Herr Professor Alscher, vor Ihrem Büro drehen sich zahlreiche Kräne. Was sind Sie gerade mehr, Mediziner oder Bauherr?
Mediziner. Weil es immer um den Patienten im Mittelpunkt geht. Aber das, was baulich entsteht, ermöglicht eben exzellente Medizin.
Die Baustelle und das, was entsteht ist ja kein Selbstzweck. Wie verändert sich die Medizin durch die neue äußere Hülle?
In der Medizin stehen wir vor einer Disruption. Die alte Struktur ist zu teuer. Zudem haben wir ein Fachkräfteproblem. Nur wenn wir die Chancen der Digitalisierung und Automatisierung in idealer Weise nützen, die Prozesse optimal gestalten und dabei für den Patienten das Erleben des Krankenhausaufenthaltes möglichst angenehm gestalten, haben wir eine Chance, zukunftsfähig zu sein.
Wie kann da die Architektur helfen?
Das entstehende Gebäude hat mehrere Aufgaben. Der Patient soll sich geborgen fühlen. Dafür haben wir eine ideale Lage, oben auf dem Berg mit Rundumblick, mit einem Landschaftsschutzgebiet drum herum und trotzdem mitten in der Innenstadt. Deswegen haben wir auch eine hohe Verantwortung, was diesen Bauplatz angeht. Gleichzeitig soll das neue Gebäude helfen, dass wir uns aus der alten Struktur lösen. Statt Einzelbüros entstehen Flächen, wo Teams multiprofessionell zusammenarbeiten können, was in der alten Struktur deutlich erschwert ist. Und es erlaubt uns, dass wir die Prozesse idealtypisch aufsetzen können, mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung.
Das neue Krankenhaus wird nicht vor 2029 fertig sein, bis dahin bleibt der Burgholzhof Baustelle. Überwiegt eher die davon ausgehende Beeinträchtigung oder die Vorfreude?
Unbedingt die Vorfreude, weil wir so Zukunftsfähigkeit bekommen. Man muss sich auch mal bei uns die Historie anschauen. Robert Bosch der Ältere, hatte, als er 1915 die Krankenhaus GmbH gründete, kein passendes Haus dafür. Deswegen zog man in ein Aushilfshaus in der Marienstraße. 1940 ging dann das Robert-Bosch-Krankenhaus am Pragsattel in Betrieb. Irgendwann war das Gebäude nicht mehr passend. 1973 wurde der heutige Standort auf dem Burgholzhof bezogen und jetzt passen wird die bauliche Struktur an die Entwicklung an. Das ist jetzt einfach der richtige Schritt, um in Zukunft zu bestehen.
Ihre Gesellschafter investieren hier einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Die wirtschaftliche Lage ist schwierig. Würde man heute nochmals ein so großes Projekt angehen?
Wir haben ein klares Bekenntnis unseres Gesellschafters, der Robert-Bosch-Stiftung, dass wir diese finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Die Alternative hier nicht etwas zu tun, die gibt es eigentlich nicht. Sie müssen sehen, wir sind im Stuttgarter Norden für 180 000 Einwohner das erste und primäre Krankenhaus. Sie können nicht 180 000 Einwohner ohne Krankenhaus lassen.
Der schönste Neubau nutzt allerdings nichts, wenn er nicht zu erreichen ist. Der Standort hat ein Verkehrsproblem. Haben Sie ein Konzept, wie das besser werden kann?
Wir versuchen, die Stadt für unsere Idee einer Seilbahn zu begeistern. Das geht schon seit vielen Jahren. Der nahe gelegene Pragsattel ist ideal an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Alle zwei Minuten kommt eine Bahn. Aber die letzten Meter hier hoch zu uns auf den Burgholzhof sind das Problem. Der Bus fährt über die enge Stichstraße, auf der es oft Stau gibt. Er bleibt häufig stecken. Das Problem ließe sich aus meiner Sicht auf einen Schlag lösen mit einer Anbindung per Seilbahn an den Pragsattel. Das wäre auch attraktiv für Angehörige und Patienten. Die würden durch so eine Lösung massiv profitieren, ebenso der ganze Stadtteil. Auch die Anwohner leiden unter den Verhältnissen.
Finden Sie Gehör bei der Stadt?
Wir haben jetzt eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht. Das Projekt wäre, wenn die Genehmigungsverfahren schnell gehen, in vier Monaten umsetzbar.
Verkehrsminister Winfried Hermann hat schon sehr viel Sympathie für diese Idee bekundet. Doch in der Stadt untersucht man seit Jahren eine Seilbahnstrecke in Vaihingen, ohne dass da etwas vorwärts ginge.
Von den großen Gemeinderatsfraktionen haben wir Signale, dass sie das positiv sehen. Das Risiko ist, dass man es eben zu kompliziert machen will. Wenn ich die große Lösung suche, eine Trasse, die einmal durch die Stadt geht, dann bin ich bei einem Projekt, das ähnlich komplex ist wie Stuttgart 21. Wir sagen: einfach, simpel, das reicht uns. Die Anbindung unseres Standortes könnte beispielgebend sein. Die Stadt hat hier eine einmalige Chance. Sie könnte zeigen, dass schnelle, pragmatische Lösungen möglich sind. Die Seilbahn wäre nachhaltig. Wir entlasten den Individualverkehr und wir würden eben für diese wirklich schwierige Topografie der Stadt Stuttgart eine Lösung anbieten.
Die Stadt hat aber derzeit ein Finanzproblem.
Ich will jetzt die Summe bewusst nicht direkt nennen, aber es ist wirklich gut machbar und wir haben sogar Ideen entwickelt, ob wir einfach Spendengelder einsammeln, um es der Stadt zu ermöglichen, das umzusetzen.
Bis wann sollen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen?
Wir haben erste Vorergebnisse. Ende Dezember ist die Machbarkeitsstudie abgeschlossen. Wir haben die mit eigenem Geld auf den Weg gebracht, um klarzumachen: es ist machbar.