Walter Sittler und Mariele Millowitsch Ist es schon Glück, wenn es einfach nur hält?

Von Nadine Nowara 

Im Theaterhaus hat das „Nikola“-Traumpaar Walter Sittler und Mariele Millowitsch wieder zusammengefunden – passenderweise bei einer szenischen Lesung des Romans „Alte Liebe“.

So kennt man Walter Sittler und Mariele Millowitsch als Paar aus der RTL-Serie „Nikola“ Foto: obs
So kennt man Walter Sittler und Mariele Millowitsch als Paar aus der RTL-Serie „Nikola“ Foto: obs

Stuttgart - Manchmal braucht es keine Szene, um ein Lebensgefühl spürbar zu machen. In einer szenischen Lesung von Elke Heidenreichs und Bernd Schroeders Roman „Alte Liebe“ zeigten Mariele Millowitsch und Walter Sittler am Dienstagabend im Theaterhaus Stuttgart, wie authentisch sie die Sorgen und Nöte eines miteinander älter gewordenen Paares darstellen können. Dass die Chemie zwischen Millowitsch und Sittler stimmt, weiß man spätestens seit der RTL-Serie „Nikola“, und auch jetzt macht es wieder richtig Spaß, den beiden dabei zuzusehen, wie sie sich über Kleinigkeiten in die Haare geraten. Der Zank bleibt aber nicht lange an der Oberfläche: Alltägliche Dialoge wechseln sich ab mit tiefschürfenden Innensichten.

Harry und Lore sind nicht immer einer Meinung. Lore hat Hunger nach Schönheit, Literatur und Musik, Harry zieht den Schweinebraten mit Bier vor. Zumindest in einer Sache aber sind sich die beiden einig: Die nunmehr dritte Hochzeit ihrer Tochter mit einem steinreichen Industriellensohn ist eine Fehlentscheidung. „Es geht mir am Arsch vorbei“, sagt Harry.

Ganz plötzlich rutscht das Gespräch ins Existenzielle. Eine alte Affäre von Harry ist gestorben. Eine Frage steht im Raum: „Wer stirbt von uns zuerst?“ Lore und Harry ziehen Bilanz – über vergangene Entscheidungen und Ansprüche an das Leben und fragen sich, wie ihre verbleibende Zeit miteinander aussehen soll. Das beklemmt und tut auch weh. Zwischendrin schleicht sich jedoch immer eine Prise Humors hindurch. „Ich glaube, ich liebe dich noch“, sagt Lore. Harrys Antwort: „Sag Bescheid, wenn du es weißt“.

„Ist es schon Glück, wenn es einfach nur hält?“, fragt sich Lore. Und wieder ein Satz aus Heidenreichs und Schroeders Roman, der alleine für sich stehen kann: „Seit meine Mutter tot ist, kennt mich niemand mehr, wie ich als kleines Kind war.“ In knapp anderthalb Stunden bringen Mariele Millowitsch und Walter Sittler das Lebensgefühl eines Paares im Lebensherbst auf den Punkt. Und erzählen vom Komischen und Tragischen des Alltäglichen mit vielen Zwischentönen – vom echten Leben eben. Absolut sehenswert.