Aktuell scheint ein Streik im ÖPNV auf den anderen zu folgen. Ist bald ein Ende in Sicht?

Digital Desk: Lukas Böhl (lbö)

Seit Wochen kommt es in mehreren Bundesländern immer wieder zu Warnstreiks bei Bus- und Straßenbahnunternehmen. Hintergrund ist eine laufende Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft ver.di und den kommunalen Arbeitgebern.

 

Tarifrunde im Nahverkehr läuft seit Monaten

Die aktuellen Arbeitskämpfe stehen im Zusammenhang mit der bundesweiten Tarifrunde im kommunalen Nahverkehr. Verhandelt wird über die Arbeitsbedingungen von rund 100.000 Beschäftigten in etwa 150 Verkehrsunternehmen in Deutschland.

In einigen Bundesländern geht es zusätzlich auch um Löhne und Gehälter. Besonders betroffen sind derzeit unter anderem Bayern, Brandenburg, das Saarland und Hamburg.

Die Gewerkschaft ver.di hat in den vergangenen Wochen mehrfach zu Warnstreiks aufgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.

Warum wird so häufig gestreikt?

Nach Angaben der Gewerkschaft verlaufen viele Tarifverhandlungen bislang nur langsam. In einigen Regionen liegen noch keine konkreten Angebote der Arbeitgeber auf dem Tisch. Deshalb setzt ver.di immer wieder auf Warnstreiks, um Bewegung in die Gespräche zu bringen.

Zu den zentralen Forderungen gehören unter anderem:

  • kürzere Arbeitszeiten
  • bessere Regelungen für Schichtdienste
  • längere Ruhezeiten zwischen Einsätzen
  • höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit

Die Gewerkschaft begründet dies vor allem mit der hohen Belastung im Nahverkehr. Viele Beschäftigte arbeiten im Schichtdienst, häufig auch nachts und an Wochenenden.

Personalmangel im Nahverkehr wächst

Ein weiterer Hintergrund der Forderungen ist der zunehmende Fachkräftemangel im ÖPNV. Viele Verkehrsunternehmen haben Schwierigkeiten, ausreichend Fahrerinnen und Fahrer zu finden. Ungünstige Arbeitszeiten und hoher Zeitdruck gelten als wichtige Gründe dafür.

Die Gewerkschaft argumentiert, bessere Arbeitsbedingungen seien notwendig, um den Beruf langfristig attraktiver zu machen.

Wann endet die Streikwelle?

Ein genaues Ende der Warnstreiks lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Solange keine Einigung in den Tarifverhandlungen erzielt wird, können weitere Arbeitsniederlegungen folgen.

In einigen Bundesländern gibt es bereits Fortschritte. So wurden etwa in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bereits Tarifergebnisse erzielt. In vielen anderen Regionen dauern die Gespräche jedoch noch an.

Erst wenn sich Gewerkschaften und Arbeitgeber auf neue Tarifverträge einigen, wird die Serie von Warnstreiks im Nahverkehr endgültig enden.

Fahrgäste müssen weiter mit Ausfällen rechnen

Bis dahin müssen sich Pendler und Reisende in vielen Städten weiterhin auf kurzfristige Einschränkungen einstellen. Besonders betroffen sind meist Busse, Straßenbahnen und kommunale Verkehrsbetriebe. Fernverkehrszüge und viele Regionalzüge sind in der Regel nicht Teil dieser Tarifrunde.

Für Fahrgäste bedeutet das: Auch in den kommenden Wochen kann es immer wieder zu Warnstreiks und Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr kommen.