Versteckt hinter Kastanienbäumen liegt der Amortempel in Scharnhausen. Er ist über die Staffel an der Bergstraße zu erreichen. In der lauschigen Laube, die zum 1784 erbauten Lustschloss gehörte, hat einst der württembergische Herzog Carl Eugen die Schäferstündchen mit seiner langjährigen Geliebten und späteren Ehefrau, Franziska von Hohenheim genossen. 1788 wurde der Tempel errichtet, der an die antike Baukunst erinnert. Auf dem schindelgedeckten Kuppeldach ist ein modellierter Pinienzapfen zu sehen. Das ist ein Symbol der Fruchtbarkeit. Der Tempel war Teil einer englischen Gartenanlage, die rund um das Schlössle in Scharnhausen angelegt war.
Spielerische Kunst Der Spaziergang in die württembergische Geschichte beginnt an der Stadtbahnhaltestelle Parksiedlung und führt über das ehemalige Gartenschaugelände im Scharnhauser Park. Kunstfreunde dürfen den Froschbrunnen und die Sitz- und Flitzhasen der Künstlerin Rosalie nicht verpassen. Wer Kinder hat, sollte den Flieger-Spielplatz ansteuern. Moderne Kunst, Erlebnis und Heimatgeschichte bietet die Tour.
„Durch diese hohle Gasse...“ Dann geht es über die schattige Kastanienallee hinunter nach Scharnhausen. Dort führt die Strecke in den gepflasterten Hohlweg hinein. Er ist wohl künstlich angelegt worden, um den Bewohnern den Weg ins Tal zu erleichtern. Eine Schautafel informiert über die geologische Historie dieser „hohlen Gassen“, denen Friedrich Schiller eine Schlüsselszene mit dem Landvogt Gessler in seinem „Wilhelm Tell“ gewidmet hat. Immer wieder finden sich entlang des Wegs Schilder, die über die Geschichte informieren.
Alles im Fluss Der untere Teil des Weges ist steinig. Da ist Trittsicherheit ein Muss. Vogelgezwitscher begleitet die Wanderer. In der Ferne am strahlend blauen Himmel starten die großen Flugzeuge vom Stuttgarter Flughafen. Vorbei an den Pferdekoppeln des Hippozentrums, das heute im ehemaligen Lustschloss des Herzogs sein Domizil hat, geht es ins Körschtal. Der wildromantische Fluss ist in Ostfildern nicht an allen Stellen zugänglich. Das beruhigende Plätschern des Wassers begleitet die Wanderer, auch wenn man das Wasser nicht immer sieht.
Mühlen klappern nicht mehr Ein kleiner Abstecher lohnt zur Hofer Mühle, die an der Straße nach Ruit liegt. Der Gebäudetrakt von 1566 mit der Wohnung des Tierarztes ist das Zentrum des Gestüts Scharnhausen. Davor ist der breite, gusseiserne Brunnen von 1822 ein Hingucker, der einst der Anzucht von Forellen diente. Das Motiv einer säugenden Stute erinnert an das Königliche Gestüt, welches hier zuhause war.
Hoch zu Ross Pferde grasen am Fluss noch immer. Der Reiterhof Stockhausen und die Reiterstaffel der Polizei haben hier ihr Domizil. Die Rundwanderung führt in den Ortskern von Scharnhausen. Allerdings kommen sich auf dem Wanderweg Radler, Reiter und Spaziergänger in die Quere.
Verweilen am Brunnen Beim Restaurant „Brücke“ in Scharnhausen hat die Stadt das Ufer der Körsch aufgewertet. Die orangefarbene Skulptur einer Brustschwimmerin der Ostfilderner Künstlerin Birgit Rehfeldt zieht Blicke auf sich. Auf Bänken verweilt man am Brunnen. Über die Körschtalhalle und die Rolf-Brack-Straße geht es über das Körschtal, vorbei an der Wörnitzhäuser Mühle in den historischen Ortskern Nellingens. In der Probstei ist heute das Rathaus, im Klosterhof stehen Fachwerkgebäude. Über Nellingen führt die 10,5 Kilometer lange Tour zurück in den Scharnhauser Park. Mit drei Stunden Gehzeit sollte man rechnen.
Naturschauspiel Wer den Schlenker über Nellingen auslassen will, kann von Scharnhausen den steilen Anstieg zurück in den Scharnhauser Park wählen. Von der Landschaftstreppe hat man einen herrlichen Blick auf die Alb. An der Treppe sollte ein Picknick nicht vergessen werden. Besonders stimmungsvoll ist das bei Sonnenuntergang.
Dieser Text wurde neu veröffentlicht, die Erstveröffentlichung war am 21. Mai 2024.