Wandern im Schwäbischen Wald Vom Ebnisee zur Gallengrotte

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Am Ufer des Ebnisees beginnt die knapp sechs Kilometer lange Rundtour „Idyllische Straße“ bei der alle voll auf ihre Kosten kommen: die Kinder, die Erwachsenen – und selbst der Hund.

Der Ebnisee bei Kaisersbach lädt ein zum Paddeln, zum Schwimmen und zum Wandern. Foto:Frank Eppler Foto:   13 Bilder
Der Ebnisee bei Kaisersbach lädt ein zum Paddeln, zum Schwimmen und zum Wandern. Foto:Frank Eppler

Kaisersbach - Dieser Sommertag ist wie bestellt für die tolle, knapp sechs Kilometer lange Rundtour mit Start und Ziel am Ebnisee bei Kaisersbach. Am Himmel tanzen ein paar Wolken, immer wieder lugt die Sonne hervor. Es ist nicht zu warm, aber auch nicht kalt. Das Auto ist auf dem großen Parkplatz direkt am Ufer des Ebnisees abgestellt. Die Familienwanderung beginnt – und führt zunächst direkt am Ufer entlang. Verlaufen ist kaum möglich, denn alle paar hundert Meter weist das grüne Schild „Idyllische Straße – aktiv wandern“ mit dem großen G den Weg. Perfekt. Auf dem ehemaligen Flößersee fahren zwei Tretboote. Die Miete für so ein Bootle kostet für eine halbe Stunde neun Euro, das ist auf dem Schild am Bootssteg zu lesen.

Der Ebnisee wurde im 18. Jahrhundert als sogenannter Schwellweiher angelegt, um Holz auf der Wieslauf in Richtung Rems und dann weiter in den Neckar zu transportieren. Heute dient der Ebnisee in ersten Line der Naherholung.

Vögel zwitschern, Insekten summen, Idylle pur

Wir wollen zunächst indes nicht Boot fahren – und schon gleich gar nicht Flößen, sondern unsere Wanderung starten, die uns später unter anderem zum Limes führen wird – oder besser gesagt zu den Resten des einstigen römischen Schutzwalles, die zumindest stellenweise noch zu erahnen sind. Vorbei geht es am Restaurant Himmelreich und einem Schild, das alle vierbeinigen Ausflügler – beziehungsweise deren Beisitzer – darauf hinweist: Hunde sind auf dieser Wiese jedenfalls verboten. Pech für Loki, unseren kleinen schwarzen Pudel, der aber sowieso lieber am Ufer entlang tollt, überall herum schnüffelt und dann in Richtung Wald spurtet. „Baden auf eigene Gefahr“, heißt es auf einem Schild direkt am Wasser, wo allerdings mehrere Einstiegsstellen angelegt wurden. Und weiter: „Betreten der Eisfläche verboten – für Schäden wird nicht gehaftet“. Alles vorbereitet also auch für die Wintersaison.

An einer Feuerstelle entzündet ein junger Mann soeben Holzkohle. Vögel zwitschern. Insekten summen. Idylle pur. An einer Kreuzung weisen Schilder in alle möglichen Richtungen, auf einem Wegweiser steht „Murrhardt: 16 Kilometer“. Wir folgen aber jenem Schild, auf dem steht: „Gallengrotte: 1,1 Kilometer“. Zunächst weiter geradeaus auf einem asphaltierten Weg, dann rechts abbiegen – und hinein ins Vergnügen. Ein schmaler Pfad führt mitten durch den Forst. Steinpilze und orange-farben leuchtende Korallenpilze wachsen am Wegesrand.

Rechts ein kleiner Bachlauf, ein Dorado für Loki und auch für Kinder. Einen quer liegenden Baum überklettern, dann erblicken wir zur Linken eine kleine Koppel, auf der vier Pferde grasen. Jetzt fließt der Bach quer über den Weg. Im Matsch sind die Spuren von Mountainbikes zu erkennen. Ob das wohl erlaubt ist? Fahrradfahren im Wald? Vermutlich nicht an diesem Ort, denn der Weg ist viel zu schmal. Dann ein kurzer Abstecher zur Gallengrotte.

