Walter Kadnar, Chef von Ikea Deutschland, will eines der größten E-Ladesäulennetze im Einzelhandel schaffen. Foto: Inter Ikea Systems B.V.
Für Ikea ist Deutschland der wichtigste Markt. Künftig setzt der Möbelkonzern verstärkt auf Innenstädte statt auf die grüne Wiese. Was hinter den Plänen von Ikea-Deutschland-Chef Walter Kadnar steckt und warum er bei 1000 neuen E-Ladesäulen ausgebremst wird.
Ikea zieht es mit Planungsstudios verstärkt in die Innenstädte. „Wir wollen die Menschen dort treffen, wo sie wohnen, leben und arbeiten – mit kleineren Formaten, die den Fokus auf individuelle Planung und Beratung setzen“, sagt Walter Kadnar, Geschäftsführer von Ikea Deutschland.
Seit November 2024 ist der schwedische Möbelkonzern auch mit einem Planungsstudio in der Stuttgarter Innenstadt vertreten, deutschlandweit sind es ein Dutzend – darunter beispielsweise Berlin, Ravensburg, München oder Köln. „Weitere Standorte werden folgen, wo immer wir Potenzial identifizieren“, so Kadnar. An den deutlich größeren Einrichtungshäusern auf der grünen Wiese – allein in Deutschland sind es 54 – hält Ikea fest. Man prüfe kontinuierlich potenzielle Möglichkeiten, aber „es gibt kaum noch weiße Flecken auf der Landkarte“, sagt Kadnar.
Erst im November 2024 hat Ikea ein Planungsstudio in Stuttgart im Gerber eröffnet. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone
Die Planungen für den Neubau des Einrichtungshauses in Eching bei München – dem ersten Ikea-Standort in Deutschland – wurden wieder aufgenommen, auch in Essen ist der Neubau eines Einrichtungshauses geplant. „Unser Fokus liegt aber verstärkt auf Innenstädten, um noch näher an unsere Kunden und Kundinnen heranzurücken“, sagt Kadnar.
Der gebürtige Österreicher ist seit mehr als 30 Jahren bei Ikea und seit Oktober 2022 Geschäftsführer von Ikea Deutschland mit mehr als 20 000 Beschäftigten. „Das Konzept unserer großen Einrichtungshäuser mit Selbstabholung hat uns erfolgreich gemacht, und wir glauben fest an den stationären Einzelhandel“, sagt er. Doch die Welt und die Bedürfnisse der Kunden hätten sich rasant verändert, Kaufentscheidungen würden kanalübergreifend getroffen. Digitale und stationäre Formate ergänzten sich.
11,6 Prozent Marktanteil im Einrichtungsmarkt
Mittlerweile macht der Onlineanteil am Gesamtumsatz von Ikea Deutschland gut 25 Prozent aus. Das entspricht mehr als 1,4 Milliarden Euro. Mit einem Gesamtumsatz von 6,16 Milliarden Euro in Deutschland, wo das schwedische Möbelhaus seit 50 Jahren präsent ist, habe man 2024 das zweitstärkste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt. „Wir freuen uns auch sehr, dass wir unseren Marktanteil im Geschäftsjahr 2024 trotz der herausfordernden Markt- und Wirtschaftslage weiter ausbauen konnten, sagt Kadnar. Nach eigenen Angaben hat Ikea im deutschen Einrichtungsmarkt einen Marktanteil von 11,6 Prozent, nach 11 Prozent 2023 und 9,7 Prozent 2022.
