Über das Misstrauensvotum ging man hinweg
Im Vorfeld der Mitgliederversammlung habe es 15 Kandidaten für den bisher vierköpfigen Vorstand gegeben. Darunter auch Kandidaten, die Kritik am Kurs von Geschäftsführerin Roswitha Felber und des bisherigen Vorstands übten. Nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung hat ein Mitglied ein Misstrauensvotum gegen die Geschäftsführung beantragt. Darüber sei allerdings hinweggegangen worden. Ein Protokoll der Sitzung habe es nicht gegeben.
Die Schule hat das Mitglied, das den Misstrauensantrag gestellt hat, inzwischen aus dem Verein ausgeschlossen. Ebenso wurde Holger Schrag ausgeschlossen, der noch im Januar für den Vorstand kandidieren wollte und im Mai einen offenen Brief an den Bund der Freien Waldorfschulen verfasste, in dem er nachfragte, wie es nach dem Ausschluss der Geislinger Waldorfschule ab 1. August weitergehe. Den beiden wurde kein Grund für ihren Rauswurf genannt. Schrag beteuerte außerdem, nicht angehört worden zu sein, was vereinsrechtlich geboten wäre. Ein anderer Vater eines ehemaligen Schülers, der anonym bleiben möchte, erklärt, dass er davon ausgehe, dass die Vereinsführung „sich gezielt missliebiger Mitglieder entledigen“ wolle.
Eltern beklagen häufigen Stundenausfall
Roswitha Felber, Geschäftsführerin der Schule, will auf Nachfrage nicht auf Einzelfälle eingehen. Sie versicherte allerdings, dass die Schule Eltern niemals grundlos aus der Schulgemeinschaft ausschließe. Zu Ausschlüssen sei es nur in wenigen Fällen gekommen und dabei habe man sich stets an die Satzung des Schulvereins und das Vereinsrecht gehalten. Felber weist ebenfalls den Vorwurf zurück, dass Eltern sich nicht trauten, Kritik zu üben, weil sie Konsequenzen für ihre Kinder befürchten müssten. „Oberstes Credo“ sei es für die Schule, dass sie offen für Lob, aber auch für Kritik sei. „Hierzu dienen unter anderem offene Eltern-Lehrer-Kreise, Mitgliederversammlungen, Elternabende oder auch regelmäßige Einzelgespräche, um die sowohl von Lehrerseite wie auch von Elternseite gebeten wird“, erklärt Felber. „Ein demokratischer Umgang innerhalb und außerhalb der Schule ist für uns selbstverständlich.“ Bei dieser Zeitung meldete sich außerdem eine Mutter, deren Tochter die Schule verlassen hat. In Übereinstimmung mit anderen Gesprächspartnern sagte sie, dass an der Schule immer wieder massiv Stunden ausfielen und das Lernniveau leide. Die Kinder hätten auf anderen Schulen nun einen beträchtlichen Lernrückstand. „Wir dachten, wir tun unserem Kind etwas Gutes, wurden aber bitter enttäuscht“, sagt die Mutter. Es sei ihr wichtig, andere zu warnen, bevor sie ihr Kind anmelden.
Geschäftsführerin lobt den „guten Geist der Schule“
Felber zeichnet ein anderes Bild von ihrer Schule. Lehrerinnen und Lehrer seien „in höchstem Maße engagierte und sehr gut ausgebildete Lehrkräfte“. Die Schule verfolge unter anderem das Ziel, Kinder, die anderswo und aus ganz individuellen Gründen gescheitert seien, aufzunehmen und ihnen eine Chance auf Bildung zu geben.
„Dies gelingt oftmals schon allein aus dem Grund, weil kein Notendruck herrscht und weil diese Kinder in kleineren Klassengemeinschaften anders und eingehender gefördert werden können als in vielen anderen Schulen“, sagt Felber. „Doch auch in unserer Schule können Kinder scheitern, wenn beispielsweise das soziale Verhalten – sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von deren Eltern – nicht in Einklang zu bringen ist mit dem guten Geist der Schule, der seit vielen Jahren erfolgreich herrscht.“ Viele Schüler seien begeistert von der Wissensvermittlung, absolvierten ihre Abschlüsse mit guten Noten und seien für ihre Zukunft gut gerüstet. „Das ist, was eine gute Schule ausmacht“, sagt die Geschäftsführerin.
Ausschluss aus dem Dachverband
Zerrüttung
Die Geislinger Waldorfschule wird ab dem 1. August nicht mehr Mitglied im Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) sein, nachdem sie vom Verband als erste Schule im Land ausgeschlossen wurde. Eine Pressesprecherin des Verbandes nannte „das Vertrauensverhältnis aufgrund der mangelnden Zusammenarbeit zerrüttet“. Damit verliert die Schule das Recht an der Markennutzung von „Waldorf“ und „Rudolf Steiner“.
Konzept
Derzeit erarbeitet die bisherige Geislinger Waldorfschule ein neues Konzept dafür, wie sie sich vom kommenden Schuljahr an aufstellen wird.
Vorstand
Am Dienstag sollte der Vorstand des Vereins neu gewählt werden. Für eine Auskunft, wie die Wahl verlaufen ist, war Geschäftsführerin Roswitha Felber bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.