Alle Wanderer sollten festes Schuhwerk tragen

Zur Erklärung des Namens hat sich ein gewisser Gustav Kircher anno 1930 die Geschichte eines römischen Veteranen mit dem Namen Gallus ausgedacht, der vom Germanen Heinz nach der Erstürmung des Limes in der Grotte versteckt gehalten worden sei, weil dieser angeblich in die Tochter des Gallus verliebt war. Richtig ist vielmehr, dass man die flaschengrüne Schlacke, die vor Jahrhunderten bei der Glasherstellung entstand, Galle nannte – und in der Grotte entsorgt hat.

„Doch wem die Geschichte vom Gallus besser gefällt, obwohl sie voller geschichtlicher Unstimmigkeiten ist, darf sie ruhig glauben“, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde Kaisersbach. Buben und Mädchen, die die Grotte besuchen, dürften beide Geschichten weniger beeindrucken als das Herumkraxeln in der Grotte. Aber Vorsicht: Rutschgefahr. Alle Wanderer sollten festes Schuhwerk tragen.

Oberhalb der Grotte lädt ein Schild zur Audiotour ein. Doch wer die angegebene Telefonnummer wählt, bekommt keine Informationen zur Gallengrotte zu hören, sondern „der gewünschte Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar“.

Wachturm des Obergermanischen Limes

Nach der Bewältigung eines steilen Anstiegs und dem Queren einer Autostraße ist bald der Limes zu erahnen: die Überbleibsel des Walls und des Grabens.

Auf dem letzten Abschnitt der Wanderung kommen die Ausflügler vorbei am Fundament des römischen Wachpostens 9/116 Spatzenhof. Dieser Wachturm des Obergermanischen Limes, heißt es auf einem Schild, sei bereits im Jahr 1814 entdeckt worden. 1977 schließlich gruben Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege diese Turmstelle vollständig aus. Anschließend seien die Steine dann vom Forstamt Welzheim konserviert worden. Dieser Wachposten auf 561 Höhenmeter ist übrigens der höchst gelegene zwischen Walldürn und Alfdorf.

Weiterhin bestens beschildert finden die Wanderer den Rückweg zum Ebnisee ohne Probleme. Nach etwa zwei Stunden liegt ihnen der See wieder zu Füßen – jetzt könnte man Tretboot fahren oder schwimmen, einkehren in eine der Wirtschaften in der Nähe oder beim Imbiss auf dem Parkplatz eine Rote essen.

Wandern, Schwimmen, Einkehren

9.15 Uhr
Abfahrt Winnenden Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB), Bussteig 2, Linie 330

10.02 Uhr
Ankunft Kaisersbach, Haltestelle Ebnisee

10.03 Uhr
Start der Wanderroute Tour G, Idyllische Straße (5,6 km, etwa zwei Stunden). Die Wanderung führt zunächst direkt am Ufer des Sees entlang bis zur Gallengrotte. Das eindrucksvolle Naturdenkmal liegt versteckt am Ende einer Klinge. Weiter geht es auf den Spuren des Welterbes Limes – teilweise auf dem fast 2000 Jahre alten Grenzwall – vorbei an Wachtturmresten und einem ehemaligen Kleinkastell. Mehrere informative Tafeln entlang des Weges geben interessante Einblicke in das Leben der Römer an der Grenze zu Germanien. Durch den Wald endet der Rundweg wieder am Ebnisee.

12.30 Uhr
Einkehr im Restaurant Himmelreich, Ebnisee 2, 73667 Kaisersbach-Ebni, idyllische Lage mit Blick auf den Ebnisee. Rund um den Badesee gibt es alternativ ausgewiesene Grillplätze, Kioske und einen Biergarten.

14 Uhr
Zum Nachtisch chillen am See, bei Sommerwetter laden die zahlreichen kleinen Liegewiesen zum Baden ein oder auch nur um die Wanderfüße zu kühlen. Wer die Zeit lieber auf dem Nass anstatt darin verbringt, kann in die Ruder greifen oder mit dem Tretboot über den Ebnisee schippern.

16.22 Uhr
Kaisersbach, Haltestelle Ebnisee, Abfahrt mit der Buslinie 330 (alternativ 18:22 Uhr)

17.13 Uhr
Ankunft Winnenden (alternativ 19:13 Uhr)

Diesen Ausflugstipp
hat die Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald zusammengestellt.