Waldschäden im Kreis Göppingen Einige Baumarten könnten verschwinden

Von Philipp Braitinger 

Der Klimawandel macht auch dem Wald im Landkreis Göppingen schwer zu schaffen. Der Forstamtsleiter Martin Geisel findet dazu klare Worte.

Dürreschäden in den Wäldern, wie hier bei Fichten in Rheinland-Pfalz, sind längst auch im Kreis Göppingen allgegenwärtig. Foto: dpa/Thomas Frey
Dürreschäden in den Wäldern, wie hier bei Fichten in Rheinland-Pfalz, sind längst auch im Kreis Göppingen allgegenwärtig. Foto: dpa/Thomas Frey

Kreis Göppingen - Martin Geisel hat am vergangenen Freitag vor dem Göppinger Kreistag seinen Gemütszustand offenbart: „ Wir haben eine Aktualität, die ich mir nicht wünsche“, sagte der Leiter des Kreisforstamts zu den Schäden in den Wäldern. Die Grünen-Fraktion hatte einen Bericht zum Zustand des Waldes im Stauferkreis beantragt.

Häufige Dürren im Sommer, milde Winter, Stürme und Schädlinge machen den Wäldern laut Geisel zu schaffen. „2018 war der trockenste Sommer, den man je registriert hat“, erklärte er. Was früher als Ausnahmeereignis vom Wald verkraftet wurde, kommt inzwischen in einer Häufigkeit vor, dass sich die Pflanzen kaum noch erholen könnten.

Selbst bei Buchen sind immer häufiger Dürreschäden zu beobachten

Eine Baumart, die derzeit ums Überleben kämpft, ist die Esche. Inzwischen seien zahlreiche Bäume vom sogenannten Falschen Weißen Stengelbecherchen, der ursprünglich aus Asien stammt, befallen. „Gegen den Pilz ist kein Kraut gewachsen“, bedauert der Forstamtsleiter. Der Eschenbestand werde dadurch massiv dezimiert. Die Fichte könnte noch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts aus dem Kreis verschwinden. Auch die Weißtannen seien „Sorgenkinder“, sagt Geisel. Und selbst bei der bisher als relativ klimatolerant eingestuften Buche seien immer häufiger Dürreschäden zu beobachten.

Seit dem Jahr 1988 sei die Temperatur durchschnittlich um 1,2 Grad Celsius angestiegen. Das höre sich vielleicht zunächst nach nicht allzu viel an, räumt Geisel ein. Es habe aber zur Folge, dass in Böhmenkirch auf der Alb Klimaverhältnisse entstünden, wie sie in der Zeit zuvor vielleicht im viel tiefer gelegenen Donzdorf anzutreffen gewesen seien, verdeutlichte der Fachmann.

Im Ringen mit dem Klimawandel hat das Forstamt viel zu tun

Eine heimische Baumart, die noch eine Zukunft im Landkreis haben könnte, ist die Eiche. Wegen ihrer „Dürretoleranz“ sei die Eiche eine wichtige Baumart im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung. Momentan macht die Eiche jedoch gerade einmal sechs Prozent des gesamten Baumbestandes im Kreis aus. Ihr Anteil wird aber voraussichtlich in den kommenden Jahren steigen. Allein im vergangenen Jahr seien 48 000 neue Bäume gepflanzt worden, sagt Geisel. 70 Prozent davon seien Eichen und Douglasien gewesen, also wärmetolerante Arten.

Die Maßnahmen, die das Forstamt im Ringen mit dem Klimawandel ergreift, sind umfangreich. So werden geschädigte Bäume gefällt und abtransportiert. Es werden Schädlingsfallen aufgestellt. Auch die Kalkung der Böden gegen die Versauerung, teilweise sogar mit Helikoptern aus der Luft, gehört zu den Pflegemaßnahmen des Forstamts. Außerdem sollen mehr Mischwälder gepflanzt werden.

Schadholz kann kaum oder nur zu einem geringen Preis verkauft werden

Von der Idee, fremde und dürreresistentere Arten anzupflanzen, hält Geisel dagegen wenig. Positive Erfahrungen lägen bisher lediglich für die Roteiche und für die Douglasie vor. Andere Arten anzupflanzen, deren Wirken in der hiesigen Pflanzenwelt noch unerforscht sind, hält der Forstamtsleiter für zu riskant.

Ein zusätzliches Problem der momentanen Situation ist, dass durch Stürme oder Schädlinge beschädigtes Holz kaum verkauft werden kann beziehungsweise nur zu einem geringen Preis. Für Holzhackschnitzel gibt es kaum noch Abnehmer. Hinzu komme, dass die Lagerflächen für gefälltes Holz knapp würden. „Die Abfuhr ist nicht mehr so einfach zu gewährleisten“, sagt Geisel. Inzwischen werde das Holz teilweise bereits auf Landwirtschaftsflächen gelagert.

Die Sprecher mehrerer Kreistagsfraktionen äußerten sich zum Zustand des Waldes besorgt. „Der Albtrauf wird schon im August bunt“, sagte die Martina Zeller-Mühleis (Grüne). Sie sprach sich dafür aus, weniger Monokulturen anzupflanzen und mehr naturnahen Waldbau zu betreiben. Der Kreisrat Erich Hieber von den Christdemokraten fasste den Bericht des Forstamtsleiters Geisel mit drastischen Worten zusammen: „Der Wald stirbt – langsam, aber stetig.“