Walter Rogg zur Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart „Ich bin um diese Aufgabe zu beneiden“

Walter Rogg leitet seit ihrer Gründung vor 25 Jahren die Wirtschaftsförderungs-GmbH der Region Stuttgart. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Was macht eigentlich ein Wirtschaftsförderer? Walter Rogg, der seit ihrer Gründung vor 25 Jahren Chef der Wirtschaftsförderun gs-GmbH der Region Stuttgart ist, gibt Antworten.

Stuttgart - Es ist ein Jubiläum, das in den turbulenten Corona-Zeiten fast in Vergessenheit geriet. Seit gut 25 Jahren gibt es die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH und seitdem steht Walter Rogg als Geschäftsführer an der Spitze. Im Interview erklärt er, warum Wirtschaftsförderung auch in erfolgreichen Zeiten nötig ist und warum er um diese Ausgabe selbst in dem nun schwieriger werdenden Umfeld zu beneiden ist.

 

Herr Rogg, vor mehr als 25 Jahren, am 18. August 1995, ist die Wirtschaftsfördergesellschaft der Region gegründet worden – mit Ihnen als Gründungsgeschäftsführer. Was war der Grund, zur WRS zu gehen?

Ich war nach der Wende Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Und die Kollegen dort haben gesagt, was willst du denn in Baden-Württemberg fördern, da gibt es ja schon alles. Aber ich habe mich als gebürtiger Ravensburger gefreut, wieder in der Heimat arbeiten zu können.

Damals gab es hier aber die Krise im Auto- und Maschinenbau.

Genauso war es. Diese Krise hat damals dazu geführt, dass der Verband Region Stuttgart mit der Regionalversammlung gegründet worden ist. Die Überlegung, dass nicht jede Kommune in der Region für sich ihren kleinen Vorteil suchen soll, und das mitunter auf Kosten des Nachbarn, sondern dass gemeinsame Anstrengungen große Vorteile für alle bringen, die hat mich von Anfang an überzeugt und fasziniert. Sie leitet unsere Arbeit bis heute.

Was macht eigentlich eine Wirtschaftsfördergesellschaft konkret?

Einfach gesagt sind wir eine Beratungs- und Projektgesellschaft mit politischer Legitimation durch die direkt gewählte Regionalversammlung. Wir sind Möglichmacher und Impulsgeber.

Und was heißt das konkret?

Wir haben schon früh mit der Region Neckar-Alb die Bio-Regio Stern gegründet. Wie wichtig das war, sieht man heute in der Corona-Pandemie. Wir sind eine von fünf Modellregionen für Unternehmensgründungen, wir machen den Auftritt der Region auf der Immobilienmesse Expo Real, wir machen Standortkommunikation und betreiben ein Flächeninformationssystem. Wir haben uns schon früh den Themen wie Elektromobilität und Wasserstoff gewidmet – und ich behaupte, dass ohne die WRS die Internationale Bauausstellung, die Gigabit-Region, aber auch das Bosch-Fertigungszentrum in Malmsheim so nicht entstanden wären.

Was ist das wichtiges Instrument für einen Wirtschaftsförderer?

Das ist schwer zu sagen. Aber sicherlich haben wir mit den seit 2000 gegründeten Kompetenzzentren wesentliche Impulse gesetzt, damit Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammenarbeiten. Da hat die WRS viele Anschubhilfen gegeben, jetzt tragen sich die zwölf Zentren überwiegend selbst.

Es gibt auch Kritik, dass die großen Firmen die Wirtschaftsförderung eigentlich gar nicht brauchen würden?

Das ist falsch. Fast alle großen Firmen sind mit ihrem Führungspersonal in unseren Netzwerken vertreten. Sie wissen, auch sie brauchen die regionale Wirtschaftsförderung.

Was muss ein guter Wirtschaftsförderer können?

Sie benötigen Neugier und ein Gespür für wichtige Themen und technologische Trends. Und Sie müssen nachhaltig an den Themen dranbleiben.

Gibt es besondere Anforderungen in der Region Stuttgart?

Sie müssen sich Vertrauen erarbeiten, das der kommunalen Partner und der Regionalversammlung. Und ich sage mal, dass meinem Team und mir das gelungen ist.

Was erwartet uns in der Zukunft?

Wir müssen uns darauf einstellen, dass das Auto nicht mehr das Produkt ist, wovon wir so leben können wie heute. Deshalb kümmern wir uns intensiv um Zukunftsfelder wie Wasserstoff, Energieeffizienz, Digitalisierung, nachhaltiges Bauen, Bioökonomie, Gesundheits- und Medizintechnik. Und wir haben das ehrgeizige Ziel, eines der Zentren für Künstliche Intelligenz zu werden.

Wie weit sind Sie da?

Wir haben 25 Firmen, Universitäten, das Max-Planck-Institut und die Region Neckar-Alb mit Tübingen und Reutlingen und wahrscheinlich auch Karlsruhe an Bord. Grundsätzlich gilt: Wir müssen diesen Wandel gestalten wollen, von selber geht das nicht.

Was ist dafür nötig?

Natürlich brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte über Vor- und Nachteile, aber wir müssen die Notwendigkeit des Wandels akzeptieren. Dazu gehört: Innovation braucht Raum, also auch neue Flächen. Wenn uns das nicht gelingt, dann ist die Region bald ein Technikmuseum.

Sie malen schwarz?

Nein, das ist kein Spaß. Wir müssen in der Region stärker und zielgerichteter zusammenarbeiten. Nur dann gibt es günstige Ergebnisse.

Das klingt pessimistisch?

Nein, ich bin optimistisch. Wir können das schaffen. Das gilt übrigens von Anfang an. Als ich 1995 anfing, hat Ihr Kollege Thomas Borgmann geschrieben, ich sei um die Aufgabe in dem schwierigen Umfeld von Region, Kreisen und Kommunen nicht zu beneiden . . .

. . . so war es ja auch . . .

Ich kann nach 25 Jahren als Geschäftsführer sagen: Ich bin um diese Aufgabe zu beneiden.

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