Die Wiener Band Wanda zeigt bei ihrem Auftritt in Schorndorf, warum der Hype um sie völlig gerechtfertigt ist. Der Frontmann lässt sich vom Publikum zur Bar tragen – und die Band entstaubt mal eben den Austropop.
Schorndorf - „Wir sind schon fast fertig mit dem zweiten Album. Das kommt im Oktober und ist nicht ganz so brillant wie ‚Amore’, es wird sich aber viel besser verkaufen“. Der Frontmann, der sich Marco Michael Wanda nennt, kokettiert mit dem riesigen Rummel, dem Hype, der letztes Jahr um seine Band und den Überhit „Bologna“ entbrannte. Die Aufmerksamkeit nimmt nicht ab, die angekündigte Veröffentlichung des zweiten Albums bei einem Major-Label ist keine Überraschung.
Zu tosendem Beifall erscheint das Wiener Quintett auf der Bühne der seit März restlos ausverkauften Manufaktur in Schorndorf. Es ist der Ersatztermin des ursprünglich für Januar geplanten Konzerts; umso glücklicher zeigen sich die Zuschauer. Den ersten Reihen reicht man Bierflaschen. Dann geht es ungestüm los: „Weil du weiße Zähne hast, / obwohl du ständig rauchst, / ist der Thomas in dich verliebt und ich auch“.
Wanda gelingt es, den angestaubten Austropop von der erdrückenden Schlagerlast zu befreien und in Indiekreise zu überführen. Die gelingt durch die von der „FAZ“ festgestellte Verbindung„altwienerische[r] Morbidität mit Punkrock“. Das eröffnende „Luzia“ ist der beste Beleg. Ein bluesiges Schlagzeug, trifft auf wüste Gitarren, geht in einen charmant polternden Rhythmus über. Wanda wirbelt derweil über die Bühne, streckt die Arme zu Flugzeugtragflächen aus, dreht sich im Kreis – und leidet: „Tu mir weh, Luzia / Oder irgendwer anders tut’s statt dir“.
Kein Kitsch
Die Wiener konfrontieren ihr Publikum mit einer gehörigen Portion Pathos. Dass dieser niemals in bloßen Befindlichkeitskitsch kippt, sondern stets dem ehrlichen Ethos eines Bühnenarbeiters entspricht, ist sympathisch authentisch und ein entscheidender Grund für die Ehrerbietung, die der Band allenthalben entgegengebracht wird. Tanzbar ist das alles obendrein und wenn im direkten Anschluss „Kairo Downton“ die Italo-Disco so funkig zitiert, wie es weiland Wolfgang Ambros immer verwehrt war, bewegt sich das durch und durch heterogene Publikum fast so exaltiert wie der Frontmann vor ihnen.
Der gern gebrachte Falco-Vergleich ist hier angebracht – und das durchaus ein Kompliment. „Als ich ‚Amore’ geschrieben habe, habe ich nur die Beatles und Falco gehört“, erzählte der Frontmann immerhin kürzlich dem „Musikexpress“. „Jelinek“, der Song mit größten Beatles-Appeal wird heute ausgespart, was nicht weiter auffällt. Denn die einzelnen Stücke sind weitgehend austauschbar, entfalten live ihre Wirkung vor allem durch die beeindruckende Energie der Gruppe.