Walheim Das Imperium Romanum in der Holzkiste

Stephan Goos, Stefan Ernst und Markus Lorch (v.l.n.r.) vom Förderverein Römerhaus haben die Software entworfen. Foto: factum/Weise
Stephan Goos, Stefan Ernst und Markus Lorch (v.l.n.r.) vom Förderverein Römerhaus haben die Software entworfen. Foto: factum/Weise

Drei junge Männer wollen das Römerhaus in Walheim modernisieren und programmieren eine interaktive Software für Museumsführungen.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Walheim - Timewarp 1.0“ steht in kleinen Buchstaben im Inneren der Holzkiste. Darin: ein W-Lan-Router, eine kleinen Batterie und ein Mini-Computer. „Das ist alles noch etwas improvisiert“, gesteht Stefan Ernst, „aber wir planen eine Rucksackversion unseres mobilen W-Lans“. Bei seiner letzten Führung durch die ehemalige Römersiedlung in Walheim zog er die Kiste noch im Leierwagen hinter sich her. Die Teilnehmer folgten und blickten gebannt auf ihr Smartphone oder Tablet.

Ernst ist Mitglied im Förderverein Römerhaus in Walheim. Schon in der Schulzeit beschäftigte der 32-Jährige sich mit den Römern. Heute gibt er, manchmal auch als Zenturio verkleidet, Führungen durch Walheim und erzählt, wie vor knapp 2000 Jahren die Römer hier gehaust haben.

Ein Vasen-Puzzle im Smartphone-Browser

„Früher musste ich immer Fotos hochhalten und sie so lange herumzeigen, bis jeder sie gesehen hat“, sagt Ernst. Mit der neuen Software könne jeder, der sich mit seinem Smartphone in das W-Lan einwählt, in seinem Browser die neuen digitalen Inhalte sehen, beispielsweise Bilder, Animationen, aber auch Interaktives wie ein Vasen-Puzzle oder Quizfragen.

Die Software „Smart History“ löst für Ernst damit ein Problem, das er bei Führungen immer schon hatte: „Wir stehen mitten in einer römischen Siedlung, nur sieht man im Ort davon nichts“, sagt er. Jetzt könne er den Teilnehmern mit Hilfe einer Animation zeigen, dass unter der grünen Wiese, auf der sie gerade stehen, ein römisches Bad verborgen ist. Was die Teilnehmer zu sehen bekommen, bestimmt Ernst mit seinem eigenen Tablet. So lassen sich auch unterschiedliche Stationen je nach Führungsschwerpunkt, beispielsweise Militär oder Handel, programmieren. Ein weiterer Vorteil: „Wir brauchen keine Technik, jeder bringt sein eigenes Gerät mit“, erzählt Ernst.

Eine Führung soll auch Gruppenerlebnis sein

Die Grundidee hatte Ernst im Herbst 2013. Bei der Umsetzung und Gestaltung halfen ihm dann zwei weitere Mitglieder des Fördervereins, die Fachinformatiker Stephan Goos und Markus Lorch. „Andere Museums-Apps funktionieren auch ohne eine geführte Tour. Das wollten wir aber nicht“, sagt Goos. Audioguides auch nicht. Eine Führung des Fördervereins Römerhaus solle eben auch ein Gruppenerlebnis sein. Immerhin seien Kinder und Schulklassen die Hauptzielgruppe. Knapp ein Dreivierteljahr trafen die drei Ehrenamtlichen sich immer wieder abends nach ihrer Arbeit, um die Software zu entwickeln.

Im Januar 2015 wurden sie dann für ihre Mühen belohnt: Ihr Förderverein erhielt den Förderpreis des Archäologiepreises Baden-Württemberg. Das Preisgeld von 2500 Euro wollen die Mitglieder investieren, um ihr Museum zu erneuern und die Sammlung neu zu ordnen. „Nur ein Fundstück plus Text – das geht heute nicht mehr“, findet Ernst. Der Trend in Museen gehe weg von Texttafeln hin zu multimedialen Inhalten, sagt er und schwärmt von QR-Codes an den Wänden, mit denen die Besucher Inhalte auf ihrem Smartphone freischalten können.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg – den die Software überbrücken soll. Ein eingebautes Quiz sorgt bei den Teilnehmern für erhöhte Aufmerksamkeit. „Der Gewinner bekommt ein antikes Tablet“, sagt Ernst. Er meint eine römische Wachstafel.




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