Walheim und der Klärschlamm Streit um Schadstoffe – EnBW lässt alte Kohle mit Lastwagen wegkarren

Proteste hagelte es, als der RP-Referatsleiter Heiner Pfrommer (rechts) im Mai in den Walheimer Gemeinderat kam. Foto: Oliver von Schaewen

Die EnBW schafft in Walheim (Kreis Ludwigsburg) Fakten. Sie lässt rund 7000 Tonnen Kohle wegfahren, um die Anlage für Klärschlammverbrennung bauen zu können.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Mit dem Abtransport der letzten Kohlevorräte geht im Juni endgültig die jahrzehntelange Stromerzeugung aus Kohle am EnBW-Kraftwerksstandort Walheim zu Ende. Die Betriebsgenehmigung war bereits zum 1. April endgültig erloschen. Das Kraftwerk muss auch nicht mehr wie zuletzt als Netzreserve zur Verfügung stehen. Deshalb kann nun auch das Kohlelager aufgelöst werden, teilt das Karlsruher Unternehmen mit.

 

Der EnBW-Standort Walheim soll zukünftig eine zentrale Rolle bei der Klärschlammentsorgung übernehmen. Dazu müsste aber das Regierungspräsidium Stuttgart die Genehmigung erteilen. Eine Klärschlammverbrennung ist höchst umstritten. Die Kommunen Walheim, Gemmrigheim, Besigheim und Kirchheim wehren sich auch juristisch dagegen. Die Initiative Bürger im Neckartal hat mehr als 3500 Unterschriften gegen die Verbrennung von jährlich 180 000 Tonnen Klärschlamm aus den Regionen Franken-Heilbronn und Ostwürttemberg gesammelt.

Die Kohle muss weg, damit die Verbrennungsanlage für Klärschlamm gebaut werden kann. Foto: Werner Kuhnle

Die EnBW informiert in ihrem Pressetext über den Stand der Baumaßnahmen im bereits genehmigten und gerichtlich bestätigten vorzeitigen Beginn. Die Pfahlgründung für die neuen Gebäude sei abgeschlossen. Der Abtransport von rund 7000 Tonnen Altkohle mit Lastwagen zum Kraftwerk sei in den Pfingstferien geplant: vom 10. bis 27. Juni. Die EnBW spricht von einem „kleineren Kraftakt“.

Der Abtransport der Kohle geht von 7 bis 17 Uhr über die Bühne – mit drei bis vier Fahrten pro Stunde in der verkehrsärmeren Zeit und mit dem Ziel, alles so schnell wie möglich abzuschließen, erklärt die EnBW. Der Transport mit Lastwagen sei notwendig, „weil bauliche und technische Restriktionen am Standort andere Transportwege ausschließen“. Ein Abtransport per Schiff hätte zudem deutlich höhere Staub- und Lärmemissionen zur Folge.

EnBW sieht bei Schadstoffen„unauffällige Ergebnisse“

Die von den Gegnern der Klärschlammverbrennung geäußerten Bedenken wegen möglicher Schadstoffe im Boden sind laut dem Karlsruher Stromkonzern nicht bestätigt worden. Bodenproben zeigten „unauffällige Ergebnisse“. Dies hätten Mischproben aus acht Schürfstellen sowie an dem ausgebohrten Erdreich der Pfahlgründungen ergeben. Die Proben seien auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), Schwermetalle sowie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht wurden.

Die EnBW sieht sich bestätigt. Der Projektverantwortliche für die Errichtung des Klärschlammheizkraftwerks in Walheim, Nils Beeckmann, erklärt dazu: „Die Analysen der Bodenproben zeigen, dass wir die geplante Bautätigkeit ohne Einschränkungen durchführen und die ehemalige Kohlehalde wie geplant als Baugrund nutzen können.“ Er hoffe auf eine baldige Entscheidung des Regierungspräsidiums Stuttgart zur ersten Teilgenehmigung.

Die Initiative Bürger im Neckartal wirft der EnBW hingegen Schönfärberei vor. Der Abtransport der Kohle durch Lastwagen zeige, dass die Bahn- und Schiffsanbindung des Betriebsgeländes zwar offiziell mitentscheidend für die Standortwahl der geplanten Anlage in Walheim war – letztlich habe das Unternehmen sein Vorhaben aber irreführend und falsch vermarktet.

Die Lastwagenfahrten mit dem Klärschlamm und dessen Brüdenwasser hatten die Gegner stets thematisiert – und lokale Lösungen für die Klärschlammtrocknung gefordert. Allerdings würde der Aufbau solcher dezentraler Anlagen viele Kommunen vor finanzielle und zeitliche Probleme stellen.

Streit um die Ewigkeitschemikalien PFAS

Die Bürgerinitiative hatte vor einigen Wochen einen Brief an die grüne Umweltministerin des Landes, Thekla Walker, geschrieben. Die EnBW werde in der Walheimer Anlage die Ewigkeitschemikalien PFAS freisetzen. Ob der Verbrennungsvorgang bei 850 Grad für eine Zersetzung reiche, sei nicht hinreichend erforscht. „Die nicht verbrannten PFAS und Zerfallsprodukte werden an die Umwelt abgegeben.“

Die EnBW widersprach dieser Darstellung und nannte als Beleg eine aktuelle Veröffentlichung des Karlsruher Instituts für Technologie. Demnach werde der Abbau von Fluorpolymere bei zwei Sekunden Verweilzeit in einem 860 Grad heißen Ofen zu mehr als 99,99 Prozent erreicht. Obwohl es keine Grenzwerte gebe, werde die EnBW im Betrieb der Anlage Proben nehmen, um etwaige Belastungen zu dokumentieren, versichert EnBW-Sprecher Christopher Engelmann. Der Konzern rechne aber aufgrund der Karlsruher Studie nicht mit PFAS-Lasten. Generell liege die Verantwortung auf der Herstellerseite, wenn schadstoffhaltige Produkte erzeugt würden.

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