse werden an diesem Samstag, 26. Juni, am Bärenschlössle und am Samstag, 3. Juli, bei den Sieben Linden, östlich von Uhlbach, jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr an Infoständen vorgestellt.




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