Das Risiko für Waldbrände steigt in Baden-Württemberg nach Einschätzung von Fachleuten kontinuierlich an. Wo es besonders leicht zu Feuer kommt – und was gegen die Gefahr helfen kann.

Politik: Hanna Spanhel (hsp)

Die Wälder in Baden-Württemberg sind extrem trocken, auch hierzulande steigt deshalb das Waldbrandrisiko. „Teilweise sind die Waldböden tief ausgetrocknet, und die Bäume sterben ganz oder teilweise ab“, sagte Dietmar Hellmann, Vorsitzender des Landeswaldverbands Baden-Württemberg. Der menschengemachte Klimawandel sei überall im Land spürbar, die Wälder stünden in den vergangenen Jahren immer stärker unter dem Einfluss von trockenheißen Sommern, sagte der Waldexperte in Stuttgart. „Der Wald hat Fieber.“

Hellmann zufolge ist die aktuelle Dürre in Europa ein „Vorbote dessen, was uns mit dem Klimawandel noch bevorsteht“. Zusammen mit dem Naturschutzbund (Nabu) im Land forderte der Landeswaldverband deshalb zu mehr Anstrengung beim Klimaschutz auf. Auch müsse der Waldumbau in Baden-Württemberg – hin zu klimaresilienteren Mischwäldern – beschleunigt werden.

Mehr Risikomanagement gefordert

Die beiden Verbände appellieren zudem an die grün-schwarze Landesregierung, sich zur gemeinsamen Aufgabe des Waldbrandrisikomanagements zu bekennen. Im Sinne einer Querschnittsaufgabe müssten Zuständigkeiten und Verfahren zwischen den Ressorts klar geregelt werden. Feuerwehren und Forstpartien müssten zudem konsequent mit der modernsten Technik zur Waldbrandbekämpfung ausgestattet werden. Forstpersonal, besonders in der Rheinebene, brauche entsprechende Geräte und die benötigte Ausbildung, hieß es.

Das betont auch Johann Georg Goldammer, Leiter der Arbeitsgruppe Feuerökologie und des Zentrums für Globale Feuerüberwachung in Freiburg. „Training, Ausstattung und zwischenbehördliche Zusammenarbeit bei der Prävention und Bekämpfung von Waldbränden müssen nun landesweit umgesetzt werden, damit uns Bilder wie aus Berlin, Brandenburg und der Sächsischen Schweiz erspart bleiben“, sagte Goldammer. Vorbild könnte aus seiner Sicht das sogenannte Freiburger Modell sein: „In diesem seit 2012 aufgebauten Modellvorhaben erhält das Forstpersonal des städtischen Forstamts dieselbe Ausbildung wie die Feuerwehr Freiburg“, erklärte der Experte. „Außerdem verfügen die Forstleute über eine leichte Grundausrüstung für den Erstangriff eines Waldbrands.“ Das Modell habe sich bewährt.

Modellregionen reichen der SPD nicht

Vor wenigen Tagen erst hatte Landesforstminister Peter Hauk (CDU) darauf hingewiesen, dass die Rheinebene und der Norden von Baden-Württemberg besonders gefährdet seien – weshalb in der nördlichen Rheinebene zwischen Ettlingen und Heidelberg eine Modellregion für Waldbrandmanagement eingerichtet wurde. Im Staatswald würden zudem präventive Maßnahmen umgesetzt, etwa die Anlage von Löschwasserbrunnen.

Der SPD im Landtag ist das in Sachen Vorsorge vor Waldbränden zu wenig: „Das Risiko steigt nicht nur in Modellregionen stark an. Darum darf das Land auch nicht nur in Modellregionen Vorsorge treffen“, sagte der forstpolitische Sprecher der Fraktion, Jan-Peter Röderer. Und das Land dürfe nicht nur an die eigenen Wälder denken – auch Kommunen und Privatwaldbesitzer müssten unterstützt werden.

Naturschutz und Brandprävention

Maßnahmen
Wie Naturschutz und Waldbau bei der Waldbrandprävention zusammenwirken, sagte Johannes Enssle, Vorsitzender des Naturschutzbunds Baden-Württemberg: „Waldsäume und Waldinnenränder entlang von Waldwegen sind gute Beispiele für die doppelte Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen.“ Solche grünen Bänder würden – wenn gepflegt und erhalten – einen hohen Artenreichtum beherbergen. Und: „Bei Dürre und im Brandfall sind es genau diese grünen Naturschutzlinien, die eine Ausbreitung von Feuer erschweren und weitere Waldflächen und Siedlungen vor Bränden schützen!“

Naturschutz
Insgesamt sehen Fachleute eine naturnahe Waldbewirtschaftung als bedeutsam an auch im Hinblick auf die Waldbrandvorsorge. Klimaresiliente und laubbaumreiche Wälder böten hier Vorteile.