Walz-Areal in Stuttgart-Weilimdorf Künstler wollen Walz-Areal wiederbeleben

Andreas Zeger, Laurens Rinke, Jana Raschke und Nico Wilczek (v.l.)  vom Vorstand des Vereins Chloroplast. Foto: Martin Braun
Andreas Zeger, Laurens Rinke, Jana Raschke und Nico Wilczek (v.l.) vom Vorstand des Vereins Chloroplast. Foto: Martin Braun

Gärtnern, malen, Theater spielen – der Verein Chloroplast möchte das derzeit brach liegende Walz-Areal in Stuttgart-Weilimdorf wiederbeleben. Vielfältige Nutzungen sind angedacht, auch die Arbeit mit Flüchtlingen.

Weilimdorf - Kunst-Installationen, eine Mode-Kollektion und ein Konzert – das alles gab es am Samstag, 10. Oktober, dort zu bestaunen, wo früher die Gärtnerei Walz ihre Büros hatte. Das einstige Verwaltungsgebäude wurde vom Verein Chloroplast aber nur anlässlich des Herbstfests bespielt und schon am Sonntag wieder geräumt. Der benachbarte Bungalow und drei Gewächshäuser hingegen hat der Verein längerfristig gemietet.

„Wir sind seit Anfang des Jahres schon hier“, sagt Andreas Zeger. Der Kunstpädagoge ist im Vorstand des Vereins, der sich die Wiederbelebung des Walz-Areals auf die Fahnen geschrieben hat. Zunächst wurde nur das Wohnhaus, ein Bungalow aus den sechziger Jahren, angemietet. „Der Bungalow war die Keimzelle für die Überlegung, das Projekt weiter auszudehnen“, erzählt Zeger. Er wohnt in der Nachbarschaft in Bergheim, hat sein Atelier und eine Galerie in den Wagenhallen. Auf der Suche nach einem Lagerraum hat er sich an Rüdiger Walz gewandt – doch dann hat es ihm das ganze Areal angetan.

Gewächshäuser werden für Urban Gardening genutzt

„Es ist viel zu schade, so ein Gelände mit den vielfältigen Möglichkeiten hier brach liegen zu lassen“, sagt Zeger. Diese Kombination aus Gewächshäusern, Werkstätten und Büroräumen gebe es nicht oft: „Das ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.“ Bereits im Sommer hat er in Zusammenarbeit mit dem Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt ein internationales Workcamp auf dem Walz-Areal veranstaltet: Eine Woche lang haben 17 Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Ungarn dort und an den Wagenhallen gemeinsam an Kunstwerken gearbeitet.

Künftig soll ein Schwerpunkt des Vereins darauf liegen, die Gewächshäuser an der Solitudestraße wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zuzuführen: „Urban Gardening soll ein größeres Ding hier werden“ sagt Zeger. Das Areal soll aber nicht nur zum Gärtnern, sondern auch für künstlerisches Arbeiten genutzt werden. Neben den Werkstätten seien dazu auch die einstigen Büroräume der Gärtnerei ideal geeignet. Das Herbstfest des Vereins wurde daher auch dafür genutzt, um zu illustrieren, was dort alles möglich wäre, erklärt Zeger. So waren am Sonntag unter anderem Werke von Studenten der Akademie der bildenden Künste und der Hochschule der Medien, von Interaktionsdesignern und von Künstlern, die schon das Azenberg-Areal mitgestaltet haben, zu sehen. „Mein Interesse ist immer das Interdisziplinäre“, sagt Zeger. Er betont aber, dass er sich lediglich als Initiator und Katalysator des Projekts sehe, das von vielen Menschen mitgetragen und gestaltet werde. Im Verein seien etwa Landschaftsarchitekten, Bio-Bauern und Sozialarbeiter aktiv, die alle auch künstlerisch tätig seien. „Wir haben eine gute Mischung an qualifizierten Leuten.“

Auch Flüchtlinge sind eingeladen mitzumachen

Mit Rüdiger Walz und dem Insolvenzverwalter der Gärtnerei stehe der Verein in gutem Kontakt, sagt Zeger: „Wir versuchen, einen Weg zu finden, wie wir das hier wuppen können.“ In der Vergangenheit seien aber schon einige Versuche, das Walz-Areal wiederzubeleben, gescheitert – auch wegen des Flächennutzungsplans. Deshalb sei die Frage, ob und wie das Verwaltungsgebäude künftig genutzt werden kann, ein Knackpunkt für das Projekt.

„Ich sehe das ganze als eine Riesenchance für den Stadtteil“, sagt Zeger. „Eine solche offene kulturelle Nutzung fehlt in Weilimdorf bislang.“ Man wolle gerne Leute aus der Nachbarschaft einbinden, Platz zum Gärtnern gebe es genug. Zeger kann sich auch gut vorstellen, andere Vereine ins Boot zu holen und etwa die Geschäftsstelle der SG Weilimdorf ins Verwaltungsgebäude zu integrieren. Vor allem aber denkt er an die Nachbarn, die in Kürze nach Weilimdorf kommen: Sowohl gärtnerische als auch künstlerische Tätigkeiten seien ideal, um mit Flüchtlingen zu arbeiten. „Musik, Theater, bildende Kunst – das sind Sprachen, die man in allen Kulturen versteht.“

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