Walheim und Löchgau Übernachten im Wohnmobil vor dem Haus - Flutopfer fühlen sich im Stich gelassen

Dieter Hilligardt auf seinem Betriebshof in Walheim. Er schätzt den Schaden durch die Flut auf mehr als 100 000 Euro. Foto: Emanuel Hege

Einen Monat nach dem Hochwasser in Walheim und Löchgau räumen die Menschen immer noch auf. In beiden Orten sind Bürger verärgert: Ihre Gemeinden schicken keine Hilfe und auch im Hochwasserschutz scheint nichts voranzugehen.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Auch einen Monat nach dem Hochwasser liegen auf dem Hof von Dieter Hilligardt noch Sandsäcke. „Ich bin vorsichtig geworden“, sagt der Geschäftsführer einer Schlosserei in Walheim. Vor einem Monat wurde sein Keller geflutet und die Heizanlage zerstört – seine Lagerhallen und dutzende Geräte standen unter Wasser. „Ich weiß nicht, wie viele Maschinen defekt sind. Ich bin immer noch damit beschäftigt, alles zu testen“, sagt Hilligardt.

 

Er schätzt, dass ihn das Hochwasser über 100 000 Euro kosten wird. Nach Meinung des Handwerkers sei der Hochwasserschutz in Walheim vernachlässigt worden und selbst jetzt fehle ein Zeichen aus dem Rathaus, dass an dem Problem gearbeitet wird. „Gegen Naturkatastrophen kann man nicht viel machen – aber ich glaube schon, dass die Schäden nicht so hoch hätten ausfallen müssen.“

Das Wasser flutet Gärten, Keller und Wohnungen

Vor vier Wochen schwollen nach einem Starkregen der Baumbach in Walheim und der Steinbach in Löchgau in kürzester Zeit in einem bisher unbekannten Ausmaß an. Das Wasser flutete Gärten, Keller und Wohnungen – in Walheim wurde sogar ein Auto weggespült. Im Gespräch mit Betroffenen zeigt sich, dass sie auch einen Monat nach der Naturkatastrophe noch mit den Folgen zu kämpfen haben. Sie hätten sich mehr Unterstützung ihrer Gemeinden gewünscht und hoffen darauf, dass jetzt ernsthaft am Hochwasserschutz gearbeitet wird.

2. Juni 2024: Der Baumbach flutet Walheim, unter anderem Dieter Hilligardts Betriebshof (unten, Mitte). /Feuerwehr Walheim

Von Hilligardts Lagerhalle sind es nur 50 Meter den Baumbach stromaufwärts zum Haus von Dominique Schallschmidt. Vor einem Monat drückte das Wasser in ihren Keller, in einigen Räumen stand es bis unter die Decke, in anderen hüfthoch. Ihre Waschmaschine, der Trockner, die Werkstatt und die Sauna wurden an diesem Sonntagnachmittag zerstört, berichtet die Mutter. Nicht nur der materielle Schaden habe Spuren hinterlassen, auch die körperliche Anstrengung der tagelangen Aufräumaktion und die psychische Belastung seien extrem gewesen.

Auch Schallschmidt würde sich eine aktive Kommunikation der Gemeinde wünschen, „dass alles dafür getan wird, dass so etwas nicht noch einmal passiert“. Aber auch in ganz praktischen Dingen hatte sie auf mehr Unterstützung gehofft: „Die Gemeinde hätte zum Beispiel eine Mulde bereitstellen können, um den Müll zu sammeln.“ Eine Nachbarin von der anderen Uferseite sieht das ähnlich. „Man fühlt sich schon ein bisschen alleingelassen“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie kriege nichts davon mit, ob und wie der Hochwasserschutz verbessert werden soll. „Wir überlegen jetzt vor allem, wie wir uns selbst schützen können. Wie, wissen wir aber auch noch nicht.“

Das Wasser schoss durch die Straßen in Walheim. Foto: Dieter Hilligardt

Ortswechsel nach Löchgau. Hier haben einige Betroffene ihrem Ärger bereits öffentlich Luft gemacht. In einer Gemeinderatssitzung warfen Anwohner am Steinbach der Gemeinde Untätigkeit vor. In teils emotionalen Wortbeiträgen schilderten die Menschen ihre Situation und forderten mehr Solidarität. Eine dieser Anwohnerinnen spricht mit unserer Zeitung, will jedoch nicht namentlich genannt werden. Sie habe nie gedacht, dass der Steinbach so schnell ansteigen könnte, seitdem blicke sie immer mit Sorge in den Garten, wenn es wieder regnet.

Am Tag nach der Flut: Die Walheimer räumen auf, vor den Türen stapeln sich zerstörte Möbel und Geräte Foto: Emanuel Hege

Am 2. Juni seien ihre Kellerräume und die Zimmer ihrer zwei jugendlichen Kinder geflutet worden. Seitdem schnurrt ein Bautrockner ununterbrochen in den Kinderzimmern, um diese trocken zu bekommen. Der Sohn musste ins Gästezimmer umziehen, die Tochter schläft in einem Wohnmobil vor dem Haus. „Wir fühlen uns im Stich gelassen. Wir hatten den Eindruck, dass sich beim Hochwasserschutz gar nichts tut und dass wir auf uns aufmerksam machen müssen“, erklärt die Anwohnerin die Aktion bei der Gemeinderatssitzung.

Auch ein Mann von der anderen Seite des Steinbachs vermisst ein Zeichen aus dem Rathaus. „Die Nachbarschaft hat sich gegenseitig geholfen, von der Gemeinde habe ich hier noch niemanden gesehen“, kritisiert der Mann, der sein Haus erst zwei Monate vor der Flut gekauft hatte und jetzt laut eigener Aussage von morgens bis abends mit dem Wiederaufbau beschäftigt ist. Die Meinungen am Steinbach gehen jedoch auseinander: Andere Anwohner zeigen sich gelassen und sagen, dass sie nicht das Gefühl haben, von der Gemeinde im Stich gelassen zu werden.

Löchgau und Walheim erklären ihre Sicht der Dinge

„Der Sonntag wirkt natürlich immer noch nach und bewegt mich, insbesondere mit Blick auf die betroffenen Menschen, sehr“, sagt Löchgaus Bürgermeister Robert Feil. Er bedauere, dass sich einige Bürger nicht gesehen fühlen, er sei jedoch in den vergangenen Wochen bereits mehrfach mit Feuerwehr und Stadtwerken am Steinbach gewesen und habe mit Betroffenen gesprochen. Zudem habe die Gemeinde die Erkenntnisse des Starkregenereignisses bereits aufgearbeitet: „Einige Maßnahmen werden wir kurzfristig umsetzen können, bei anderen müssen wir zunächst in die Planung gehen.“

Die Gemeinde Walheim scheint noch nicht ganz so weit zu sein. Der stellvertretende Bürgermeister Wilhelm Weiss verweist auf „zahlreiche Gespräche mit den Betroffenen“, bei denen darauf hingewiesen wurde, die „Schäden und Entsorgungskosten bei der Versicherung zu melden“. Für einen besseren Hochwasserschutz habe es in dieser Woche eine Gewässerschau gegeben. Über Maßnahmen müsse beraten werden, wenn die Ergebnisse vorliegen.

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