Auch wenn man nicht gegen die aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten und die geringere Konsumneigung der Verbraucher immun sei, profitiere man doch vom „konsequenten Streben nach dem besten Angebot zum günstigsten Preis“, sagt Kadnar und zitiert gleich noch den Unternehmensgründer: „Ikea ist der Partner für Menschen mit großen Träumen und kleinem Geldbeutel, wie schon unser Gründer Ingvar Kamprad gesagt hat.“
Fast 80 Millionen Besucher
Deutschland ist für den schwedischen Möbelriesen der größte Markt, gefolgt von den USA, Frankreich und Großbritannien. Die Ikea-Häuser hierzulande zählten im vergangenen Jahr 79,5 Millionen Besucher. Deutschland bleibe auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein starker und vielversprechender Markt mit hoher Innovationskraft, gibt sich Kadnar zuversichtlich. Die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung werde die deutsche Wirtschaft langfristig stärken.
Allerdings sieht der Ikea-Manager in einigen Bereichen auch erheblichen Nachholbedarf. Beispiel Ladeinfrastruktur. Ikea sei bereit in den Ausbau zu investieren, sagt er. Bei den Plänen, über 1000 E-Ladesäulen an Ikea-Standorten einzurichten, wurde das Unternehmen aber von „infrastrukturellen Herausforderungen“ ausgebremst.
„Fehlende Netzkapazitäten und langwierige Genehmigungsprozesse“
„Besonders die fehlenden Netzkapazitäten und langwierige Genehmigungsprozesse machen es schwierig, unsere ursprüngliche Zielmarke bis 2028 zu erreichen“, sagt Kadnar. Trotzdem setze man alles daran, die Ladepunkte so schnell wie möglich zu realisieren und werde dort, wo es technisch machbar sei, zügig ausbauen. „Wir wollen eines der größten E-Ladesäulennetze im Einzelhandel schaffen“, so der Ikea-Manager
Auch beim Thema Nachhaltigkeit macht Ikea Tempo. Das dürfe kein Luxus sein, sondern müsse für alle bezahlbar sein – unabhängig vom Einkommen, findet Kadnar. Deshalb setze man auf Innovationen, um Materialien und Produktionsprozesse zu entwickeln, die Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit böten.
Ziel sei, Ikea zu einem „vollständig kreislauforientierten Unternehmen“ zu entwickeln. Schon heute stammten 56 Prozent der Materialien aus erneuerbaren und 17 Prozent aus recycelten Quellen. Mit dem „Zweite-Chance-Markt“ und dem Rückkauf-Service „Zweite Chance“ habe man allein 2024 rund 18 000 gebrauchte Produkte wieder in den Kreislauf gebracht, so Kadnar.
Ebenfalls ein Ziel von Ikea Deutschland ist laut Kadnar, die CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren und die Netto-Emissionen bis 2050 auf Null zu senken, ohne auf CO2-Kompensation angewiesen zu sein. Man fokussiere sich auch auf Energieeffizienz. „ Seit 2020 produzieren wir in Deutschland mehr erneuerbare Energie als wir verbrauchen“, so Kadnar.
Von Billy, Köttbullar und Knut
Ikea-Prinzip 1974 eröffnete Ikea in Deutschland sein erstes Einrichtungshaus. Beim Möbel-Zusammenbau muss der Kunde selbst Hand anlegen. Gegründet wurde das Unternehmen 1943 von Ingvar Kamprad in dem Waldstädtchen Älmhult in Schweden.
Klassiker Dazu zählen unter anderem die Frakta Tasche, die Regale Billy und Kallay, aber auch beispielsweise der Kleiderschrank Pax oder das Sofa Klippan. Beim Essen sind es die ikonischen Köttbullar. Weltweit verkauft Ikea jedes Jahr rund 1,4 Milliarden Köttbullar, allein in Deutschland haben 2023 rund sieben Millionen Kunden das Hauptgericht mit den Bällchen geordert.
Marketing Ikea versucht mit geschicktem Marketing schwedischen Lifestyle auf Deutschland zu übertragen – und das gelingt meist. Wer wüsste schon, dass die Schweden den Abschied von Weihnachten feiern, indem sie den Tannenbaum auf die Straße werfen – und das ganze Knut heißt.