Wanderlust-Tour 2024 So war das Schiller-Konzert im Wizemann

Der Musiker Christopher von Deylen hat mit seinem Musikprojekt Schiller am Sonntagabend im Wizemann gastiert. Foto: Ferdinando Iannone/Lichtgut

Schiller alias Christopher von Deylen hat im Stuttgarter Wizemann rund 1000 Besucher mit seinen Elektronikklängen verzaubert. Die haben es allerdings in der aktuellen Wanderlust-Version durchaus in sich.

Nachrichtenzentrale : Lukas Jenkner (loj)

Elektronische Romantik wird der Sound von Schiller, einem Projekt des deutschen Musikers Christopher von Deylen, gerne genannt. Davon war am Sonntagabend im Stuttgarter Wizemann allerdings phasenweise wenig bis gar nichts zu hören. Bereits mit den ersten Takten des Auftakt-Songs „Schiller“ war der Klang für die kommenden zwei Stunden gesetzt: Wuchtige Bässe dominierten die Musik bisweilen derart, dass der Rost von den voluminösen Lüftungsrohren an der Saaldecke zu rieseln schien.

 

Es hatte durchaus seinen Reiz, die sonst oft sphärischen und eingängigen Melodien aus dem Schiller-Kosmos einmal als Techno oder House Remixes zu hören und zu erleben. Manche Besucherinnen und Besucher dürften davon etwas überrascht gewesen sein. Der Begeisterung tat dies aber keinen Abbruch. Jeder Titel wurde von den rund 1000 Zuhörern frenetisch gefeiert.

Machen Sie eine typische Handbewegung: Das Drehen von Reglern zählt zu den Kernaufgaben bei live dargebotener elektronischer Musik. Foto: Lichtgut//Ferdinando Iannone

„Wanderlust“ heißt die aktuelle Tour von Schiller, und gemeint ist damit nicht nur das Tingeln von Club zu Club quer durch Deutschland und Österreich, gut zwei Dutzend Konzerte sind es insgesamt, sondern auch die „Lust am Wandern“ durch die Klangwelten, wie Christopher von Deylen nach dem ersten, bejubelten Set erklärte. Und beim Wandern sei der Weg das Ziel. Eine Liste mit den geplanten Songs des Abends, eine so genannte Setlist, bleibe er deshalb schuldig, sagte Von Deylen. Er wisse zwar ungefähr, was er vorhabe, werde sich aber letztlich von der Energie des Abends treiben lassen.

Elektronische Sounds aus dem Experimentallabor

Heraus kam ein gut zweistündiges Konzert, in dem Kenner der Schillerschen Musik immer wieder ihre Lieblinge und Hits aus nunmehr rund 25 Jahren wiedererkannten, auch wenn die Bässe und elektronische Sounds aus dem Experimentallabor à la Kraftwerk die Zuhörer mitunter ordentlich forderten. Von Deylen servierte Opener „Schiller“ und Klassiker wie „Liebesschmerz“, „Metropolis“ und als Zugabe das wundervolle „Ruhe“ ganz anders als sonst – aber überraschend gut.

Die Lightshow war dezent, aber stimmungsvoll. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

Ausgeleuchtet wurde die Musik von einer reduzierten, aber stimmungsvollen Lightshow, in der drei Handvoll, auf der Bühne locker verteilte Leuchten für dezente und schöne Effekte sorgten – einige Male aber auch den Charme der Tricktechnik aus der deutschen Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille Orion“ entwickelten.

Unterm Strich bleibt der Besuch eines Schiller-Konzerts jedes Mal ein Experiment. Wie es am Ende gewesen sein werde, wisse er selbst am Anfang nicht so genau, gibt der Musiker Christopher von Deylen zu. Deshalb darf man gespannt sein, was er 2026 dem Publikum präsentieren wird. Da will er mit einer Arena-Tour mit dem Titel „Euphoria“ unterwegs sein – und auch in Stuttgart gastieren.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Musik Elektronik