Wanda in Stuttgart „Stuggi, mia san eine Gang“

Sänger Marco Wanda beim Konzert im Stuttgarter Club LKA am Donnerstag. Weitere Bilder zeigt die Fotostrecke. Foto: Lg/Leif Piechowski

Die Wiener Band Wanda trägt beim Abschluss ihrer Clubtour im Stuttgarter LKA dick auf und sagt das verbotene S-Wort. Wie fühlt sich das nach dem Tod des Keyboarders an?

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Die Wiener Band Wanda hat es schwer. Die Luft schien raus nach 1000 Mal „Amore“ und dem kraftlosen Album „Ciao“ aus 2019; während der Pandemie war ohnehin nicht viel Rock’n’Roll. Dieses Jahr hat der Tod des Keyboarders Christian Hummer mehr Menschen bewegt als das neue Album „Wanda“. Drummer Lukas Hasitschka war der Band auch noch abhandengekommen. Sind die einstigen Retter des Rock’n’Roll nur noch ein Abklatsch ihrer selbst?

 

Das Konzert im ausverkauften LKA gibt die Antwort, und mehr als 1000 Fans schreien sie mit. Wanda hatten die kluge Idee, auf Clubtour zu gehen; in Stuttgart endet sie. Auf Hallenformat gewachsene Bands finden im kleinen Rahmen oft jenes Gefühl wieder, das sie einst groß gemacht hat – man denke nur an das erste Wanda-Konzert in der Region, 2015 in Schorndorf. Zur Schnapsbar lässt sich der Sänger Marco Wanda diesmal nicht tragen. Aber er kündigt noch vor dem ersten Song an: „Des wird wild heute!“

Darum ist diese Band gerade wichtig

So kommt es dann auch. Die Band spielt jeden Song ein Stückchen schneller als auf Platte. Weil fast jeder Song ein Hit ist, bleiben auch kaum Pausen zum Durchschnaufen beziehungsweise Zigarettenrauchen. Publikum und Band teilen an diesem Abend die Lust auf Eskalation, dafür braucht es nicht einmal die im Laufe der Tour durch ein Jeanshemd ersetzte, ikonische Lederjacke des Frontmanns.

Der beweist Sinn für Selbstironie, als er „für den Zeitgeist“ einen imaginären Flügel auf die Bühne holt, nach zwei Sekunden aber zum nächsten Kracher „Luzia“ wie von der Nosferatu-Spinne gebissen aufspringt. Wanda sind nicht mehr der heiße Scheiß wie zu „Bologna“-Zeiten, aber das geht den meisten Bands ohnehin höchstens einmal in ihrer Karriere so. Vielmehr nimmt die auf Tour zum Sextett angewachsene und in dieser Besetzung reichlich krachend aufspielende Kombo ihr Publikum im LKA auf eine Konzertparty wie vor Corona mit. Die Fans hüpfen, tanzen, singen und liegen sich in den Armen. Das hat zweieinhalb Jahre lang schmerzlich gefehlt, es tut gut und alleine deshalb sind Wanda gerade so wichtig.

Auf den Shirts nur noch zu viert

Ganz dieselben wie auf ihrer ersten Tour sind sie dann aber doch nicht. Das hat zu kleineren Teilen mit Details wie dem Bierflaschenhalter am Mikroständer von Gitarrist Manuel Poppe zu tun, unter dem eine helfende Hand sofort aufwischt, wenn das Bier überschäumt. Die beim Konzert verkauften neuen Bandshirts zeigen bereits nur noch vier Musiker. Nach dem viel zu frühen Tod ihres Keyboarders Christian Hummer treten die Band und ihre Fans ganz offensichtlich die Flucht nach vorne an.

Als Ersatz steht im LKA Georg Gabler auf der Bühne, der unter anderem mit Rainhard Fendrich arbeitet. Dass die Wahl auf den 63-Jährigen fiel, der locker der Vater seiner Mitmusiker sein könnte, schafft eine schöne Brücke zur Austropop-Tradition, an die Wanda anknüpfen. In diesem Genre sind große Gefühle genauso wenig tabu wie die eine oder andere Dialektverirrung. „Stuggi, mia san eine Gang“, schreit Marco Wanda nach 100 Minuten im LKA. Das S-Wort kann man mit guten Gründen nervig finden. An diesem Abend hat er einfach Recht.

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